Led Zeppelin feiern „Celebration Day“ auf DVD und Doppel-CD!

VERÖFFENTLICHUNG» 16.11.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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1968 gründete sich in Grossbritannien eine Rockband, deren Songs auch heute noch wie Donnerhall klingen: Led Zeppelin. Ihr Name geht angeblich auf eine Bemerkung des The Who-Schlagzeugers Keith Moon zurück, der behauptete, eine Band um Jimmy Page „werde abstürzen wie ein bleiernes Luftschiff“. Wie wir alle wissen, war genau das Gegenteil der Fall. Bis zum Tod von Drummer John Bonham im September 1980 und der anschließenden Auflösung revolutionierten Led Zeppelin ein ganzes Genre. In ihrer Musik verarbeiteten sie Einflüsse von Blues und Folk und gelten neben Black Sabbath und Deep Purple als Pioniere des Hard Rock und Heavy Metal. Weltweit verkauften sie mehr als 300 Millionen Alben. Die Bühnenshows von Led Zeppelin dauerten aufgrund der ausufernden Live-Improvisationen nicht selten über drei Stunden.

Dementsprechend gross war die Euphorie, als die verbliebenen Gründungsmitglieder – Bassist John Paul Jones, Sänger Robert Plant und Gitarrist Jimmy Page – bei einer Pressekonferenz am 12. September 2007 ein einmaliges Konzert in London ankündigten. Den Part des legendären John Bonham sollte dessen Sohn Jason übernehmen. Am 10. Dezember 2007 traten diese Vier schließlich zum ersten Mal seit 1980 wieder unter dem Namen Led Zeppelin auf. Die historische Reunion in der Londoner O2 Arena fand zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Gründers von Atlantic Records und Mit-Entdeckers von Led Zeppelin, Ahmet Ertegün, statt. Nach Angaben des Veranstalters bewarben sich sagenhafte 20 Millionen Menschen um eine Eintrittskarte, von denen 18.000 Glückliche per Losverfahren ausgewählt wurden und das immerhin zum stolzen Preis von umgerechnet 183 € pro Ticket. Bei dem Benefizkonzert für Ahmet Ertegün’s Stiftung spielten außerdem noch Paul Rodgers, Foreigner oder Bill Wyman.

Fünf Jahre nach diesem epochalen Ereignis wird das Konzert als „Celebration Day“ nun endlich auf DVD und BluRay veröffentlicht. Am 17. Oktober war der Film von Regisseur Dick Carruthers bereits auf 1.500 Kinoleinwänden in über 40 Ländern zu sehen, jetzt gibt es ihn in verschiedenen Konfigurationen auch für das heimische Wohnzimmer. Verpackung und Optik sind dabei dem Anlass entsprechend sehr edel ausgefallen. In dem dreifach ausklappbaren Digipack befindet sich das Konzert nicht nur auf DVD, sondern darüberhinaus noch auf zwei Audio-CDs. Im Booklet gibt es zusätzlich Statements der Musiker und ein paar Fotos.

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Was letztlich zählt ist der Inhalt. Nach einem Rückblick auf einige Stationen ihrer beeindruckenden Karriere, die über einen kleinen Fernseher flimmern, werden Led Zeppelin von einem Meer aus Handy-Displays empfangen. Zumindest das war bei ihrem letzten Auftritt vor 32 Jahren in der Berliner Eissporthalle noch anders. Vom ersten Ton des Openers „Good Times Bad Times“ an bilden Band und Fans eine Einheit. Wenn man bedenkt, dass viele von ihnen noch gar nicht auf der Welt waren, als sich Led Zeppelin auflösten, beweisen sie eine erstaunliche Textsicherheit. Handwerklich ist das Quartett ohnehin über jeglichen Zweifel erhaben, auch wenn Robert Plant die hohen Stimmlagen inzwischen geschickt umschifft. Die 16 Stücke auf der Setlist sind allesamt Klassiker. „Ramble On“ sowie „For Your Life“ feiern in der britischen Hauptstadt sogar ihre Live-Premiere. Die jeweils über elf Minuten langen „In My Time Of Dying“ und „Dazed And Confused“ stechen sicherlich heraus, aber eine Band, die solche Kultsongs wie „Black Dog“, „Nobody’s Fault But Mine“, „The Song Remains The Same“, „Kashmir“, „Whole Lotta Love“ und natürlich „Stairway To Heaven“ in ihrem Repertoire hat, hätte an diesem denkwürdigen Abend wahrscheinlich auch das Telefonbuch von London rückwärts spielen können, ohne auch nur einen einzigen der Anwesenden zu enttäuschen.

Die Kameraführung ist erfreulich sensibel und verzichtet weitestgehend auf hektische Schnittfolgen. So kann man John Paul Jones, Jason Bonham und besonders Jimmy Page des öfteren auch mal etwas länger bei ihrer filigranen Arbeit über die Schulter schauen. Einziges Ärgernis sind die eingestreuten Super 8-Aufnahmen, die in ihrer Grobkörnigkeit eher stören und für mich noch dazu keinerlei tieferen künstlerischen Sinn erkennen lassen. Zum Glück schmälern sie den musikalischen wie technischen Hochgenuss (in Bild und Ton) jedoch nur marginal. So ist „Celebration Day“ vermutlich das endgültige Vermächtnis einer der grössten Rockbands aller Zeiten. Nach übereinstimmenden Aussagen aller drei Ur-Mitglieder wird es keinen weiteren Zusammenschluß mehr geben. Selbst wenn Jimmy Page und Robert Plant mittlerweile in Ehren ergraut sind, treten sie all ihren selbsternannten Nachfolgern in London ein letztes Mal kräftig in den Hintern und beweisen, dass altes Eisen eindeutig anders klingt.

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