The Overtones: „Saturday Night At The Movies“ – eine Reise in die 50er, 60er und ins Winterwunderland

VERÖFFENTLICHUNG» 15.11.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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The Overtones sind fünf junge Männer aus England, Irland und Australien. Die Band nennt sich „Doo-Wop-Boygroup“, was den Kern der Sache ziemlich genau trifft. Man wird an Gruppen wie Adoro oder The Ten Tenors erinnert – will heißen: makellose Stimmen, die ohne Weiteres ihre Songs a cappella vortragen können. Auch die Arrangements geben das her. Leider passt man sich aber immer dem vermeintlichen Massengeschmack an und verbindet die musikalische Darbietung mit Instrumenten. Schade drum, denn wenn man beispielsweise den Anfang von Songs wie „Pretty Woman“ oder „Breaking Up Is Hard To You“ hört, erkennt man das ganze Potential der Band.

Die Songauswahl ist sehr gefällig und umfasst Klassiker im Stil der 50er und 60er Jahre. „Moon River“ ist ebenso dabei wie „Hit The Road Jack“ (mit der stimmgewaltigen Beverly Knight als weiblichem Part) und „Teenager In Love“. Das sind zeitlose Stücke, bei denen aber manchmal sehr dick aufgetragen wird, wenn man sie in ein orchestrales Gewand steckt, das einfach nicht passen will. Zumindest gehen die Lieder ins Ohr und es gelingt den Overtones, stilistisch eigene Wege zu gehen. Nur wäre es schön, wenn sie mehr Mut hätten und ihre polyphonen Gesangspassagen nicht ständig unter einer Instrumentalschicht vergraben würden.

Aber halt – kann das wirklich sein, dass im November ein Album erscheint und es finden sich keine Weihnachtslieder? Nein, denn es gibt zur Einstimmung aufs Fest eine „Limited Christmas Edition“ mit fünf zusätzlichen Songs. Das hat den Vorteil, dass man ab Januar die normale Ausführung weiter verkaufen kann. Schlau überlegt. Im Christmas-Teil finden sich fünf Bonus Tracks, nämlich (recht unpassend) „Can’t Take My Eyes Off You“ und dann die üblichen Verdächtigen von „Winter Wonderland“ bis „Sleigh Ride“. Und auch hier: Das Intro zu „White Christmas“ zeigt deutlich die A-cappella-Qualitäten des Quintetts, doch spätestens mit dem Einsatz der schmalzigen Vocals wird alle Vorarbeit zunichte gemacht. Schade.