The Civil Wars benennen ihr zweites Album nach sich selbst – und zeigen uns, wie virtuose Country Musik geht

VERÖFFENTLICHUNG» 23.08.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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The Civil Wars stammen aus Nashville und machen (wie soll es auch anders sein) Country Musik. Nun muss man sich aber nicht auf Square Dance und Reisen über den unendlichen Highway einstellen, sondern darf durchaus filigranen Folkpop, in Teilen fast weltmusikalische Klänge erwarten.

Civil Wars bestehen aus dem Sänger und Gitarristen John Paul White und der Sängerin Joy Williams. Letztere entstammt der christlichen Songwriter-Szene und hatte einige erfolgreiche Soloalben. Wenn beide im Duett sängerisch tätig werden, darf man auch mal (wie beim Song „I Had Me A Girl“) ein blues-lastiges Stück genießen und dabei bewundern, wie die beiden miteinander harmonieren. „Wir haben sehr viel Herz, Seele und Tränen in die Entstehung des Albums gesteckt und hoffen, dass diejenigen, die es hören, das Herz in jedem Song spüren und einen Bezug zum eigenen finden“, sagt Joy Williams.

Dementsprechend ist das Album sehr ruhig gehalten. Es gibt auch kein Country-Geschrammel, sondern meist akustische Gitarrenklänge und feine Arrangements. Die größte Stärke der beiden liegt im Zusammenspiel der Stimmen. Da werden die Pausen klug gesetzt und man schwebt quasi durch die Melodien. Kein Wunder, dass The Civil Wars im Jahr 2012 nach dem Erscheinen des Longplayers „Barty Hollow“ die Grammys für das „Best Country Duo“ und das „Best Folk Album“ absahnen konnten.

Mit solchem Rückenwind wurde das neue, selbstbetitelte Album „The Civil Wars“ hervorragend produziert. Die Dynamik und das Zusammenspiel zwischen dem Duo und der dezenten Instrumentalbegleitung sind bewundernswert. Und wenn es dann mal kurzfristig lauter wird, wie zum Ende von „Eavesdrop“ und im Mittelteil von „Devil’s Backbone“, entsteht in diesem Wechselspiel von leisen und lauten Passagen wahre Gänsehaut-Atmosphäre.

Typische Country-Klänge kommen nur selten durch. In der Hymne „From The Valley“ ist es dann soweit. Wenn man den amerikanischen Musikgeschmack zugrunde legt, haben sich die beiden ihre Nummer 1 in den Billboard-Charts absolut verdient. Doch ich denke, dass Produzent Charlie Peacock auch Europa im Blick hatte. Die melancholischen Klänge sind zwar kaum radiotauglich, doch die Songs sollten auch uns zum Träumen bringen. Wie geil klingt beispielsweise die Coverversion „Disarm“ von den Smashing Pumpkins, hier ganz herunter gebrochen auf leise Mandolinentöne und weinerlich anklagende Vocals. Ganz großes Kino!

The Civil Wars dürfen stolz sein auf dieses Album und wir können einen melancholischen Herbst einläuten. Der durchweg organische Klang wird alle Freunde intelligenter Popmusik erfreuen.