Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus: „Old Souls“ von Deaf Havana

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 5 / 9
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Deaf Havana wurden 2005 im englischen Norfolk gegründet. Seitdem ging es für das Sextett stetig bergauf. Zuletzt spielte die Band im Vorprogramm von Bruce Springsteen im Rahmen des Londoner Hard Rock Calling Festivals oder begleitete Muse auf deren Deutschlandtour. „Old Souls“ ist ihr zweites Studioalbum.

Darauf haben Deaf Havana alle Zutaten des klassischen Rockbaukastens in den musikalischen Kochtopf geworfen: Hymnische Gitarren, ein Bund Pathos, eine Prise Bläser und als Krönung die übliche Quotenballade. Die zwölf Songs sind ohne Zweifel handwerklich souverän umgesetzt und sauber arrangiert. Zudem hat Frontmann James Veck-Gilodi eine schöne Stimme, die nicht rein zufällig der von Jon Bon Jovi ähnelt. Leider verlieren sich Deaf Havana auf „Old Souls“ zu sehr in der kompositorischen Beliebigkeit. Die Stücke bleiben austauschbar, harmlos und gehen zwar schnell ins Ohr, ebenso schnell aber auch wieder raus. Ecken und Kanten sucht man da vergeblich. Das ständige Schielen auf ein möglichst hohes Airplay beraubt Deaf Havana jeglicher Eigenständigkeit.

So bietet „Old Souls“ einen Strauß netten Gute Laune-Rocks. Dazu gibt es die ein oder andere Anleihe im Pop. So etwas ähnliches haben Huey Lewis & The News schon vor 30 Jahren gemacht. Für meinen Geschmack plätschert da zuviel Belanglosigkeit vor sich hin und mit zunehmender Dauer läuft das Album sogar Gefahr langweilig zu werden. Am Ende wird es mit dem bombastischen „Caro Padre“ regelrecht kitschig. „Saved“ hätte vielleicht noch als gelungene Ballade durchgehen können, wenn dabei nicht gepfiffen würde. Das ist seit „Wind Of Change“ von den Scorpions allerdings ein absolutes No-Go und müsste im Rockbaukasten eigentlich auch vermerkt sein.

Trotzdem sollte man nicht vorschnell den Stab über Deaf Havana brechen. Die Band hat zweifellos ein größeres Potential als sie auf „Old Souls“ zeigt. Sie müsste nur mehr Mut zum Risiko haben. Ich fürchte allerdings, dass das Album eben genau wegen seiner Radiotauglichkeit genügend Käufer finden wird, um die Plattenfirma davon zu überzeugen, das keimfreie Image noch eine Weile aufrechtzuerhalten.