Peter Gabriel’s Meisterwerk „So“ in der „Classic Albums“-Reihe

VERÖFFENTLICHUNG» 19.10.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Die neueste Ausgabe der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Serie „Classic Albums“ erzählt die Entstehungsgeschichte von Peter Gabriel’s 1986er Meisterwerk „So“. Es war das fünfte Studioalbum des ehemaligen Genesis-Masterminds und das erste mit einem eigenen Titel. Die vier Vorgänger hießen sämtlich „Peter Gabriel“ (I bis IV). „So“ enthielt mit „Sledgehammer“, „Big Time“, „Don’t Give Up“ (im Duett mit Kate Bush) und „In Your Eyes“ gleich mehrere Hitsingles. Zu „Sledgehammer“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Stephen R. Johnson ein aufwändiges Video gedreht, das 1987 einige MTV Video Awards abräumte und neue Maßstäbe setzte. Ebenso das Video zu „Big Time“, bei dem völlig neue Animationen und Spezialeffekte verwendet wurden. Produziert wurde „So“ von Daniel Lanois, der nur ein Jahr später mit „The Joshua Tree“ von U2 einen weiteren Riesenerfolg landen konnte.

Die jetzt auf DVD und Blu-ray erscheinende „Classic Albums“-Folge zeigt Beiträge vieler Künstler, die an der Entstehung des Albums und der Videos beteiligt waren, aus ihrer heutigen Perspektive. Witzig zu sehen, wie sie sich im Verlaufe der letzten 26 Jahre verändert haben. So kaschiert Daniel Lanois seine schwindende Haarpracht inzwischen mit einer lustigen Wollmütze. Die Arbeiten an „So“ dauerten fast ein Jahr und fanden im Ashcombe House in Somerset statt, einem einsamen Gehöft, „wo die Kühe an den Fenstern leckten“ (O-Ton Gabriel). Nach einem kurzen Rückblick auf die vorhergehenden Alben (mit Klassikern wie „Solsbury Hill“, „Games Without Frontiers“ oder „Biko“) folgt die etwa einstündige Dokumentation über die Geschichte von „So“: Von der Idee über die Entstehung einzelner Songs und Videos bis hin zum Abschluß der Produktionsphase.

Regisseur George Scott hat dafür einige äußerst kurzweilige Interviews geführt. Natürlich mit dem in Würde gealterten Peter Gabriel, mit Daniel Lanois, Toningenieur Kevin Killen, den beteiligten Musikern Jerry Marotta und Manu Katché (beide Drums), Laurie Anderson (Backgroundgesang) oder Bassist Tony Levin. Weiter kommen David Fricke vom Rolling Stone, Gary Gersh (Geffen Records), David Sproxlon und Peter Lord von Aardman Animation (die für das „Sledgehammer“-Video verantwortlich waren) oder Altmeister Wayne Jackson von den Memphis Horns zu Wort, der sich auch heute noch wie ein kleines Kind über die damalige Zusammenarbeit mit Peter Gabriel freuen kann. Der Zuschauer erfährt eine Menge interessanter Details und taucht tief in die teils zähe, teils von einer ganz speziellen Euphorie getragene Fertigstellung von „So“ ein. Eine besondere Rolle spielte dabei übrigens Kate Bush, über die Daniel Lanois sagt: „Sie glich einem Engel und machte es fantastisch“. Das Ganze wird durch Video- oder Liveausschnitte immer wieder schön aufgelockert. Peter Gabriel erklärt sich den Erfolg von „So“ im Nachhinein wie folgt: „Ich glaube, ein Grund warum ‚So‘ so gut wurde war, dass die Band sich immer wieder gegenseitig angefeuert hat. Wir hatten ein grossartiges Sound- und Produktionsteam und alle hielten während des Entstehungsprozesses zusammen“.

Darüberhinaus enthält die DVD noch weitere 30 Minuten an lohnenswertem Bonusmaterial, das in der Fernsehversion nicht zu sehen war. Darin wird speziell die Entwicklung von „Big Time“ beleuchtet und wir lernen unter anderem, wie man seinen Basspart mit an den Fingern festgebundenen Drumsticks spielen kann. Ferner gibt es einen Rückblick auf die beiden Tourneen, die Peter Gabriel im Anschluß an die Veröffentlichung von „So“ mit vielen anderen namhaften Künstlern für Amnesty International absolvierte: „Conspiracy Of Hope“ (1986) und „Human Rights Now!“ (1988). Schließlich sind wir bei dem fast schon irrwitzigen „Making Of Sledgehammer“ dabei und genießen zum krönenden Abschluß nochmal „In Your Eyes“.

Es ist hochspannend zu beobachten, welche Inspiration und mühevolle Kleinarbeit hinter den insgesamt acht Songs auf „So“ steckt und wie innovativ sie auf die Musikszene der späten Achtziger Jahre gewirkt haben. „So“ wurde schließlich zu Peter Gabriel’s bis heute erfolgreichsten Werk. Ein wahres „Classic Album“ eben!