Wie der Geruch von frischgemähtem Gras: Mighty Oaks „Howl“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.02.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Manchmal geht das Leben seltsame Umwege. Sie führen über Bridgewater in Südwestengland, Pesaro an der italienischen Adriaküste, München und Hamburg bis nach Berlin. Hier trafen sich vor vier Jahren der US-Amerikaner Ian Hooper, der Italiener Claudio Donzelli und der Brite Craig Saunders. Drei Typen aus drei Ländern. Der eine kam der Liebe wegen, die anderen beiden aus Neugier und – kein Witz – wegen eines Praktikums beim stellvertretenden Sprecher für erneuerbare Energien der SPD. Was sie vereinte war die Musik. Genauer gesagt: Folk. Um ganz genau zu sein: Indie Folk. Irgendwas zwischen Fleet Foxes, Crosby, Stills & Nash und Neil Young.

Kurze Zeit später standen sie beim kleinen aber feinen Melodica Festival in Hamburg zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Die Mighty Oaks waren geboren. Es folgten zwei selbstproduzierte EPs, von denen es „Just One Day“ 2012 bis auf Platz 17 der iTunes Charts schaffte. Die erste Welle trug das Trio ins Vorprogramm der Shout Out Louds, The Lumineers und Kings Of Leon und im kommenden April weiter zu einer ersten eigenen und fast ausverkauften Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Höchste Zeit also für ein Debütalbum! Das steht nun endlich in den Läden und hört auf den Namen „Howl“.

Wenn man die zwölf Songs darauf beschreiben will, dann kommt einem zunächst ein Wort in den Sinn: Romantik. Es ist nicht nur das Besondere ihrer Stimmen oder der dreistimmige Satzgesang. Ian Hooper klingt als habe man seine Stimmbänder mit Honig übergossen, gleichzeitig rau und sanft. Es sind auch nicht die akustischen Gitarren- und Mandolinenklänge oder die zurückgezogenen Basslinien und Drums. Die Mighty Oaks sind viel mehr als die Summe ihrer Teile. Es ist diese gleichzeitige Besinnlichkeit und Euphorie, gepaart mit Hooper’s melancholischen, aber dennoch hoffnungsvollen Texten, in denen er das Abenteuer, die Freiheit und die Liebe feiert. Wenn schon Sommer wäre, dann hätten wir mit „Howl“ den passenden Soundtrack für das Picknick auf einer Blumenwiese, für den Geruch von frischgemähtem Gras, für den Flug der Schmetterlinge und das Zirpen der Grillen in einer warmen sternenklaren Nacht gefunden.

Die Single „Brother“ war der erste beschwingt-fröhliche Vorbote. Hooper, Donzelli und Saunders weben zarte und zerbrechliche Melodien („Seven Days“ oder „When I Dream, I See“), deren Schönheit fast schon wieder bedrückend wirkt. Aber auch nur fast. Denn zwischendurch erheben sie sich immer wieder wie ein Schwarm Vögel in die Lüfte, breiten ihre mächtigen Schwingen aus und fliegen der Sonne entgegen („Just One Day“, „Courtyard in Berlin“ oder „Horse“). Hooper’s Stimme funktioniert selbst mit Mandolinenbegleitung bestens. „Shells“ oder „Howl“ haben was vom Southern Rock der Siebziger Jahre und wie er in „Captain’s Hill“ von seiner verstorbenen Mutter singt hat jede Menge Stil und Klasse. Man gerät ins Schwärmen und verliert sich leicht in der musikalischen Tiefe des Mighty Oaks-Universums. Doch keine Angst, der Aufprall ist weich.

Natürlich kann man an dieser Stelle einwenden, dass „Howl“ allzu eingängig sei. Man kann die Mighty Oaks auch mit Kings Of Leon vergleichen. Doch während Leon’s Könige ihr Pulver spätestens seit „Mechanical Bull“ endgültig verschossen haben, begibt man sich gerne in die Obhut der drei mächtigen Eichen und lässt sich von ihrer naiven Aufrichtigkeit, ihrer Kraft und Bescheidenheit anstecken. Die Mighty Oaks tun genau das, was der Wolf macht, wenn er den Mond anheult: Sie rufen nach Freundschaft, damit aus ihr im besten Fall ein Bund für’s Leben wird. Mit „Howl“ stehen die Chancen dafür jedenfalls nicht schlecht.

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