Zwischen Persiflage und Verehrung – Steel Panther „All You Can Eat“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.03.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Steel Panther waren lange Zeit so etwas wie das bestgehütete Geheimnis der Glam Metal-Szene von Los Angeles. 2009 erschien ihr Debütalbum „Feel The Steel“, dem zwei Jahre später das wegen seines eindeutig zweideutigen Covers indizierte „Balls Out“ folgte. Die einen sehen in der Band seitdem eine gelungene Parodie auf den Hair Metal und Sleaze Rock der 80er Jahre, andere wiederum betrachten sie als bloße Kopie der Poser-Acts aus jener Zeit. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer irgendwo in der Mitte. Unbestritten jedoch gehört das Quartett um Frontmann Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxx und Drummer Stix Zadinia zu den unterhaltsamsten Acts im Musikzirkus. Jetzt heizen sie die Diskussionen um Persiflage und Verehrung mit ihrem dritten Album „All You Can Eat“ erneut an. Immerhin dürfte das an Leonardo da Vinci’s „Das letzte Abendmahl“ angelehnte Cover diesmal nicht auf dem Index landen.

Musikalisch bewegen sich Steel Panther in den zwölf Songs auf gewohntem Terrain. Alles darin erinnert an die Zeiten, in denen etwa „1984“ von Van Halen noch zu den Alben des Jahres gehörte. Dabei beginnt „All You Can Eat“ mit einem Intro, das eher an Paco de Lucia (der Gitarrengott habe ihn selig) denken lässt, bevor die elektrisch verstärkten Kollegen endgültig von der Leine gelassen werden. Gleich danach folgt quasi bereits das Motto für das gesamte Album. Wer bei „Party Like Tomorrow Is The End Of The World“ nicht automatisch mitgröhlt, der hat wohl nur Angst, er könnte dabei sein Bier verschütten. So simpel klingen Bon Jovi schon seit Jahren, im Gegensatz zu den Weichspülern aus New Yersey nimmt man Steel Panther die testosterongeschwängerte Attitüde jedoch ab. Und ich persönlich glaube ja, dass sie es noch nicht mal selbstironisch meinen.

„Gloryhole“ ist ein netter Schunkelrock, bei dem sich alle in den Armen liegen, bevor „Gangbang At The Old Folks Home“, „Ten Strikes You’re Out“, „F@#king My Heart In The Ass“, „BVS“ oder „She’s On The Rag“ das Haupthaar wieder ordentlich in Wallung bringen, sofern man noch über welches verfügt. Zwischendurch gibt es mit „Bukkake Tears“ eine Art Ballade. „You’re Beautiful When You Don’t Talk“ driftet dann doch etwas zu sehr in Richtung Bon Jovi ab, ist aber gleichzeitig auch der einzige ernstzunehmende Ausfall auf „All You Can Eat“. Im Gegensatz dazu gehören das hymnische „The Burden Of Being Wonderful“ und das dreckige Rockbrett „If I Was The King“ zu dessen Höhepunkten. Rein textlich darf man bei Songtiteln wie „Pussywhipped“ natürlich keine Offenbarungen erwarten. Steel Panther leben nach wie vor nach dem guten alten Ian Dury-Motto „Sex & Drugs & Rock & Roll“.

„All You Can Eat“ erhebt keinen grossartigen künstlerischen Anspruch. Hier ist Oldschool Trumpf. Aber schließlich leben auch AC/DC schon seit 40 Jahren von denselben drei Akkorden. Die zwölf Songs machen einfach mächtig viel Spass und werden selbst auf Dauer nicht langweilig. Am Ende bleibt ein fettes Grinsen übrig. Guten Appetit!

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