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Leonard Bernstein dirigiert die Sinfonien von Johannes Brahms

Leonard Bernstein  •  Brahms Symphonien Nr. 1-4
Veröffentlichungsdatum: 26.03.2021
Unsere Bewertung: 8 von 9 Punkten

Diese DVD-Veröffentlichung ist zugleich eine Reise ins zu Ende gehende 19. Jahrhundert, aber auch in die frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. In der Sammlung auf zwei Silberscheiben, die alle vier Brahms-Sinfonien enthält, kann man Leonard Bernstein beim Dirigieren zweier seiner Lieblingsorchester erleben: des Israel Philharmonic Orchestra und des Boston Symphony Orchestra.

Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1972 und 1973. So verströmt die Great Concert Hall in Jerusalem den spröden architektonischen Charme der 60er und 70er Jahre. Da ich regelmäßig das Theater Trier besuche (hoffentlich bald mal wieder), ist das für mich nichts Neues. Es sorgt eher für heimelige Atmosphäre. Was allerdings auffällt: Die Aufführungen sind fast ausschließlich in männlicher Hand. Nach Musikerinnen muss man gezielt und quasi mit der Lupe in den letzten Reihen suchen.

Im Vordergrund stehen aber auch gar nicht die – wirklich hervorragenden – beiden Orchester, sondern der Stardirigent. Bisweilen bleibt die Kamera Ewigkeiten auf seinem Gesicht und fängt jede Nuance, jedes romantische, gefühlvolle und jedes energische Moment seines Dirigats ein. Das ist schon ganz besonders.

Beide Orchester stehen bei Bernstein in einer wichtigen Tradition: Seit seinem ersten Engagement mit dem Israel Philharmonic Orchestra Mitte der 1940er Jahre hat der berühmte Musiker über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert eng mit dem Ensemble zusammengearbeitet und schließlich die Rolle des Ehrendirigenten übernommen.

Aber Bernstein begann seine Karriere als Dirigent in Tanglewood im Jahr 1940. Er studierte bei Sergei Koussevitzky (Gründer des Tanglewood Festivals) und es erfüllte ihn mit Stolz, die Brahms-Sinfonien Nr. 2 & 4 im Jahr 1972 beim Tanglewood Festival zu dirigieren, die sein Lehrer Koussvitzky dort ebenfalls dirigierte. Die Aufnahme aus Boston ist visuell nicht ganz so gut. Das Bild ist hier verrauscht und bisweilen verschwommen – ganz im Gegensatz zum Mitschnitt aus Jerusalem, dem man sein Alter von fast 50 Jahren keineswegs ansieht.

Und was zum Glück absolut fehlerfrei ist: die Tonqualität. Ein auditiver Genuss sind diese Aufnahmen allemal. Abgerundet wird die DVD durch ein umfangreiches Booklet, das sowohl Bernsteins Bezug zu Brahms als auch seine Verknüpfungen mit dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Tanglewood Festival erläutert. Meine Empfehlung für Liebhaber von Bernstein, Brahms und den Künsten zweier Ausnahme-Orchester.