Owl City, Live In Los Angeles

VERÖFFENTLICHUNG» 03.02.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Wie mag das wohl aussehen, wenn Adam Young alias Owl City seine musikalischen Ergüsse auf die Bühne bringt? Schließlich betreibt er ein klassisches Ein-Mann-Projekt und fast alles, was wir auf den Alben zu hören bekommen, ist auf seinem eigenen Mist gewachsen. Sein Erfolgsrezept ist denkbar einfach: Lockerleichte Synthiepop-Melodien mit hier und da einem eingestreuten Gitarrenriff. Dazu Youngs kindlich klingende Stimme, die zwar einen leicht piepsigen Touch hat, aber doch einschmeichelnd ins Ohr geht und (wahlweise mit oder ohne elektronische Verzerrung) sehr prägnant erklingt. Spätestens seit dem Megahit „Fireflies“ ist der umtriebige junge Mann aus Minnesota damit weltweit bekannt geworden.

Doch stellt er sich nun allein auf die Bühne wie Jean-Michel Jarre und lässt Synthie-Schauer über die Zuschauerköpfe prasseln? Keineswegs. Adam Young bringt eine formidable Liveband mit, die neben der klassischen Rock-Besetzung auch über Violine, Cello und Vibraphon verfügt. So lassen sich die hymnischen Musikstücke astrein umsetzen und das Publikum ist sichtbar begeistert.

Es gibt auch nicht nur eintönige Keyboard-Spielereien. Dass Young Multi-Instrumentalist ist, zeigt er eindrucksvoll mit Songs wie „The Bird And The Worm“ oder „Lonely Lullaby“ und lässt sich da auch mal ausgiebig am Piano und der Akustik-Gitarre aus. „Fireflies“ bekommt eine überaus rockige Eröffnung und zeigt eine ganz neue Perspektive des Songs. Und für „Alligator Sky“, das auf dem aktuellen Album Shawn Crystopher mit Rap-Passagen verfeinert, kommt zwar nicht der Rapper selbst auf die Bühne, er wird aber so lebensecht auf eine durchscheinende, mannshohe Leinwand projiziert, dass man ganz genau hinschauen muss, um das entstandene Hologramm nicht für einen echten Menschen zu halten.

Owl City hat sich von einem schüchternen Musiker, der von Zuhause aus agiert, zu einem selbstbewussten und dynamischen Bühnenperformer entwickelt. Dieses Konzert vor einem wilden, enthusiastischen jungen Publikum beweist, wie gut er und seine Band sein können. Ich war ernsthaft überrascht und habe die DVD erstaunt genossen. Als Bonusmaterial gibt es ein Interview mit dem sympathischen (Lebens-)Künstler, der genauso glückselig und farbenfroh daher kommt, wie seine Studioalben wirken.