Peter Maffay und TABALUGA präsentieren das Rockmusical „Tabaluga und die Zeichen der Zeit – live“ auf DVD und CD

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Ich habe die aktuelle Tabaluga-Show in Mannheim gesehen und es war schon ein bewegender Augenblick am Ende des Abends, als Peter Maffay auf der Bühne stand und verkündete, was die meisten schon wussten: dass die Ära „Tabaluga“ nun zu Ende ist und es keine weiteren CDs und keine weitere Live-Produktion mehr geben wird. So ist die vorliegende DVD ein Abschiedsgeschenk an die Fans und ein kleiner Trost für alle, die nicht dabei waren.

Und wie hat es damals angefangen? Es war ein gewagter Schritt im Jahr 1983. Gerade erst hatte Maffay den großen Sprung vom Schlagerstar zum ernst zu nehmenden Rocker geschafft, da versuchte er sein Glück mit einem Rockmusical für Kinder. Geboren wurde Tabaluga in den Köpfen der Künstler Peter Maffay, Gregor Rottschalk und Rolf Zuckowski – und der Zeichner Helme Heine gab ihm seine Gestalt. Seit seiner ersten „Reise zur Vernunft“ hat Tabaluga schon drei weitere Abenteuer erlebt und viel über das Leben, die Liebe und das Glück gelernt. 2011 erschien mit „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ das fünfte und letzte Konzeptalbum. Viele deutsche Stars gaben sich im Anschluss die Klinke in die Hand, um bei der Showproduktion mitzuwirken.

Die DVD wurde in der Frankfurter Festhalle aufgezeichnet. Als besondere Stargäste waren bei dieser Show der Graf von Unheilig, Uwe Ochsenknecht (als Kameliendame!) und Laith Al-Deen mit dabei. Eine wundervolle Besetzung. Schade nur, dass man nicht zumindest im Bonusmaterial auf alternative Stargäste wie Tim Bendzko, Julia Neigel und Sissi Perlinger eingeht. Auch das hätten Besucher der jeweiligen Shows sicher gern gesehen.

Sei’s drum. Die Umsetzung der Geschichte zum Thema „Zeit“ ist grandios und ein wahrer Hingucker. Der Inhalt der Story erzählt sich so: Ein kaputter Wecker ist Anlass für den kleinen Drachen, sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Zeit zu machen. Zunächst erfährt er, dass man die Zeit ganz unterschiedlich wahrnehmen kann, abhängig davon, ob man beispielsweise „Alt wie ein Stein“ ist oder eine „Eintagsfliege“. Und die Zeit des Lebens ist endlich, wie ihm der Tod, „Der gutgelaunte Fremde“ (gespielt vom Grafen)  mit seinem ausgelassenen Lied klarmacht. Natürlich mischt sich auch Tabalugas alter Wiedersacher Arktos (wundervoll: Heinz Hoenig) ein, versucht sich als Herr über die Zeit aufzuspielen und zettelt gar eine „Revolution“ zu ihrer Abschaffung an. Dann schmilzt er jedoch fast in der Hitze des Sommers, bevor ausgerechnet Tabaluga ihn rettet, weil er erkennt, dass Arktos wohl immer „Der geliebte Feind“ bleiben wird. Tabaluga begegnet noch den unterschiedlichsten Aspekten der Zeit. Der König der Tiere behauptet „Time Is Money“, und sein Vater erscheint ihm im Traum und gesteht „Ich hatte niemals Zeit für dich“. Schließlich offenbart sich eine Erscheinung in Mädchengestalt als die Zeit, erfüllt Tabaluga seinen Herzenswunsch, noch einmal mit seiner geliebten Lilli (Mandy Capristo) tanzen zu können, und verrät ihm mit „Die Zeit hält nur in Träumen an“ und „Alles im Leben hat seine Zeit“ ihre großen Geheimnisse.

Es ist eine bunte Show, die zur Live-Umsetzung geboten wird. Mit Tänzern, Ballerina, Schauspielern, schrillen Kostümen. Die Rockband steht auf einer Bühne, die vor allem für Massenszenen genutzt wird. Dialog und Interaktion finden aber auf einem Podest in der Mitte und zwei seitlichen Podesten im Zuschauerraum statt. In der erzählenden Rahmenhandlung gibt es wieder Rufus Beck als Magier (zugleich der Regisseur des Stücks) – ein absoluter Hochkaräter. Die Show ist ein Spektakel in einer Mischung aus Musical, Revue und Rockkonzert. Da trägt Maffays formidable Band einiges zu bei. Und die ganz magischen Momente entstehen, wenn der Meister selbst auftritt.

Die besondere Stimmung, die bei der Show in diesen Momenten entsteht, ist auf DVD leider nicht spürbar. Doch darüber hinaus ist die Umsetzung sehr gelungen. Man wird auf viele Details aufmerksam, die man in den großen Hallen nicht erfassen kann. Und es ist definitiv ein Musical für groß und klein. Meine Kinder haben genau so begeistert zugeschaut wie ich.

Die Bonus-DVD könnte umfangreicher sein. Vor allem alternative Aufnahmen anderer Shows hätten mich noch interessiert. Mit einer Doku, einem Tourtagebuch und einem ausführlichen Interview mit Meister Maffay selbst wird man aber bestens informiert. Viele blicken sicher irgendwann wehmütig auf die Zeit zurück, in der man Geschichten für seine Kinder mit der eigenen Vorliebe für Rockmusik geschickt verknüpfen konnte. Zum Glück gibt es die CDs und DVDs zum Immer-wieder-genießen.