Beatsteaks – Muffensausen: Ein audiovisuelles Gesamtpaket vom Feinsten

VERÖFFENTLICHUNG» 07.06.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Wenn man auf der Suche nach einer deutschen Band von internationalem Format ist, stehen die Beatsteaks an erster Stelle. Wer davon bisher nicht überzeugt war, sollte sich das neue 2DVD/CD-Album „Muffensausen“ reinziehen. Hier zeigen die Berliner mal wieder, dass sie live ein starkes Brett sind und auf jedem Festival mithalten können.

Nach der Gründung 1995 musste man lange auf den großen Durchbruch warten. Seinen inzwischen außerordentlich guten Ruf in der Alternative- und Punk-Szene hat sich das Quintett vor allem mit seiner Live-Performance erspielt, wie auf dem ersten Live-Release „Kanonen auf Spatzen“ (2008) deutlich zu hören ist. Mit ihrem letzten Album „Boombox“ haben die Fünf 2011 ihr bislang stärkstes und erfolgreichstes Album vorgelegt. Erstmals knackten sie die Spitzenposition der deutschen Charts, gleich drei Single-Auskopplungen stiegen ebenfalls in die Hitlisten. Die anschließende Tournee geriet zu einem einzigen Siegeszug: ausverkaufte Hallen, strahlende Gesichter, unvergessliche Shows!

Mit über fünf Stunden Material kann man sich nun ein Stück davon nach Hause holen. Zunächst einmal gibt es das 98 minütige Herzstück, einen zusammen geschnittenen Konzertfilm mit Aufnahmen vom Highfield Festival und vom Area 4. Hinzu kommen ein heimeliger Clubgig im Klub Kiff in der Schweiz und dann die Heimspiele in der Berliner Max Schmeling Halle und auf der Wuhlheide. Da es ein filmisches Dokument sein soll, gibt es auch dokumentarische Szenen mit gesprochenen Passagen. Doch Skeptiker dürfen beruhigt sein: Selbst die Aufnahmen von den Proben im Schaltraum Berlin enthalten ordentlich durchgespielte Songs wie „Neat Neat Neat“ und „Access Adrenalin“.

Die Aufnahmen entsprechen nicht unbedingt einem qualitativ hochwertigen Mitschnitt, stattdessen wirkt alles etwas altbacken, in den Farben verzerrt, bisweilen hektisch geschnitten – doch gerade das hebt den Livecharakter hervor und zeigt die Band als spielfreudige Meister ihres Fachs. Ein gelungenes Format, um sie im Schaltraum und im Klub Kiff genau so ausgelassen und adrenalingeschüttelt zu zeigen wie vor den Zigtausend Festivalgästen. Muffensausen vor dem Auftritt? Mag sein. Doch auf der Bühne herrscht pure Souveränität.

Als Extra bietet die DVD sechs weitere Songs von den genannten Konzerten, die es letztlich nicht in den Film geschafft haben. 15 der Livesongs gibt es zudem auf Audio-CD, ergänzt um den ganz neuen Titel „Saysaysay“. Als reines Livealbum gefällt mir „Kanonen auf Spatzen“ um Einiges besser, doch in Verbindung mit der DVD ist die Muffensausen-CD ein nettes Extra.

DVD 2 hat dann noch eine Menge weiteres Material zu bieten. Die Doku „Fresse halten Bass spielen“ gibt in über 30 Minuten Länge einen Einblick in die Geschichte der Band und ins Tourleben. Ich muss sagen: Die Jungs kommen hier verdammt sympathisch rüber. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und stellen den ganzen Tross als große Familie dar. Wie der Titel schon sagt wird Bassist Torsten und seiner ganz besonderen Geschichte ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Eine ganze Stunde lang dürfen wir „Beat TV“ genießen. 16 kleine Episoden mit Geschichten aus dem Bandalltag: Angefangen mit einer Skypekonferenz zwischen Berlin und L.A., Dr. Thomas im Proberaum, über den Busfahrer Klaus bis hin zu Aufnahmen von Rock am Ring und der 1Live Krone. Darüber hinaus gibt es Videos en masse, zum Teil mit angegliedertem Making Of. Besonders angetan bin ich von dem Video zu „Hey du“. Wer bisher noch kein Fan dieser unglaublichen Band ist, wird es nach Sichtung des ganzen Materials definitiv sein. Ganz groß!