Voyeurismus audiotechnisch gelungen verpackt von War From A Harlots Mouth

VERÖFFENTLICHUNG» 19.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Gustav Mahlers sagte einst: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“ Er galt als einer der wirkungsvollsten Komponisten und Direktoren des 19. Jahrhunderts in der Epoche der Neuen Musik, eine Epoche von Künstlern, die versuchte, aus dem traditionellen Zirkel der bekannten Klassischen Musik zu entbrechen, die sie als Fesseln der Kreativität und des Geistes ansahen. Der Gedanke der musikalischen Experimente, der eigenen Ideenvielfalt und Abwendungen der regelgenormten Rhythmen und Harmonien waren als Ziel gesetzt. Folge dieses Grundgedankens war es, die Hörer wortwörtlich aus dem Schlaf des Bekannten zu wecken. Die leichtgemachte und verständliche Musik sollte für die Öffentlichkeit in den Hintergrund rücken. Sie sollte sie verstören und hilflos konfrontieren.

Im Jahre 2012 scheint der Wunsch, Musik für Menschen zu schreiben, deren Anspruch nach Neuem und nicht Leichtzugreifbaren nicht erloschen zu sein. Die Berliner von War From A Harlots Mouth haben sich mit ihrem Album „Voyeur“ ein klares Ziel gesetzt: Sie wollen die menschlichen Abgründe aufzeigen und das Schlechte und zwanghafte Innere des Menschen nach außen zeigen. Vertont umgesetzt hört man die Schreie dieser Handlung in jeder Phase. Das Reißen der Haut, das Brechen der Knochen, den Willen Angstschweiß zu verbreiten wird in jedem treibenden disharmonischen Takt unmissverständlich demonstriert. Waren diese Ansätze schon auf „MMX“ leicht anzudeuten, so haben sie jetzt ihre formvollendete Klangwirkung gefunden. Dieses Album lebt von seinem Druck und der damit aufkommenden Atmosphäre, die wirklich authentisch und lebhaft ist. Der Song „Tempel“ lässt die bedrängenden und immer näher kommenden Wände spüren, während „The Black Lodge“ dem Zuhörenden das Gefühl der ständigen Beobachtung und Hilflosigkeit vermittelt. Die Einbindung der Texte um Anstöße und Gründe des Voyeurismus zu zeigen, ergänzt sich mit klanglichen Bildern des Dranges, des Leidens und des Hasses.

Dass dieses Ziel strapazierend und beschwerlich ist, muss jedem klar sein. Es ist die logische Konsequenz aus dem dargestellten Versuchen dieser Komponisten. Je komplexer die Intention, desto effektiver das Ergebnis! Und mit diesem Ergebnis können sich War From A Harlots Mouth sehen lassen.