„Zosamme alt“ von Wolfgang Niedecken – ein Album, das es beinahe nicht gegeben hätte

VERÖFFENTLICHUNG» 13.09.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die Idee zu „Zosamme alt“ kam Wolfgang Niedecken bereits vor ein paar Jahren. Er saß gemeinsam mit dem britischen Singer/Songwriter Julian Dawson in der heimischen Küche, als dieser ihm vorschlug, doch unbedingt mal ein Akustik-Album aufzunehmen. Doch wie das halt öfter so ist, fehlt dann meistens die Zeit, um gute Ideen sofort in die Tat umzusetzen. Der eigene 60. Geburtstag wollte gefeiert und die nächste BAP-Tour vorbereitet werden. Am 2. November 2011 erlitt Wolfgang Niedecken einen Schlaganfall. Im zweiten Teil seiner Autobiographie „Zugabe. Die Geschichte einer Rückkehr“, die am 11. September erschienen ist (und zu der es an dieser Stelle noch eine ausführliche Rezension geben wird), erzählt er vom Aufrappeln, vom Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, von der Hilfe, die er bekommen hat, von Dankbarkeit und davon, dass er mit dem Soloalbum beinahe etwas sehr Wertvolles in seinem Leben versäumt hätte. Aus der guten Idee wurde eine Herzensangelegenheit.

Für „Zosamme alt“ wählte Niedecken schließlich 14 Songs aus, allesamt Liebeslieder, die er in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten für seine Frau Tina, die ihm an besagtem Novembertag das Leben rettete, geschrieben hat. Ihr und seinen beiden Töchtern ist das Album gewidmet. Lediglich das Titelstück entstand erst im Sommer 2012 in der Türkei. Zusammen mit Julian Dawson, John Sebastian, Larry Campbell, der bis 2004 in Bob Dylans Band spielte, Steuart Smith, Mitglied der legendären Eagles, und einigen anderen Kollegen, verschaffte er seiner Herzensangelegenheit im Dreamland Studio von Woodstock Gehör, bevor es zum Abmischen nach Manhattan in das durch Jimi Hendrix berühmt gewordene Electric Lady Studio ging. Nach 17 Studio- und fünf Live-Alben mit BAP nun also das vierte Soloalbum von Wolfgang Niedecken. Schön, dass es geklappt hat!

Die Songs auf „Zosamme alt“ sind entsprechend ihrer Entstehung chronologisch geordnet, wobei das Titelstück als eine Art Prolog gedacht ist. Angefangen mit dem allerersten, damals noch streng geheimen „Rääts un links vum Bahndamm“ (übrigens auch mein Geheimfavorit) bis zum vorerst letzten „Waat ens jraad“. Quasi als „Official Hidden Track“ gibt es dann noch „Alles, wat ich zo jähn wöhr“, eine Coverversion von Bob Dylans „All I Really Want To Do“. Hört man die BAP-Klassiker in ihrem neuen akustischen Gewand, erscheinen sie zunächst seltsam fremd. Auf ihren Kern reduziert entfalten sie ihre Kraft erst mit Verspätung. Plötzlich passen die Texte, die ursprünglich mal aus ganz anderen Beweggründen geschrieben wurden, auf Wolfgang Niedecken’s persönliche Situation wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Vordergründig mag das sentimental oder gar langweilig klingen, kennt man jedoch die Geschichte hinter den Geschichten, wird „Zosamme alt“ zunehmend spannend. Bob Dylan hat nicht gelogen, als er einmal sagte: „It’s all in the songs“. Möglicherweise hätte das Album zwei oder drei Stücke weniger vertragen können, denn trotz der ebenso ungewohnten wie abwechslungsreichen Instrumentierung aus Gitarre, Mundharmonika, Geige, Trompete oder Saxophon, möchte man irgendwann den Schalter umlegen und das Gaspedal durchdrücken, so wie man es von BAP gewohnt ist. Aber dazu ist „Zosamme alt“ nicht bereit. Es ist ein erster Versuch in den musikalischen Alltag zurückzufinden. Noch hat Niedecken den Stecker nicht wieder komplett eingestöpselt. Wer mag, kann hier in das Album reinhören.

Im Frühling 2014 wird er mit BAP, der Multi-Instrumentalistin Anne de Wolff und dem marokkanischen Percussionisten Rhani Krija auf grosse Unplugged-Tour gehen. „Zosamme alt“ wird dann das Herzstück der Konzerte sein. Hier alle Termine auf einen Blick:

  • 13.03.14 Ludwigshafen – BASF Feierabendhaus (Zusatzkonzert)
  • 14.03.14 Berlin – Tempodrom
  • 15.03.14 Hamburg – Laiszhalle
  • 16.03.14 Bremen – Die Glocke
  • 18.03.14 Essen – Lichtburg
  • 19.03.14 Düsseldorf – Tonhalle
  • 21.03.14 Halle/Saale – Steintor-Varieté
  • 22.03.14 Merkers – Bergwerk
  • 23.03.14 Erfurt – Theater
  • 24.03.14 Braunschweig – Stadthalle
  • 26.03.14 Leipzig – Gewandhaus
  • 27.03.14 Nürnberg – Opernhaus Staatstheater
  • 28.03.14 Limburg – Stadthalle
  • 29.03.14 Frankfurt – Alte Oper
  • 30.03.14 Hannover – Theater am Aegi
  • 01.04.14 Kiel – Sparkassen Arena
  • 02.04.14 Osnabrück – Osnabrückhalle
  • 04.04.14 Düren – Arena
  • 05.04.14 Neunkirchen – Gebläsehalle
  • 06.04.14 Karlsruhe – Stadthalle
  • 11.04.14 Ludwigshafen – BASF Feierabendhaus (ausverkauft)
  • 12.04.14 Friedrichshafen – Graf-Zeppelin-Haus
  • 13.04.14 Ulm – CCU
  • 15.04.14 Stuttgart – Beethovensaal
  • 16.04.14 Freiburg – Konzerthaus
  • 17.04.14 München – Philharmonie am Gasteig
  • 21.04.14 Kassel – Staatstheater
  • 22.04.14 Köln – Philharmonie (ausverkauft)
  • 23.04.14 Köln – Philharmonie (Zusatzkonzert)
  • 24.04.14 Köln – Philharmonie (Zusatzkonzert)

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