Die Smashing Pumpkins zelebrieren „Oceania: Live In NYC“

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Zweifellos hat die Musik der Smashing Pumpkins das Alternative-Genre entscheidend mitgeprägt und zahlreiche Bands jüngerer Generationen beeinflusst. Auch wenn man zwischendurch den Eindruck gewinnen konnte, Frontmann Billy Corgan habe mächtig einen an der Waffel. Zwischen 2000 und 2005 ließ er die Smashing Pumpkins komplett ruhen, um zwei Jahre später mit dem zu Recht hochgelobten „Zeitgeist“ wie Phoenix aus der Asche wieder aufzuerstehen. 2012 erschien dann der Nachfolger „Oceania“, laut Corgan ein „Album innerhalb eines Albums“, als Teil des seit 2009 laufenden, 44 Songs umfassenden Projekts „Teargarden By Kaleidyscope“. Mit Jeff Schroeder an der Gitarre, Mike Byrne am Schlagzeug und Bassistin Nicole Fiorentino scheinen die Smashing Pumpkins endlich wieder eine funktionierende Band zu sein.

Am 10. Dezember 2012 trat das Quartett im New Yorker Barclays Center auf. Eigentlich war der Auftritt bereits für Ende Oktober vorgesehen, musste jedoch aufgrund der Verwüstungen, die Hurricane Sandy in der Stadt anrichtete verschoben werden. Jetzt erscheint das Konzert unter dem Titel „Oceania: Live In NYC“ auf DVD und Blu-Ray. Die Smashing Pumpkins spielten an diesem Abend „Oceania“ in voller Länge sowie einige Klassiker aus der 25-jährigen Bandgeschichte.

Live wird erneut deutlich, welch ein starkes Album „Oceania“ ist, zumal die Songs dank einiger Improvisationen alle nochmals an Intensität gewinnen. Die Bühne ist überwiegend in blauen und dunkelroten Farbtönen gehalten, unterbrochen von zuckenden Lichtblitzen. Ein Alptraum für jeden Fotografen. Im Hintergrund sind auf einer riesigen Kugel spektakuläre Visuals von Sean Evans zu bewundern, der zuletzt erst Pink Floyd-Legende Roger Waters bei dessen Neuproduktion von „The Wall“ assistierte. Ansonsten passiert relativ wenig. Billy Corgan lässt sich und seine Musik wirken. Natürlich darf man ihn auch gerne mal feiern, obwohl die Interaktion mit dem Publikum sehr sparsam ausfällt. Doch das ist bei Corgan eher ein gutes Zeichen. Außerdem scheint er etwas fülliger geworden zu sein, seit ich die Smashing Pumpkins 2008 zum bislang letzten Mal live gesehen habe. Die übrigen Bandmitglieder spielen ihre Parts souverän im Schatten des Meisters. Jeff Schroeder glänzt mit einigen Soli und Mike Byrne verleiht den Songs mit seinem akzentuierten Schlagzeugspiel ihre eigentliche Kraft.

Nach der besten Phase des Albums aus „The Chimera“, „Glissandra“, „Inkless“ und „Wildflower“ geht es mit einer verrückt-verrockten Version von David Bowie’s „Space Oddity“ über in den zweiten Teil des Konzerts, in dem die Smashing Pumpkins die alten Zeiten aufleben lassen. Es folgen acht Stücke aus ihren legendären Frühwerken „Siamese Dream“ (1993), „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ (1995) sowie „Adore“ (1998). Darunter die wunderbaren „Disarm“ und „Cherub Rock“. Dazu gibt es mit „Tonite Reprise“ die Akustikversion und damalige B-Seite des ebenfalls gespielten „Tonight, Tonight“ von 1996 und das zu diesem Zeitpunkt neue „The Dream Machine“ aus den „Oceania“-Outtakes. Die Fans in New York, von denen darüberhinaus leider nur wenig zu sehen ist, feiern die Band am Ende verdientermaßen für eine zweistündige, überzeugende und in weiten Teilen begeisternde Performance. Die Kameraarbeit ist die gesamte Zeit über wohltuend ruhig, obwohl das ständige Stroboskoplicht irgendwann mächtig nervt. In den Bonusfeatures finden sich noch Interviews mit Sean Evans, Lichtregisseur Lawrence Upton, Produktionsleiter Chris Gratton („Oceania From Concept To Stage“) sowie eine Fotogalerie.

Abzüge in der B-Note gibt es lediglich für das Booklet, das als „spartanisch“ zu bezeichnen eine glatte Untertreibung wäre. Ansonsten aber ist „Oceania: Live In NYC“ ein beeindruckendes Zeugnis dafür, dass die Smashing Pumpkins allen Irrungen und Wirrungen zum Trotz auch 22 Jahre nach ihrem wegweisenden Debüt „Gish“ nichts von ihrer musikalischen Klasse und Originalität eingebüßt haben. Chapeau!