THE WIRE… and all the pieces matter. Five years of music from The Wire, Soundtrack

VERÖFFENTLICHUNG» 29.06.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Ich muss gestehen, dass ich bis vor kurzem noch keine Folge von „The Wire“ gesehen habe. Doch seit die komplette dritte Staffel und der Soundtrack „…and all the pieces matter. Five years of music from The Wire“ hier eingetrudelt sind, bin ich sozusagen angefixt von der Serie.

Wer noch ahnungslos ist: Bei „The Wire“ handelt es sich um eine amerikanische Fernsehserie, die von 2002 bis 2008 in den USA ausgestrahlt wurde. Es hat ungewöhnlich lange gedauert, bis mit dem Fox Chanel auch ein deutscher Sender tätig wurde. Die dritte Staffel erschien unlängst auch auf DVD.

Autor der Story ist ein ehemalige Polizeireporter: David Simon. In seinem Script zeigt er den  Niedergang der amerikanischen Stadt Baltimore. Es geht zuvorderst um den Drogenhandel, beschrieben aus unterschiedlichsten Sichtweisen (Polizei, Drogenhändler, Süchtige, Presse, Politik). Der Serientitel bezieht sich auf das Abhören von Telefon- und Handygesprächen, was sich als wichtigstes Element für die Story-Entwicklung erweist.

Die Darstellung ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da mit den Sichtweisen auch die Handlungsebenen oft wechseln. Man muss schon konzentriert folgen, um Zugang zu den Charakteren zu bekommen. Dennoch überschlägt sich die Medienkritik gerne mit Lobeshymnen und man spricht regelmäßig von der „besten Fernsehserie aller Zeiten“. Okay – für mich vielleicht nicht die Beste, aber zumindest ein Anwärter auf einen Platz in der Bestenliste.

Die Musik spielt eine gewichtige Rolle, um Atmosphäre aufzubauen. Allen voran der Titelsong „Way Down In The Hole“, im Original von Tom Waits, aber in jeder Staffel in einer anderen Interpretation. Während der Folgen werden Tracks meist in die Handlung eingebaut, indem sie beispielsweise aus Autoradios oder über einen Ghettoblaster erklingen.

The Wire DVD Cover

Für die Soundtrack-CD verwendete man gesprochene Szenen und Originalsongs. Die Herkunft wird im Booklet erläutert, das überhaupt sehr hochwertig aufgemacht ist – als kleines Buch mit vielen Fotos, Zitaten und Hintergründigem zur Serie.

Musikalisch geht es durch viele Stilrichtungen, sei es Rock, Irish Folk, HipHop oder Reggae. Zuviel Verschiedenes, um jetzt auf jeden Song einzugehen, aber ich richte mal das Augenmerk auf einzelne Titel: Da ist der sanfte Gänsehaut-Rap „Oh My God“ von Michael Franti – die sonoren Vocals klingen einfach göttlich. Natürlich Tom Waits‘ Song „Way Down In The Hole“, vertreten in der eindringlichen Version durch die Neville Brothers, aber auch elektronisch mystifiziert durch DoMaJe – und schließlich vom Meister selbst . The Nighthawks und der mitreißende Rock’n’Roll von „Sixteen Tons“. Der folkige Pogues-Kracher „The Body Of An American“. Noch mehr Dancefloor-Rap bietet Ayo mit „Bossman“ und Ogun feat. Phathead lassen sich pessimistisch in „What You Know About Baltimore“ aus. Optimistische Gegenparts finden sich beispielsweise in Steve Earls „I Feel Alright“.

Für jeden ist was dabei und Fans der Serie werden ohnehin begeistert sein. Ohnehin darf man sich auf den Herbst freuen: Im September werden die DVDs der viertel Staffel folgen und die finale fünfte Staffel steht für November 2012 auf dem Releaseplan.