Die Ärzte: „Nacht der Dämonen“ – die beste Band der Welt live aus Berlin und Frankfurt

VERÖFFENTLICHUNG» 13.09.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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30 Filmleute, 10 Kameras, 4 Tage – die Ärzte haben noch nie am falschen Ende gespart, wenn es um die Produktion einer DVD ging. Und da es seit „Die Band, die sie Pferd nannten“ (2004) keinen Live-Release mehr gab, wird es mal wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Für DVD 1 wurden die Konzerte in der Frankfurter Festhalle (29. und 30.06.2012) und in der Berliner Waldbühne (18. und 19.08.2012) mitgeschnitten und zu einem einzigen Konzert mit 47 Songs und von 195 Minuten Länge zusammen gefügt. Das mag Puristen nicht gefallen, aber die werden dafür auf DVD 2 umfassend versorgt. Also keine Panik.

Das Konzert startet mit der unwidersprochen geilen Ansage: „Begrüßen Sie mit mir die beste Band der Welt“. Und schon geht’s los. Die Hin- und Herschneiderei zwischen den Konzerten in Berlin und Frankfurt fällt natürlich auf, denn das eine war ein Open Air- das andere ein Hallenkonzert. Und man bemüht sich gar nicht, da etwas zu verschleiern, denn auch während der Songs und im Schwenk durch die Zuschauermassen wird fleißig zwischen den Showorten und -tagen geswitcht.

Regisseur Norbert Heitker arbeitet viel mit Splitscreen: Zuschauer oder die drei Protagonisten, der Circle Pit, zum Teil seltsame Perspektiven aus allen Himmelsrichtungen. Das gibt ein munteres Durcheinander, macht aber Sinn, da das Bühnenbild nun wirklich nicht sonderlich spektakulär und eine durchgehende Frontaufnahme mit der Zeit stinklangweilig wäre.

Wir erfreuen uns also am Opener „Ist das noch Punkrock? „, an den neuen Mitsing-Nummern „Wir sind die Besten“ und „Deine Schuld“, machen einen Ausflug in die präpubertäre Jugendzeit mit „Mein kleiner Liebling“ und „Langweilig“, betrachten die T-shirt-schwingende Meute zu „Waldspaziergang mit Folgen“, genießen moderne Klassiker wie „Lasse redn“ und „Schrei nach Liebe“. Ein typisches Ärzte-Konzert eben. Der Zugabenblock beginnt nach 135 Minuten mit „TCR“ und dauert traditionsgemäß eine Stunde.

Das Konzertfeeling ist durchgehend gegeben und wird fortgeführt mit der Reggae-Version von „Westerland“, dem berüchtigten „Tittenmaus“ inklusive Einblendung einer freizügigen Zuschauerin, dem neu geschaffenen „Hock’n‘Roll“ bei „Unrockbar“, einem grandios abgefeierten „Junge“ und dem all-time-favourite „Zu spät“ mit traditionell geänderten Textzeilen. Noch was zu den Texten: Das Booklet der DVD enthält die Lyrics aller Songs! Und zwar – wie im Fall von „Zu spät“ – gegebenenfalls in der aktuellen Version. Das nenn ich mal Service!

Die zweite DVD schließlich, der Teil für Puristen, liefert eins der Berlin-Konzerte in seiner reinen Form: das komplette Konzert am Stück, ohne Splitscreen. Ton- und bildtechnisch mit einigen Mängeln, aber dadurch vielleicht authentischer. Im Bonus-Bereich gibt es außerdem zwei Songs der XX/XY-Tour, bei der kurioserweise entweder nur Frauen oder nur Männer als Zuschauer zugelassen waren. Die Mädels-Fraktion darf sich „Wenn alle Männer Mädchen wärn“ anhören, die Jungs-Fraktion muss sich mit „Omaboy“ begnügen. Schließlich verbreiten einige kurze Spaßclips „die ganze Wahrheit“ über die Ärzte und wir werden unter anderem Zeuge, wie Farin seine wirren Ansagen vom Teleprompter abliest und Bela „An Tagen wie diesen“ als Nachgebet runterleiert.

Schon die normale Doppel-DVD würde als „Deluxe“ durchgehen. Pappschuber, umfangreiches Booklet, viel Inhalt in 6 ½ Stunden Länge. Die echte Deluxe-Box bietet dann noch die komplette Audio-Fassung auf USB-Stick. Die kann man sich aber auch als Dreifach-CD oder Fünffach-Vinyl zulegen. Jedem, was er braucht.