Musicheadquarter.de – Internet Musikmagazin – Hier ist Musik zuhause!
Menu
Rock Pit Cologne BBQ Restaurant & Bar. Haltestelle Zülpicher Platz Köln.

The Offspring: “Let The Bad Times Roll”, gute Zeiten in einer mäßigen Zeit

The Offspring  •  Let The Bad Times Roll
Veröffentlichungsdatum: 16.04.2021
Unsere Bewertung: 7 von 9 Punkten

Man sollte meinen, dass man in den letzten 1,5 Jahren alles gesehen und erlebt hat. Egal, ob dir jetzt Nudel-Hamsterkäufe, die unzähligen Demonstrationen oder – aus musikalischer Sicht – das Comeback von Seemannsliedern, in Form der Sea Shanty Bewegung, in den Sinn kommt.

Nein, nun veröffentlichen auch noch The Offspring nach neun (!) Jahren mit „Let The Bad Times Roll“ einen neuen Longplayer. Die Frage darf gestellt werden: Braucht man so ein Album, samt Titel überhaupt noch? Hat der Punk ausgedient? Ja und nein heißt hier die Antwort. Dieses Album kommt genau zur richtigen Zeit und zeigt, dass Punkrock noch nicht am Ende ist. Dabei berufen sich Dexter Holland & Co. auf alte Stärken, lassen sich aber auch das ein oder andere Experiment in der zweiten Albumhälfte einfallen.

Wuchtig geht es los mit „This Is Not Utopia“, die Momentaufnahme Amerikas, die unerwartet politisch für die Band aus Kalifornien ausfällt. Rock Against Bush? Anscheinend ist diese Zeit bei der Band wieder neu entflammt. Der nachfolgende Titeltrack versetzt den Hörenden zurück ins Jahr 1997, als „Ixnay on The Hombre“ im CD Player auf und ab lief. Cover und Booklet der neuen Platte zeigen erstaunlich viele Parallelen zum nun bereits 9. Album der Band. „Behind Your Walls“, „Army of One“, „Breaking These Bones“ könnten mit ihren schnellen, zum Pogo anregenden Riffs allesamt aus der “Splinter”-Zeit stammen: Auch wenn Letzterer flott und antreibend ist, so haben die Lyrics einen ernsten Hintergrund, der einige Todesfälle von Dexter Hollands privatem Umfeld verarbeitet.

„Coming for You“ kommt mit seinem Mid-Tempo und mitschwingendem Basslauf fast noch als ruhig daher, bietet mit seinem Mitgröhl-Chorus allerdings ein erstes richtiges Highlight:
Break down, take down
Now it’s on
Sold out, blow out
Don’t get caught
Well, no! Hell, no!
What you gonna do?
When they keep coming for you

Der Song wurde bereits im Jahre 2015 veröffentlicht, samt Musikvideo, in dem sich eine Horde von Clowns ordentlich auf die Zwölf gibt – äußerst brutal und sehenswert.

„We Never Have Sex Anymore”, eines der oben erwähnten Experimente, kommt mit einer gehörigen Portion Selbstironie samt Löwenzahn-Intro daher. Die Bläser und der Break-up Text sind ein schöner Kontrast zum Rest des Albums und werden bestimmt genauso konträr von ihrer Fanbase aufgenommen. Lieb es oder hass es – der Band wird es egal sein.

Die Romantik darf bei „Let The Bad Times Roll“ natürlich auch nicht fehlen. Und damit ist vielmehr die Epoche gemeint: So hat man sich kurzerhand entschlossen, Edvard Griegs „In the Hall Of A Mountain King“ zu covern und als Album-Interlude zu verwenden. Das Ganze ist zwar nicht so entspannend wie die gute alte „Intermission“ aber ebenfalls eine willkommene Abwechslung. Der zweite Coversong ist eine Piano-Version ihres Klassikers „Gone Away“, der ebenfalls auf „Ixnay on the Hombre“ vertreten ist. Die Song-Version wurde bereits vor rund zehn Jahren erstmalig live gespielt und wird bei der nächsten anstehenden Tour mit Sicherheit für einen besonderen Gänsehautmoment sorgen.

Mit „Let The Bad Times Roll” erfinden The Offspring natürlich nichts Neues. Wozu auch? Die Band verbindet Nostalgie und aktuelle Themen mit E-Gitarre, Schlagzeug, Bläsern und Piano. Auch wenn das Album textlich eher zum Nachdenken anregt, der Spaß wird vor allem durch die Musik übertragen. Das Motto? Macht das Beste aus der Situation und immer schön lächeln!