Volbeats neues Album „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ klingt wie ein guter Kinofilm im Desperado-Style

VERÖFFENTLICHUNG» 05.04.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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In dem Jahrzehnt seit Bandgründung (2001) haben Volbeat es ganz nach oben auf den Rock-Olymp geschafft. So haben die Vier mit ihrem letzten Album „Beyond Hell/Above Heaven“ diverse Preise abgeräumt. Neben Platin in Dänemark sowie Gold in Finnland und Schweden gab es auch hierzulande einen edelmetallenen Gold-Award für 100.000 verkaufte Einheiten. Die Mischung aus Rockabilly und Heavy Metal scheint bestens anzukommen. Wer Volbeat bis 2011 noch nicht im Repertoire hatte, konnte bei Rock am Ring sein Aha-Erlebnis erfahren. Am hellen Nachmittag stürmte die komplette Zuschauermeute zur Hauptbühne, um die Dänen in Aktion zu erleben. Da konnte man wahrlich Platzangst bekommen.

Der Sound der Dänen trifft nun mal den Nerv bei den Fans: Die Mischung aus aggressiven Metal-Riffs, Mitsing-Refrains und klassischem Sixties-Flair geht sofort ins Ohr. Diese Stil-Kombination – ein Mix aus Johnny Cash, Elvis Presley und Metallica – funktioniert nicht nur auf Platte bestens, sondern auch live. Und so gehört das fünfte Album mit dem ominösen Titel „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ zu den ganz heiß erwarteten Neuheiten im Jahr 2013. Viel Input gab es im Vorfeld nicht, so kann man nun ganz unverkrampft an das neue Werk heran gehen. Das Desperado-Gesicht auf dem Albumcover ist zumindest sehr aussagekräftig, was die musikalische Ausrichtung angeht.

Und tatsächlich: Schon bei den ersten Hördurchläufen klingt das Album für mich sehr gut durchkomponiert. Wie ein starker Kinofilm, sei er von Tarantino oder Robert Rodriguez produziert. Ein kurzes Intro, ein Spannungsaufbau, der gerade am Anfang und am Ende sehr thematische Songs mit einem Flair von Italo-Western oder mexikanischer Sonne bereit hält, dazwischen ordentlichen Heavy Metal bietet und in der Mitte mit „Room 24“ und „The Hangman’s Body Count“ zwei krasse Highlights zu bieten hat. So mag ich Rockalben – als Erzählungen, die am Stück funktionieren und dabei nicht unbedingt eine konzeptionelle Geschichte erzählen, aber doch wie musikalische Puzzleteile ineinander greifen.

Die Mischung stimmt, wenn auch manch einer bemängeln mag, dass Volbeat mainstreamiger geworden sind und ab und zu den Weichspüler auspacken. Das ist ganz okay, denn auch der Metalfan freut sich, mal einen Song im Radio zu hören. Im Gegenzug wird an anderen Stellen der Härtegrad ganz hoch gefahren. Dazu trägt vor allem Rob Caggiano bei, der als neuer Gitarrero in Songs wie „The Hangman’s Body Count“ den Thrash-Metal von Anthrax ganz hoch hält.

Beginnen wir aber mit dem Rock’n’Roll von „Pearl Hart“. Volbeat sind um einiges melodischer geworden, mischen klassische und moderne Rock-Elemente. Bei solchen Songs sind sie ganz nahe an Bands wie Royal Republic, die diese Gratwanderung ebenfalls wagen. Mit „The Nameless One“ und „Dead But Rising“ geht es hingegen ganz in die Richtung, die Vorbilder wie Metallica einst eingeschlagen haben. Und für „Room 24“ wurde gar King Diamond himself verpflichtet. So bilden harte Metalriffs und Growls das Aushängeschild, das zeigt, was alles möglich ist.

„Lola Montez“ ist wieder sehr melodisch gehalten und man nähert sich nach der harten Klimax wieder dem Thema des Albums an. „Black Bart“ ist noch ein Power-Titel mit schnellen Passagen, gewidmet dem Outlaw. Doch sogleich folgt „Lonesome Rider“, das als Feature die betörende Stimme von Sarah Blackwood (Walk Off The Earth) mit sich bringt. Mit dieser Rockabilly-Idee sind die musikalischen Gäste King Diamond und Sarah zugleich auch die musikalischen Extreme des Albums in ihrer jeweiligen Richtung. Ein kluger Schachzug.

„Doc Holiday“ fährt das Country & Western-Thema rhythmisch versiert weiter und ganz zum Schluss gibt es quasi zum Abspann die Ballade „Our Loved Ones“ mit einer harmonischen, schönen Melodielinie. Selten habe ich ein Metal-Album in seiner Gesamtheit so schnell ins Herz geschlossen. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass es Puristen am Ende zu seicht erscheinen wird. Mir zumindest gefallen der Facettenreichtum und der durchdachte Aufbau. Volbeat sollen ruhig weiter Geschichte(n) schreiben.

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