„Walking Papers“ – Barrett Martin (ex Screaming Trees) meldet sich mit neuer (All Star)-Truppe aus Seattle und neuem Album in der Rockmusik zurück

VERÖFFENTLICHUNG» 28.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Barrett Martin hat Jazz und klassische Musik studiert und verdiente sich seine ersten Sporen Ende der Achtziger Jahre in seiner Heimatstadt Seattle bei den Pionieren der dort aufkeimenden neuen musikalischen Revolution, bei der Band Skin Yard. Mit den „Screaming Trees“, Stars der zweiten Reihe dieser Szene hinter Nirvana, Soundgarden und Pearl Jam spielte er am Schlagzeug das Album „Sweet Oblivion“ (1992) ein, den größten kommerziellen Erfolg der Band. Mit den Jahren trommelte Martin in so unterschiedlichen Bands und Projekten, die von der so genannten „Grunge – Supergroup“ Mad Season (mit ua. Layne Staley, Mike McCready), dem Kollektiv „Tuatara“ mit REM´s Peter Buck bis hin zu diversen Jazz – und Weltmusikaufnahmen und Soundtracks reichten. Damit aber nicht genug, gründete der Multiinstrumentalist seine eigene Barrett Martin Group und das indie record label „Sunyata Records“. Martin ist inzwischen auch Professor an der Universität von Seattle und hat einige akademische Weihen hinter sich. Man könnte also nach diesem sehr knappen Abriss dieser vielseitigen Betätigungsfelder trotzdem schon vermuten, der Mann wäre durchaus gut beschäftigt.

Offensichtlich hat Barrett Martin allerdings – zum Glück – noch ein paar Stunden frei am Tag, denn im August diesen Jahres eilte eine kurze Meldung durch den einschlägigen Blätterwald, dass Martin mit dem ehemaligen Post Stardom Depression Sänger/Gitarrist Jeff Angell und Duff McKagan (Guns´n´Roses) am Bass im Juli bereits einige Auftritte als neue Band unter dem Namen „Walking Papers“ gespielt hatte. Bald wuchs das Trio mit Benjamin Anderson an den Keyboards zum Quartett und die Nachricht eines Debütalbums im Oktober ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem vereinzelt bereits Videos und Streams der Songs im Netz zu hören waren, steht die selbstbetitelte Scheibe jetzt in den Regalen der Plattenläden.

Aufgenommen wurde die Platte in den Avast Studios in Seattle, abgemischt von keinem Geringeren als Jack Endino, einem Urgestein der Seattler Musikszene und ehemaliger Bandkollege von Barrett Martin. Ein Hauch von Mad Season weht durch die stautrockenen Bluesinfizierten Kompositionen und die Arrangements sind so düster und herbstlich grau gefärbt wie man es gemeinhin dem Wetter der Stadt im Nordwesten der USA nachsagt. Dazu drängen donnernde polyrhythmische Drums, die Martin´s weltmusikalische Einflüsse durchschimmern lassen und wie erwähnt laufen die Walking Papers hier auf Albumlänge knietief im Blues, mit schwarzen Mänteln und schwarzen Seelen. Der Sound ist bei allem traditionellen Habitus unglaublich dicht und facettenreich, was nicht zuletzt auch an der Vielzahl der eingesetzten Instrumente liegt. Tropfende durchsickernde Marimbas und schimmernde Vibraphone Klänge legen sich ebenso unter die dichten schweren Soundstrukuten dieses Debüts, wie verschiedene Percussion.

Auf „The Whole World´s Watching“ und „Ill Stick Around“ spielt sogar Mike McCready (Pearl Jam) die Sologitarre und auf letzterem Song und im Stück „Red Envelopes“ setzen die Kollegen aus dem Jazz – Lager Dave Carter (Trompete), Dan Spalding (Saxophon) und Ed Ulman (Posaune) soulige Bläserarrangements dazu. Die Songs auf Walking Papers erzählen Geschichten, einzeln gesehen oder auch im Gesamtkontext des Albums, von der dunklen Schönheit des amerikanischen Herzen.