„Wiser For The Time“ – The Black Crowes live in New York!

VERÖFFENTLICHUNG» 05.04.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Erfreulicherweise sind die Black Crowes nach der Neugründung vor acht Jahren produktiver als jemals zuvor in ihrer langen Karriere. Seitdem wurden sechs durchweg grossartige Alben auf den Weg gebracht, teils mit altem Material wie auf „The Lost Crowes“, teilweise brandneu („Warpaint“ und „Before The Frost… Until The Freeze“) oder wie zuletzt 2010 als Best Of namens „Croweology“. Auch diesmal war es nur eine kurze Pause bis zur nächsten Veröffentlichung aus dem Hause Robinson. Passend zum Start ihrer aktuellen „Lay Down With Number 13″ Welttournee (die sie leider abermals nicht nach Deutschland führen wird) gibt es mit „Wiser For The Time“ ein weiteres Livealbum, das ausschließlich als 4-LP-Set und digitaler Download erhältlich ist.

Noch in der Besetzung mit Luther Dickinson spielten die sechs Krähen vom 31. Oktober bis 6. November 2010 fünf ausverkaufte Shows im New Yorker Best Buy Theater. Satte 26 Songs daraus haben es in die Auswahl für „Wiser For The Time“ geschafft, was einer Gesamtlaufzeit von über zweieinhalb Stunden entspricht. Interessant ist deren Aufteilung. Die ersten fünfzehn Stücke wurden rein akustisch, die restlichen elf elektrisch verstärkt aufgenommen. Weshalb das Ganze nicht als reguläre Doppel-CD erscheint, ist mir zwar ein kleines Rätsel, aber für die Black Crowes lohnt sich auch der Umweg über einen Download oder die Anschaffung eines Plattenspielers. „Wiser For The Time“ ist genau das richtige Album, um einen verregneten (oder verschneiten) April-Nachmittag auf der Couch zu verbringen und vor sich hin zu träumen. Vielleicht mit einem Kippchen. Vielleicht mit was drin im Kippchen.

Die Riege der Akustiksongs wird von „Cursed Diamond“ aus ihrem notorisch unterbewerteten Werk „Amorica“ von 1994 angeführt. Alleine Chris Robinson’s Stimme sorgt von Beginn an für Gänsehaut. Betrachtet man sich die wechselnden Setlisten der fünf Abende von New York, so bietet der akustische Teil von „Wiser For The Time“ einen gelungenen Querschnitt. Das grandiose „Sister Luck“ ist ebenso vertreten wie das wunderbar folkige „Garden Gate“ oder die Klassiker „Jealous Again“ und „Hotel Illness“. Die Black Crowes präsentieren sich als fantastisch eingespielte Band. Insbesondere Luther Dickinson und Rich Robinson an den Gitarren zeigen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten (Beispiel: „Better When You’re Not Alone“). Dass auf Black Crowes-Konzerten außerdem so herrlich gejammt wird bis der Arzt mit der Beruhigungsspritze kommt, dürfte bekannt sein. Nach „Smile“ schreit ein Fan laut und vernehmlich „Thank you, thank you“ und man muss sich schon schwer zusammenreißen, um nicht das gleiche im heimischen Wohnzimmer zu brüllen.

Danach werden die Verstärker aufgedreht. „Exit“ ist der Auftakt des zweiten Teils von „Wiser For The Time“. Elf fette Southern Rocker mit den für die Black Crowes typischen Blues- und Soulzutaten. Am Start sind dabei unter anderem „No Speak No Slave“, ein über elfminütiges Medley aus „My Morning Song“ und „Stare It Cold“, das uralte „She Talks To Angels“ oder „Waiting Guilty“, welches die gesamte überbordende Spielfreude der sechs Herren aus Atlanta aufs Deutlichste dokumentiert. Das Publikum in New York reagiert mit entsprechend ausgelassener Euphorie und als „Willin‘“ den wilden Ritt durch das Best Buy Theater schließlich beendet, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Womöglich werden nicht nur mir solche Knaller wie „Remedy“ oder „Thorn In My Pride“ fehlen, aber nach diesen exakt 156 Minuten und 14 Sekunden musikalischer Vollbedienung wäre das alberne Korinthenkackerei.

„Wiser For The Time“ ist sicherlich in erster Linie eine Platte für Fans und Sammler. Sie sollte jedoch auch all diejenigen außerhalb des Black Crowes-Kosmos ansprechen, die auf ehrliche, handgemachte und mit viel Herzblut gespielte Rockmusik stehen, egal ob unplugged oder plugged. Als hörbaren Beweis gibt es HIER einen kostenlosen Download des Non-Album-Tracks „Under A Mountain“. Was 1990 mit „Shake Your Moneymaker“ begann, findet in „Wiser For The Time“ seinen vorläufigen Höhepunkt. Und angesichts der Arbeitswut der Black Crowes hoffentlich noch lange kein Ende.