Toploader und die Melancholie des weinenden Roboters – „Only Human“ erscheint nun auch in Deutschland

VERÖFFENTLICHUNG» 01.02.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Man sollte meinen, es könnte einer Band nichts Besseres passieren: zwei Alben auf dem Markt, ein weltweiter Nummer-1-Hit. Da kann es doch nur aufwärts gehen? Weit gefehlt! Die Band Toploader stand Anfang des Jahrtausends an diesem Punkt. Jeder kannte „Dancing In The Moonlight“, aber es gelang der Band einfach nicht, diesen Song zu toppen. Sänger Joseph Washbourn meint gar: „Der Song war einer der Hauptgründe für die Auflösung der Band. Er war so ein Megaerfolg, dass er alles überschattete, was wir als Band bereits erreicht hatten und was wir noch erreichen wollten. Als wir unser zweites Album ‚Magic Hotel‘ veröffentlichten, spielten die Radiostationen rund um den Globus nicht etwa die neuen Singles, sondern weiterhin unermüdlich ‚Dancing In The Moonlight‘.“ Diese Aussage liest sich wie ein Essay zum Thema „Warum wurden wir zum One-Hit-Wonder?“. Diesem Druck können nur die wenigsten Bands entgegen stehen und es erinnert fatal an die deutschen Fool’s Garden mit ihrem „Lemon Tree“.

Was noch erschwerend hinzu kam: Der Tophit stammt gar nicht aus der Feder der Band, sondern ist die (zugegebenermaßen geniale) Coverversion eines King-Harvest-Titels. Die Tantiemen müssen also auch noch geteilt werden. Allerdings stellt sich nach diesen Erfahrungen schon die Frage, warum man ihn auf das Comeback-Album „Only Human“ gleich nochmal als Bonustrack drauf gepackt hat. Die Antwort erschließt sich aus der Version, die gespielt wird, nämlich eine akustische, verswingte Pianoversion, um die alle Radiosender sicher einen großen Bogen machen werden.

Von 2003 bis 2009 war also Ruhepause. „Only Human“ erschien schon 2011 in Großbritannien, leider ohne nennenswerten Charterfolg. Dabei ist das Album recht ordentlich – vielleicht etwas melancholischer als seine Vorgänger, aber ganz in der hymnischen Tradition von Bands wie Coldplay und Muse, die ja im vergangenen Jahrzehnt den Weg gegangen sind, der sich Toploader letztlich verschlossen hat. Washbournes Stimme ist über jeden Zweifel erhaben und ich frage mich, was er die letzten Jahre eigentlich gemacht hat.

Das Album vereint viele Stilrichtungen und musikalische Einfälle, bietet aber letztlich vor allem breitwandigen Stadionrock, für den jetzt nur noch das Stadion fehlt. Der Einstieg „Marrakech“ mit Bombast und Chorgesang, das Streicherarrangement von „A Balance To All Things“, die Pianoballade „Paradise“, das rockige „She Said“ und schließlich als Höhepunkt das Epos „Shifting Sands“. So stellt man sich ein imposantes Comeback vor. Bleibt abzuwarten, ob dem Propheten im fremden Land mehr Erfolg beschieden ist als im eigenen.