Wenig überraschend und trotzdem gut: Seether „Isolate And Medicate“

VERÖFFENTLICHUNG» 04.07.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Mit millionenfachen Alben- und Singleverkäufen weltweit, über 63 Millionen Youtube-Klicks, Gold- und Platinauszeichnungen gehören Seether zu einer der erfolgreichsten Bands ihres Genres. Der Song „Broken“ mit Evanescence-Sängerin Amy Lee aus ihrem Debütalbum „Disclaimer“ machte die Band um Sänger Shaun Morgan vor zwölf Jahren schlagartig bekannt. Seitdem hat das ursprünglich aus Südafrika stammende Trio sechs weitere Alben veröffentlicht und war unermüdlich auf Tour. Zuletzt erst konnte man sie bei Rock am Ring bewundern.

Nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Holding Onto Strings Better Left To Fray“ fühlte sich die Band nach eigener Aussage sogar außergewöhnlich rastlos. Obwohl sie schon seit langer Zeit als eine der Besten im Alternative Rock galten, war ihnen klar, dass es Zeit für eine Veränderung wurde. Die Band entwickelte eine Kollektion neuer Songideen, denen sie im Haus von Schlagzeuger John Humphrey (mit dem wir hier übrigens vor kurzem ein Interview geführt haben) in Oklahoma schließlich den letzten Feinschliff verpasste. Als sich die Drei dann im Januar 2014 mit ihrem Produzenten Brendan O’Brien zu den Aufnahmen in den Henson Studios in Hollywood trafen, hatten sie bereits eine klare Vision und so entstand ihr neues Album „Isolate And Medicate“ in nur 16 Tagen.

Nachdem im Juni die erste Singleauskopplung „Words As Weapons“ bereits einen ersten und wenig überraschenden Vorgeschmack lieferte, bleibt auch nach dem Hören des kompletten Albums die Frage offen, wo denn jetzt genau die Veränderungen liegen. In der Vergangenheit haben Seether sowohl mit der Akustikscheibe „One Cold Night“ von 2007 als auch mit dem darauffolgenden „Finding Beauty In Negative Spaces“ gezeigt, dass sie nicht nur viel Gefühl besitzen, sondern gleichzeitig auch gnadenlos rocken können. So ähnlich verhält es sich mit den zehn neuen Songs auf „Isolate And Medicate“.

Der Opener „See You At The Bottom“ glänzt mit typisch dunklen Gitarren, die sich nach und nach zu einer Wand erheben. In die gleiche Kerbe schlagen „My Disaster“ und die Gute Laune-Rocker „Nobody Praying For Me“ und „Keep The Dogs At Bay“. Bei „Suffer It All“ liefert die Band eine Prise Trash ab. So würde wohl ein Herzschrittmacher klingen, wenn er denn Musik abspielen könnte. Im bereits erwähnten „Words As Weapons“ singt Shaun Morgan mit verzerrter Stimme (auch nichts Neues), die von Drums und Gitarre in eine hypnotische Wirklichkeit zurückgeholt wird. „Watch Me Drown“ ist eine Mischung aus Green Day und Nirvana, bevor die obligatorische aber extrem gelungene Powerballade „Save Today“ den bunten Reigen beendet. Wenn überhaupt ein Song aus dem Rahmen fällt, dann höchstens „Same Damn Life“, das fast schon poppig daherkommt. Zum Glück aber eben auch nur fast.

Wenn Seether mit „Isolate And Medicate“ für einen Überraschungseffekt sorgen wollten, dann habe ich den entweder überhört oder er fehlt schlichtweg. Doch selbst wenn man keinem der Songs Hitpotential unterstellen möchte, geht die Scheibe trotzdem gut ins Ohr und klingt nicht eine Sekunde langweilig. Auch auf ihrem achten Album verlassen sich Seether einfach auf ihre gewohnten Stärken. Und das ist gut so. Weitermachen!

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