Tobias Regner – Besser jetzt: ehemaliger Hardrocker mit dem Herz auf der Zunge

VERÖFFENTLICHUNG» 19.07.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Kaum einer der Kurzzeithelden von DSDS bleibt nachhaltig in Erinnerung. Da helfen auch die Aufwärmversuche eines Dieter Bohlen nicht und jeder Gewinner tut gut daran, sich schnell aus den Klauen des Titanen zu lösen. Was passiert nach Jahren des Tingelns durch Kirmeszelte und Ferienclubs? Mark Medlock wird vermutlich bald in Big Brother auftauchen und Annemarie Eilfeld ändert zum gefühlt zehnten Mal die Musikrichtung, wandelt nun in den Schlager-Tatzen von Beatrice Egli und umschifft mit ihrem neuen Album alle Chartregionen weiträumig.

Auf Anhieb fallen mir nur zwei Gewinner ein, die mich auch Jahre nach der TV-Sendung noch musikalisch beeindrucken: Thomas Godoj und Tobias Regner. Die musikalische Richtung der beiden ist ähnlich, auch stimmlich sind sie durchaus verwechselbar und – wie es der Zufall will – bei beiden ist aktuell ein neues Album auf dem Markt.

Tobias Regners neues Werk heißt „Besser jetzt“ und es gelingt ihm mal wieder, eine gehörige Portion Optimismus auszustrahlen. Bei DSD hatte er noch den Hardrocker gegeben, der von der Jury in das Balladen-Korsett gezwängt wurde. Ich würde gerne mal echte, knallharte Rocktitel von ihm hören, doch vermutlich hat der Sänger aus dem Berchtesgadener Land inzwischen verinnerlicht, dass seine Fanbasis den Softrocker aus dem Fernsehen hören will. Das kurze Zwischenspiel als Regner (bei Weglassen des Vornamens) war zumindest schnell beendet.

2011 gab es ein spannendes Livealbum mit dem Titel „Regner akustisch“ und man konnte den Singer / Songwriter in seinem ureigenen Element erleben. Hier fühlt er sich wohl. Allein mit Gitarre, vielleicht von einem Rhythmusgerät wie dem Cajon begleitet. Diese Form der Songs erzeugt eine atmosphärische Dichte, die Regners raue Vocals perfekt zur Geltung bringen.

In genau diesem Stil geht es mit „Besser jetzt“ weiter. Solide deutsche Gitarrenmusik, die unter die Haut geht. Tobias Regner vermeidet es, in seinen Texten politisch zu werden. Stattdessen bekommen die Hörer klangvolle Liebesballaden und eine Handvoll Lebensweisheiten. „Sei doch mal du selbst, bei allem was du tust / ob richtig oder falsch, die Entscheidung, die du triffst, ist immer deine“, heißt es im Titelsong. Nicht der Weisheit letzter Schluss, aber wenn man Regners Biographie zugrunde legt durchaus authentisch. Vor allem gefallen mir zudem „Kein Sommer für Helden“ und das in die Tiefe gehende „Nie vermisst“ zum Abschluss.

Der gut ausgebildete Musiker spielte alle Gitarren und Tasteninstrumente selbst ein. Bei manchen Stücken hätte eine standfeste Band im Hintergrund vielleicht Wunder gewirkt, doch auch so kann Regner durchaus überzeugen. Das Stigma „Castingstar“ auf der Stirn ist zwar noch vorhanden, doch es leuchtet nicht mehr ganz so grell. Genau wie Godoj hat sich Tobias Regner freigeschwommen und sich eine Fangemeinde erarbeitet, die seine Releases verfolgt und seine Livekonzerte genießt. Ich reihe mich da gerne ein.