The Rolling Stones – „Crossfire Hurricane“ – Der Film

VERÖFFENTLICHUNG» 04.01.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Es gibt wohl kaum eine andere Band auf der Welt, über die bisher so viel berichtet wurde wie über die Rolling Stones. Kein Wunder, denn in 50 Jahren kommt so einiges zusammen. Der Legende nach trafen sich Mick Jagger und Keith Richards Ende 1961 zum ersten Mal auf einer Zugfahrt nach London. Der Rest ist hinlänglich bekannt. Inzwischen zählen die Rolling Stones zu den langlebigsten und kommerziell erfolgreichsten Bands der Rockgeschichte. Angesichts der zahlreichen Drogeneskapaden, Todesfälle, Anklagen und Meinungsverschiedenheiten während dieser fünf Jahrzehnte muss besonders ersteres gefeiert werden. Wie es ihre Art ist, zelebrieren die vier verbliebenen Stones dies recht ausgiebig. Im Juli des vergangenen Jahres erschien bereits der opulente Jubiläums-Bildband „The Rolling Stones: 50“, dem im November das Best Of „Grrr!“ folgte, das mit „Doom And Gloom“ sowie „One More Shot“ immerhin die ersten beiden neuen Stones-Stücke seit ihrem letzten Studioalbum „A Bigger Bang“ von 2005 enthielt. Vorläufiger Höhepunkt der Feierlichkeiten waren einige Jubiläumskonzerte in Paris, London, New York und Newark – ihre ersten seit fünf Jahren. Zum krönenden Abschluß legen sie jetzt noch die DVD (und BluRay) „Crossfire Hurricane“ obendrauf.

Der Film von Regisseur Brett Morgen hatte seine Weltpremiere am 18. Oktober 2012 auf dem London Film Festival. Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood fungieren dabei als Executive Producers, Ex-Stone Bill Wyman als archivarischer Berater. Sein Titel ist ein Zitat aus „Jumpin‘ Jack Flash“. Im Grunde ist er jedoch eine kleine Mogelpackung, denn er dokumentiert „nur“ die ersten knapp 20 Jahre der Stones-Karriere. Die allerdings hatten es in sich. Angefangen bei ganz frühen Live-Aufnahmen noch in der Besetzung mit Wyman und Brian Jones. Die Stones sind zu Beginn der Sechziger Jahre noch meilenweit von ihrer heutigen Extravaganz und Gigantomanie entfernt und wirken eher wie schüchterne Jungs. Das ändert sich aber schnell, als Andrew Oldham die Band unter seine Fittiche nimmt und sie zur „bösen Version der Beatles“ aufbaut. Bei ihren Konzerten herrschen Chaos und Randale, auf und neben der Bühne. Mit „(I Can’t Get No) Satisfaction“ schaffen sie schließlich den endgültigen Durchbruch.

„Crossfire Hurricane“ erzählt dies und mehr in beeindruckenden und zum Teil sehr intimen Bildern, die immer in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext eingebettet sind. Der Drogen- und Alkoholmißbrauch aller Bandmitglieder (bis auf den kreuzbraven Charlie Watts) wird nicht nur deutlich thematisiert, sondern auch offen gezeigt. Manchmal aber hechelt der Film doch etwas arg atemlos durch die Jahre. Aber wie will man auch solche Episoden wie die Razzia in Keith Richards‘ Landhaus, den „Rolling Stones Rock And Roll Circus“, den bis heute ungeklärten Tod von Brian Jones oder – als das dunkelste aller Kapitel – das katastrophale Gratiskonzert auf dem Altamont Freeway in 111 Minuten angemessen behandeln? Alle Mitglieder der Band wurden dazu interviewt. Einen Sprecher, der den Zuschauer durch das Geschehen führt, gibt es nicht. Man hört nur die Statements der Stones, die dadurch quasi als Kommentatoren ihrer eigenen Geschichte fungieren. Kameras waren bei diesen Interviews nicht zugelassen, was die Zuordnung, wer gerade spricht, nicht unbedingt erleichert. Keith Richards erkennt man zumindest an seinem kehligen Lachen. Erst im Abspann gibt es aktuelle Live-Aufnahmen zu sehen.

Hinzu kommen gut 30 Minuten an Bonusmaterial, darunter bislang unveröffentlichte Mitschnitte eines Stones-Auftrittes am 11. September 1965 in Münster, bei dem es noch sehr gesittet zugeht und man sich vorkommt wie auf dem Konzert einer Schülerband. Weiterhin darf man sich über ein Interview mit Brett Morgen (das in der Frage „Was kann ein junges Publikum aus dem Film lernen?“ gipfelt), eine kurze Dokumentation über die Entstehung von „Crossfire Hurricane“ und den dazugehörigen Kinotrailer freuen. Nicht zu vergessen das 12-seitige Booklet.

„Der Film zeigt die Mythologie der Stones und erklärt den Zuschauern, wie sie zur gefährlichsten Band der Welt wurden und wie ihr Ruf entstand“, beschreibt Morgen seine Intention. Doch trotz der insgesamt 40 Songs, die „Crossfire Hurricane“ untermalen, trotz des nahezu uneingeschränkten Zugangs zum Stones-Archiv und trotz der fast 80 Stunden an Interviews, die er geführt hat, dürfte sein Werk für Hardcore-Fans von eher mäßigem Interesse sein. Abgesehen von den Aufnahmen aus Münster und selbstgefilmtem 16mm-Material von Mick Jagger während der Australien-Tour 1973 werden sie wohl kaum etwas Neues entdecken. Für alle anderen ist „Crossfire Hurricane“ ein unterhaltsamer und durchaus spannend gemachter Streifzug durch die Anfangsjahre einer Band, von der Ron Wood völlig zu Recht sagt: „Katzen haben neun Leben, aber wir sind durch zwanzig gegangen“.

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