The Faceless sind mit „Autotheism“ in aller Munde und nicht zu Unrecht

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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The Faceless starteten als einer der technisch versiertesten Deathcore Bands im Jahre 2006. Ihr Debutalbum Akeldama brachte wieder frischen Wind in ein modemutiertes Genre. Im zweiten Album kam dann der Fortschritt zu einer leicht progressiven Death Metal Band, die meine Erwartungen komplett überstieg. Spielfertig bot Planetary Duality einfach genau das, was den meisten Bands auf Sumerian Records 2008 fehlte: Präzision und Leidenschaft der alten Schule. Jetzt haben sich nach vier Jahren Wartezeit die Spannung und Vorfreude auf das neue Album Autotheism angestaut. Das Albumrelease hatte sich schon wieder ein Jahr verschoben, wie es letztes Jahr hieß. Jetzt, am 24. August, kam es endlich raus und die Meinung über diese Platte könnte nicht unterschiedlicher sein. The Faceless sind in aller Munde und nicht zu Unrecht.

Wie ich bereits vermutet hatte, ist der progressive Anteil dieser Platte weiter ausgebaut worden. Und hier setzt jetzt die Kontroverse über The Faceless an. Die progressiven Elemente sind nicht mehr im hinteren Teil, sondern übernehmen die Überhand. Songwriter und Gitarrist Michael Keene ist neben Drummer Lyle Cooper ein letzter Überrest der alten Bandbesetzung. Der neue Sänger Geoffrey Ficco macht seine Arbeit sehr gut und die anderen Neulinge fallen nicht auf. Eher das Gitarrist Keene fast so viel singt wie Ficco, stellt für viele alte Fans ein „Problem“ dar. Zwar war cleaner Gesang auf den vorherigen Platten immer ein Bestandteil der Band, aber in einem überschaubaren Maße. Auf Autotheism wird ein neues Level erreicht, welches für viele einfach zu abschreckend wirkt. Keene hat viel Liebe und Detail in diese Platte gesteckt. Die musikalische Breite an The Faceless war noch nie so vielfältig. Der Einfluss von Opeth, Extol und Devin Townsend ist nicht von der Hand zu weisen und getreu dieser genannten Bands wird versucht, eine Atmosphäre aufzubauen. Es gibt Klaviere und Orchester, um die theatralische Stärke der Songs zu zeigen. Sogar Zirkusmusik gibt es in manchen Passagen. Die Spielfertigkeit dieser Band wird nicht in Frage gestellt, eher ihre Songkonzeption. Während viele Fans diese Alben als logische Fortsetzung von Planetary Duality sehen, gibt es auch viele, die diese Platte einfach als zu überladen betrachten. Es werden hier verschiedene bekannte Elemente zu einem Puzzle zusammengesetzt, welche einem einzeln vertraut ist, aber in dieser Zusammensetzung seine Zeit braucht. Das Konzept des progressiven Death Metal wird hier weitgestreckt und manchmal fühlt es sich an, als wären einzelne Parts kein Teil von The Faceless. Und hier liegt jetzt die Stärke dieser Band: Sie schafft es immer wieder, ihre alten Fähigkeiten in diesen Topf von musikalischen Vielseitigkeiten unterzubringen und so den Hörer immer wieder an die „eigentliche“ Band zu erinnern. Zwar sind diese Parts teilweise rar gesät, aber dennoch vorhanden. Natürlich werden einige jetzt sagen, dass die Zusammensetzung aus vielen Dingen seit Between The Buried and Me und Dream Theater kein Geheimnis mehr ist. Aber die Aussage, The Faceless wären nur noch eine Kopie, ist einfach falsch. Das Zusammenspiel von vertrauten Dingen zu einem ungewohnten Neuen ist der Reiz an Autotheism, welcher mir bei denen oben genannten Bands schon seit einiger Zeit fehlt. Nur ein großes Manko hat dieses Album, dass Schlagzeuger Lyle Cooper und Bassist Evan Brewer (Ex-Animosity) als talentierte Spieler mit ihren Instrumenten nicht stark glänzen können. Darauf sollte wieder mehr geachtet werden.

Mit diesem Album werden The Faceless nur Fans gewinnen können. Wer sich Zeit nimmt, wird seinen inneren „Prog-Schalter“ finden und ihn umlegen. Wenn der Funke gefunden wurde, gibt es kein Halten mehr. Alle, die sich keine Zeit nehmen wollen, können ja gerne auf die neue Obscura Platte warten. Bis dahin sollte aber einige Zeit sein, um sich mit Autotheism vertraut zu machen. Gut Ding will Weile haben.