Viva Voce entführen uns in ihre Welt der „Secret Chords“

VERÖFFENTLICHUNG» 29.11.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Gegründet wurde die A-cappella-Gruppe VIVA VOCE 1998 als Boyband von fünf jungen Burschen aus dem Windsbacher Knabenchor in Mittelfranken. 15 Jahre später hat sich die Besetzung leicht gewandelt – das Quintett versprüht aber auf der Bühne immer noch jugendliche Frische. Wer sie einmal live erlebt hat, ist gefangen von der lebendigen Sangeskunst der jungen Männer und das Publikum hat garantiert eben solche Freude wie das Gespann auf der Bühne.

Neben dem jeweils aktuellen Bühnenprogramm gibt es stets auch Programme für besondere Anlässe. Einmal „Wir schenken uns nix“ als Zusammenstellung lustiger und besinnlicher Lieder für die Advents- und Weihnachtszeit, dann das Klangerlebnis „Neue Songs in alten Mauern“, bei dem Viva Voce besinnliche Momente im besonderen Ambiente präsentieren. Wer also eine moderne A-cappella-Gruppe jenseits des ewigen „Immer-lustig-und-gut-drauf“ erleben will, liegt bei diesen besonderen Konzerten goldrichtig.

Zur Weihnachtszeit geben Viva Voce schon einen Einblick ins Jahr 2014: Dann nämlich wollen sie gemeinsam mit dem lettischen Frauenensemble „Latvian Voices“ die winterlich-weihnachtliche CD „Zeit der Wunder“ auf den Weg bringen. Die Vorfreude ist bei mir schon ein Jahr vor dem Release sehr groß. Bis dahin muss ich mich mit der aktuellen EP „Secret Chords“ begnügen, die Viva Voce in reiner Gesangskultur mit fünf Stimmen zeigt.

Den Anfang macht Leonard Cohens „Hallelujah“ (dem sich auch der Titel der CD entlehnt) und es geht klanglich gleich in die Vollen. Ich weiß selbst aus schweißtreibender Erfahrung, wie schwierig es ist, diesen Song ohne Instrumente klangrein und sauber zu präsentieren. Viva Voce gelingt das mit Bravour. Ein wundervoller Eröffnungssong, der gekonnt auf die besondere Atmosphäre der EP einstimmt.

Weiter geht es mit „Maria durch ein Dornwald ging“ – schon tausend Mal gehört und regelmäßig mit Einsatz einer dominanten Orgel kaputt gespielt. Hier aber zum einen ein klassisches Arrangement, das auf der anderen Seite durch ein rhythmisches „Maria, Maria“-Mantra ordentlich aufgepeppt wird. So funktioniert die geniale Symbiose von Klassik und Moderne. Zum Verschnaufen nach soviel Kunst gibt es den flotten Gospel „Walk In Jerusalem“.

An vierter Stelle steht wieder schwierige Kost: Wir hören das Kyrie und das Gloria aus Ariel Ramirez‘ „Misa Criolla“, der kreolischen Messe. Das erste Lob gilt hier Tenor David Lugert, der den Gesang in himmlische Sphären führt, das zweite Lob geht an Arrangeur Jörg Schwartzmanns, der dem Stück mittels Beatbox (!) eine ganz neue Richtung gibt. Selbiges gelingt auch beim nächsten Klassiker „Ich steh an deiner Krippe hier“: getragener Start, verswingte Fortführung, verjazzte Klänge, Fingerschnippsen – ein genialer und vertrackter Song.

Den Abschluss macht ein „Christmas Medley“ aus Sashas „Coming Home“, dem bekannten „Winter Wonderland“, „Merry Xmas Everybody“, dem Welthit „Feliz Navidad“ und schließlich „All I Want For Christmas Is You“. Wäre auch schön gewesen, jedes Stück in voller Länge zu hören. So habe ich nach 22 Minuten das Gefühl, es war zu kurz. Und wann sagt man das bei einer Weihnachts-CD schon mal? Kompliment an die Jungs. Der Winter kann kommen.

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