Rückkehr nach 44 Jahren: The Rolling Stones „Sweet Summer Sun – Hyde Park Live“

VERÖFFENTLICHUNG» 08.11.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Am 5. Juli 1969 traten die Rolling Stones erstmals im Londoner Hyde Park auf. Das Free Concert vor geschätzt 250.000 Menschen wurde zu einer Gedenkveranstaltung für ihren zwei Tage vorher verstorbenen Gitarristen Brian Jones und zur gleichzeitigen Einführung seines Nachfolgers Mick Taylor. Der wiederum blieb bis 1974 und wurde dann durch Ron Wood ersetzt. Der Rest ist Geschichte. Im vergangenen Jahr feierten die Rolling Stones ihr 50jähriges Bestehen. Höhepunkte der Feierlichkeiten waren das Greatest Hits-Album „Grrr!“ mit „Doom And Gloom“ und „One More Shot“, den ersten neuen Stones-Songs seit 2005, sowie die „50 & Counting“-Tour durch Großbritannien und die USA. Dabei kehrten die Rolling Stones am 6. und 13. Juli 2013 im Rahmen des British-Summer-Time-Festivals nach 44 Jahren auch wieder in den Hyde Park zurück. Ein Zusammenschnitt dieser beiden Konzerte erscheint jetzt unter dem Titel „Sweet Summer Sun – Hyde Park Live“ auf DVD und Blu-Ray.

Insgesamt spielten die Stones an beiden Abenden 24 verschiedene Songs. Achtzehn von ihnen haben es in den Film geschafft. Zu denjenigen, die der Schere zum Opfer gefallen sind, gehören leider auch „Tumbling Dice“ und „Beast Of Burdon“. Aber angesichts des riesigen Backkataloges der Band hat die Tracklist natürlich auch so noch jede Menge Klassiker und das ein oder andere Bonmot zu bieten. Eine Woche vor den Hyde Park-Konzerten feierte das Quartett seine Live-Premiere auf dem Glastonbury-Festival und so beginnt die DVD mit einem kurzen Schwenk über das vermüllte Gelände im Südwesten Englands, Aufnahmen des jungfräulichen Hyde Parks, einer Rückblende auf 1969, um dann schließlich in die Londoner Gegenwart einzutauchen. Und welcher Song wäre besser dafür geeignet ein Rolling Stones-Konzert zu eröffnen als „Start Me Up“?

Mehr als 100.000 Fans verwandeln den Hyde Park in ein Tollhaus. Die überdimensionale Bühne sieht aus wie ein Ensemble knorriger Bäume, mit drei riesigen, in sich nochmals geteilten Leinwänden, auf denen allerlei Animationen zu sehen sind. Mick Jagger’s Frage, wer denn schon beim 69er Konzert dabei gewesen sei, ist wohl scherzhaft gemeint, entbehrt jedoch angesichts so mancher in Ehren ergrauter Mähne im Publikum nicht einer gewissen Berechtigung. Das Set gleicht einer pausenlosen Aneinanderreihung von Hits. Mit dabei sind „It’s Only Rock’n’Roll“, „Ruby Tuesday“, „Doom And Gloom“, „Jumpin‘ Jack Flash“, „Brown Sugar“, „Miss You“, „Satisfaction“ oder „Paint It Black“, um nur einige wenige zu nennen. „Emotional Rescue“ wird in London sogar zum ersten Mal überhaupt live in Europa gespielt. Doch das ist nicht die einzige Überraschung. Bei „Midnight Rambler“ stößt Mick Taylor zu seiner alten Band und legt mit Jagger an der Mundharmonika ein grossartiges Solo hin.

„Midnight Rambler“ dauert alleine über zwölf Minuten und ist nicht nur deshalb der herausragende musikalische Moment auf „Sweet Summer Sun“. Dagegen sind die von Keith Richards gesungenen „You Got The Silver“, „Happy“ und „Before They Make Me Run“ wie immer von eher grenzwertiger Natur. Neben Mick Taylor werden die Stones noch von ihren langjährigen Tourmitgliedern Lisa Fischer (die während „Gimme Shelter“ ihren großen Auftritt hat), Darryl Jones, Chuck Leavell, Bernard Fowler, Bobby Keys und Tim Ries unterstützt sowie von zwei Chören bei „You Can’t Always Get What You Want“. Außer den unbestritten erstklassigen handwerklichen Fähigkeiten aller Beteiligten beeindrucken vor allem Mick Jagger’s Fitness, Energie und einige sehenswerte Wechsel seines Outfits. Rank und schlank wie eh und je tänzelt, rennt und hüpft er über die Bühne, die sich zu „Sympathy For The Devil“ in ein Höllenfeuer verwandelt und zum Finale der Shows jeweils in einem Feuerwerk versinkt.

Die Schnitte auf „Sweet Summer Sun“ sind teilweise etwas hektisch ausgefallen. Damit soll wahrscheinlich eine Dynamik erzeugt werden, die in Wirklichkeit jedoch nur Mick Jagger ausstrahlt, auf den die Kamera dann auch in erster Linie fokussiert ist. Trotzdem ist es Regisseur Paul Dugdale sehr schön gelungen, die ausgelassene Stimmung auf und vor der Bühne einzufangen. Vor „Ruby Tuesday“ werden einzelne Fans sogar in Zeitlupe geehrt und auch sonst erfreulich oft einbezogen. Bei vergleichbaren Veröffentlichungen verkommen sie ja oft zu einer gesichtslosen Masse. Ebenfalls schön sind auch die immer mal wieder eingestreuten Statements der Bandmitglieder, Backstageaufnahmen oder die ausführliche Rückschau auf das Hyde Park-Konzert von 1969 vor „Honky Tonk Women“. Dorthin zurückzukehren war für Keith Richards „wie die Vollendung eines Kreises“. Und tatsächlich beweisen die Rolling Stones auf „Sweet Summer Sun“ einmal mehr, was sie gar nicht mehr beweisen müssten: Sie können auch 50 Jahre nach ihrem allerersten Auftritt im Marquee Club noch so richtig rocken!

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