Xavier Naidoo und sein Ausflug als Der Xer ins Dubstep-Genre mit „Mordsmusik“

VERÖFFENTLICHUNG» 08.03.2013
BEWERTUNG» 5 / 9
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Jetzt mal abgesehen von Xaviers erstem, englischsprachigem Album, das 1994 erschien und das nur schwer erhältlich ist, haben es alle Soloalben des Mannheimers an die Spitze der deutschen Charts geschafft. Kein Wunder, dass er in einer Show wie „The Voice Of Germany“ von den Kandidaten vergöttert wird und alle besonderen Wert auf sein Urteil legen.

Die Karriere, die er als Solokünstler, als Kopf der Söhne Mannheims und als allgegenwärtiger Kollaborateur in unzähligen Projekten an den Tag gelegt hat, ist wirklich einzigartig. Wenn es den Begriff des Tausendsassas noch nicht gäbe – für Xavier Naidoo müsste er neu erfunden werden. 2012 hatte sich der Soulkönig, der immer auch schon ein Faible für HipHop hatte, mit einem Rapper zusammen getan. Auch diese „Gespaltene Persönlichkeit“ hatte ihren Reiz und führte an die Chartspitze.

Es wird viel geschimpft über Xavier und sein Überall-dabei-sein. Feature über Feature. Zu jeder Musikrichtung auch noch sein Senf dazu. Trotzdem hat er mich stets mit genialen stimmlichen Fähigkeiten überzeugt und der ehrlichen Herangehensweise an die Projekte. Das neuste Werk erscheint unter einem „Pseudonym“. Der Xer – so nennt sich Xavier für ein elektronisches Dubstep-Album. Und hier werden selbst die größten Fans des Mannheimers an ihre Grenzen stoßen.

Zum Glück gibt es keinen Etikettenschwindel: „Expect the unexpected“ – so lautet der wohlgemeinte Rat an alle, die Xavier Naidoo kennen. Denn was der deutsche Sänger und Songwriter, der seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Künstlern im deutschsprachigen Europa gehört, mit „Mordsmusik“ abliefert, hat rein gar nichts mit dem zu tun, was man bisher musikalisch von ihm kennt. Beats aus Panzerglas, knallharte Synthesizer-Riffs und hypnotisierende Vocals paaren sich mit unerwarteten Drops und metallischen Sounds.

Was mich dabei am meisten stört, ist die Tatsache, dass man Xavier hinter dem schrillen Soundgemenge kaum hört. Die Dubstep-Elemente erklingen mal laut, mal leise. Bisweilen mit dem Härtegrad von The Prodigy („This Mouth“) oder mystisch verschleiert und mit isolierten Rap-Einlagen („Feindbewegung/N-Täuschung“). Das mag eventuell in der Techno-Disco ganz gut funktionieren. Am heimischen Player habe ich aber große Probleme, diesen Mischmasch zu ertragen.

In den Texten geht es um Melodramatik, um Schuld, Schmerz und das letzte, verzweifelte Aufbäumen. Verbunden ist dies mit stimmlichen Drohgebärden, Robo-Voices und Vocal Effects. Xavier hat sich damit nach eigenen Angaben einen Traum erfüllt. Seit die Musikrichtung Dubstep aus England zu uns rüber schwappte, wollte er bereits etwas in dieser Art machen. Allerdings ist er vorsichtig: Das Album erscheint unter einem Pseudonym – und es ist vorerst auch nur digital erhältlich.

Bis 7. März kann man es exklusiv bei iTunes erwerben, danach  in allen relevanten Onlineshops. Falls es nicht die erhoffte Zuhörerschaft findet, hat er sich zumindest nicht die Serie der Xavier-Nummer-1-Alben zerstört. Er war halt schon immer ein schlauer Fuchs. Wer das Experiment wagen will: HIER gibt es Album-Snippets zum Reinhören.