The Script begeistern nicht nur Til Schweiger mit Album #3

VERÖFFENTLICHUNG» 25.01.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Auch eine Form von Ritterschlag, wenn The Script von Til Schweiger für den Soundtrack von „Kokowääh 2“ ausgesucht werden. Damit treten sie mal fett in die Fußstapfen von Bands wie OneRepublic und Angels And Airwaves, die sich schon mehrfach in die Gehörgänge der deutschen Komödien-Kinofans einsangen. „Breakeven“ vom ersten Kokowääh-Streifen ist noch in guter Erinnerung. Diesmal darf es mit „Hall Of Fame“ gar der Titelsong sein, an dessen Entstehung will.i.am von den Black Eyed Peas mit beteiligt war. Ein poppiger Ohrwurm, wie er im Buche steht.

Es ist verdammt viel passiert, seit The Script vor vier Jahren ihr erstes Album veröffentlichten. Zunächst eroberte das irische Trio flugs das Nachbarland Großbritannien, im Anschluss die USA und dann über Asien bis Südafrika die ganze Welt. Sie tourten mit U2, Take That und Paul McCartney, verkauften vier Millionen Alben und neun Millionen Singles. Und Sänger Danny war Juror bei der UK-Version von „The Voice“. Kurz gesagt: In den letzten vier Jahren gelang The Script der sensationelle Aufstieg von der hochtalentierten Gruppe Studio-Musiker zu einer großen Liveband.

Das beweist allein die Deluxe Version des neuen Albums, denn hier findet sich eine Bonus-CD mit vier Livesongs, die im Aviva Stadium Dublin aufgenommen wurden und die Stadiontauglichkeit des Trios vor einem fanatischen Publikum (man hört überwiegend weibliche Fangesänge) unter Beweis stellen.

Album „#3“ führt die hymnische Linie der Vorgänger ohne Umschweife fort. „Celtic Soul“ ist die Schublade, die The Script gerne aufmachen, wenn sie über ihre Musik sprechen. „Mainstream Pop“ trifft es wohl eher – und das keineswegs im negativen Sinne. Wenn man es versteht, Musik zu machen, die den Massengeschmack trifft und im Ohr hängen bleibt, ist dies selbstredend eine Kunst. Allerdings sind die keltischen und souligen Momente nun mal sehr versteckt in den Tiefen der Songs. Stattdessen gibt es jetzt vermehrt Hip-Hop-Anleihen. Daniel „Danny“ O’Donoghue singt mit weicher, geschmeidiger Tenorstimme und der Dialog zwischen gesungenen und gerappten Passagen gibt dem Album viel Drive.

Neben „Hall Of Fame“ kann ich die meisten der zehn Songs empfehlen. „Good Ol‘ Days“ ist ein spannender Opener. „Six Degrees Of Separation“ macht auch textlich Sinn und liest sich wie ein psychologischer Trennungsratgeber. Dahin passt auch die melancholische Rap-Ballade „If You Could See Me Now“. Und der hymnische Abschluss mit „Millionaires“ ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Ja, The Script haben es geschafft. Top-3-Alben in Großbritannien und den USA. Was fehlt ist noch die endgültige Anerkennung in Deutschland. Da hat man bisher den endgültigen Schuss nach oben verpasst. Vielleicht hilft der Kinofilm? Zu gönnen wäre es dem sympathischen Trio – und die musikalische Klasse ist durchaus vorhanden.