Joe Bonamassa: „Tour de Force“ – eine Konzertreise durch London

VERÖFFENTLICHUNG» 25.10.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Nehmen wir mal an, ein Gott an der Gitarre steigt aus dem Olymp herab, um die Stationen seines Aufstiegs ein zweites Mal zu erleben und einem ausgewählten Publikum zu präsentieren… Wo könnte er das besser tun, als in einer Stadt voller Clubs und Konzerthallen, in der selbst die kleinste Location den Künstler adelt, da er seinen Tourplan mit dem Namen der Stadt versehen kann? Joe Bonamassa stammt aus New York, aber er hat London für seine extravagante Konzertreihe gewählt. Und die Standorte stehen mit ihren Namen so fest wie musikhistorische Eckpfeiler: Der Club „The Borderline“, das „Shepherd’s Bush Empire“, das „Hammersmith Apollo“ und die ehrwürdige „Royal Albert Hall“. So gab es zu Beginn ein Konzert mit 200 Zuschauern und die Kapazität wurde Zug um Zug gesteigert.

Das gilt auch für die Art der Darbietung: „The Borderline“ widmete sich den frühen Jahren im klassischen Dreierformat, sprich Gitarre, Bass und Schlagzeug. Es gab Songs der ersten Alben, Coverversionen unter anderem von Rod Stewart, John Lee Hooker und Jimi Hendrix. Für die Show im „Shepherd’s Bush Empire“ gab es eine Horn Section im Hintergrund und musikalisch führte der Abend durch den Blues in all seinen Ausprägungen. Das „Hammersmith Apollo“ hingegen ist härtere Klänge gewöhnt und so führte auch Bonamassa die Zuhörerschaft in die Welt des Rock’n’Roll. Stücke wie „Dustbowl“ und „The Ballad Of John Henry“ sprechen für sich. Die „Royal Albert Hall“ schließlich sah für die größte Zuschauerschaft eine Zusammenschau aus allen Welten des Joe Bonamassa. Er startete seine zweite Show in dieser Location mit einem Acoustic-Set und präsentierte schließlich mit großer Band seine größten Hits.

Jeder Abend hat eine andere Setlist, die Begleitband wechselt, alle DVDs / BluRays können für sich stehen und geben ein ganz eigenes Bild des Gitarrenmeisters. Klar mag der geneigte Fan stöhnen, weil die Veröffentlichungsflut, mit der Bonamassa seine Anhänger beglückt, nahezu grenzenlos ist. Die Vermarktung nimmt schon groteske Züge an, wenn es ständig neue Liveaufnahmen, Kollaborationen und Projekte gibt. Doch kann man getrost festhalten, dass hier Qualität nicht durch Quantität ersetzt wird. Jeder Release steht für sich und zeigt eigenständige Ideen. Ganz Hartgesottene legen sich alle vier Scheiben dieser „Tour de Force“ (so heißt das Projekt im Gesamten) zu oder greifen gleich zur Komplettbox im aufwändig gestalteten Schuber. So kann man seine Liebsten nerven und einen vier DVD-Abende dauernden Konzert-Marathon veranstalten. Herrlich! Joe Bonamassa in Aktion zu hören ist ein Genuss. Ihn dabei zu sehen – schwelgerisch, der realen Welt entrückt, perfektionistisch und präzise – das Höchste der Gefühle.

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