Zurück in die Pubertät! – The T.C.H.I.K., Mama ich blute

VERÖFFENTLICHUNG» 26.07.2013
BEWERTUNG» 4 / 9
ARTIST»
LABEL»
  bei Amazon bestellen

Die Berliner Schnauze ist weit über die Grenzen der Bundeshauptstadt bekannt: Sie ist nicht unbedingt freundlich, nicht zwingend gesellig, aber immer ehrlich und direkt. The Toten Crackhuren im Kofferraum, ihres Zeichens Vorzeigeband für alle missverstandenen Teenager, sind das perfekte Beispiel für die Berliner Schnauze. Zugegeben, sie haben schon gewisse Eigenheiten, die sie doch individueller machen, als den meisten Radioklatsch. Eine ordentliche Portion NDW, gepaart mit der angesprochenen Kaltschnäuzigkeit, fertig ist das neue Produkt der Marke Wütende Teenager im 21. Jahrhundert. Die Berlinerinnen sind nun am Start mit ihrem zweiten Album „Mama, ich blute“ und wollen damit den Durchbruch in die Konzerthallen schaffen, die vielleicht etwas mehr als eine Handvoll Leute fassen. Ob sie es mit ihrem Zweitling wirklich so weit bringen ist jedoch mehr als fraglich.

Die klassischen pubertären Themen, welche mit der Pickelzeit anfangen, sind auf dem Album schnell bedient: Selbstverliebtheit („Geniale Asoziale“),  Freiheit („Wir werden nicht nüchtern“), Party („Verrückt bleiben bitte“), Sex („Heute Nacht“), Sex in Zweideutigkeit („Klaus“) und sogar die Liebe („Du fehlst mir“), in Kombination mit einem Gastauftritt vom Grafen Bela B. persönlich. All die Themen mit denen sich die Kofferraumhuren in ihren Songs befassen, sind soweit auch nicht weiter schlimm, wären die Texte nur nicht von so einer herrlichen Belanglosigkeit, dass man denken könnte, Grundschüler haben eine Aufgabe zum Thema „Freies Schreiben“ bekommen. Die zwölf besten Texte wurden anschließend für das neue Crackhurenalbum verwendet.

Ein Beispiel aus „Verrückt bleiben bitte“:

Hosen runter, Hände hoch

Wir stampfen uns die Füße rot

Crazy, crazy abgefahrn!

Was will man dem noch textlich hinzufügen? Dennoch bleiben ein paar Ausnahmen einfach in den Gehörgängen drin und ich erwische mich selbst schockiert, wie ich den Refrain von „Geniale Asoziale“ leise vor mich hinsumme. Verdammt, das ist aber auch ein Ohrwurm!

Die Crackhuren ordnen sich im Gedächtnis zwischen Bravo und Bierkönig, zwischen Elektropunk und Emanzipation, zwischen Lafee und Jennifer Rostock ein. Irgendwo in den Tiefen der Musikwelt haben sie ihre ganz private Sparte gefunden und werden sicherlich auch eine kleine Schar von 13-19-Jährigen überzeugen können ihren Weg der „Freiheit“ – Achtung, die Anführungsstriche stehen da nicht umsonst! – mitzugehen. Bei dieser übersichtlichen Schar wird es dann aber auch bleiben.