„The Freddie Mercury Tribute Concert“ erstmals komplett in einer 3-DVD-Box!

VERÖFFENTLICHUNG» 30.08.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Am 24. November 1991 starb Freddie Mercury in London an einer Lungenentzündung. Erst einen Tag zuvor hatte er die Öffentlichkeit darüber informiert, dass er an Aids leide. Zu diesem Zeitpunkt zählten Queen mit ca. 320 Millionen verkaufter Tonträger zu einer der kommerziell erfolgreichsten Bands der Welt. Freddie Mercury’s letztes Vermächtnis hieß „Innuendo“. Knapp fünf Monate nach seinem Tod enterten mit Roger Taylor, Brian May und John Deacon die drei überlebenden Mitglieder von Queen die Bühne des Londoner Wembley Stadions, um mit dem „The Freddie Mercury Tribute Concert For Aids Awareness“ Mercury’s Leben und Werk zu würdigen und gleichzeitig auf die zunehmende Gefahr durch Aids hinzuweisen. Mit den Einnahmen wurde der Mercury Phoenix Trust gegründet, eine gemeinnützige Organisation, die seitdem mehr als 15 Millionen Dollar in die Bekämpfung von Aids investiert hat. Obwohl niemand wußte, wer an diesem 20. April 1992 neben den drei verbliebenen Queen-Mitgliedern noch alles auftreten würde, waren sämtliche 72.000 Karten innerhalb von sechs Stunden ausverkauft.

Das komplette Konzert erschien bereits 1993 als VHS-Video. Eine DVD mit dem Queen-Auftritt folgte 2002. Jetzt sind erstmals beide Hälften des „The Freddie Mercury Tribute Concert“ als Blu-Ray und opulente 3-DVD-Box (inklusive fettem Booklet) erhältlich. Was alle Veröffentlichungen eint ist leider die Tatsache, dass der Song „Innuendo“ – der damals zum einzigen Mal überhaupt von Queen live interpretiert wurde – fehlt. Robert Plant, der dabei Mercury’s Gesangspart übernahm, verweigert bis heute seine Zustimmung zu einer Veröffentlichung, da er glaubt, beim Konzert stimmlich nicht in optimaler Verfassung gewesen zu sein. Weiterhin fehlt auch der Auftritt von Spinal Tap („The Majesty Of Rock“) und der Song „Until The End Of The World“ von U2, der von deren Auftritt in Kalifornien via Satellit übertragen wurde. Schade!

Ansonsten ist und bleibt dieses Konzert in seiner Gesamtheit ein atemberaubendes Spektakel. Es war die Zeit solcher Mammutkonzerte wie Live Aid (1985) oder dem Nelson Mandela Tribute Concert (1988), die uns den ganzen Tag vor dem Fernseher und Videorecorder fesselten. Auch in Wembley fanden sich einige der zu diesem Zeitpunkt größten Musiker ein, darunter Metallica, Extreme, Def Leppard oder Guns’N’Roses. Ihnen allen gehört die erste Disc. Metallica sind darauf mit drei Stücken ihres 1991 erschienenen legendären „Black Album“ vertreten, Extreme mit einem ausschweifenden Queen-Medley oder Guns’N’Roses mit „Paradise City“ und dem Dylan-Klassiker „Knockin‘ On Heaven’s Door“. Axl Rose trägt ein Outfit, das man heutzutage nicht mal mehr im Karneval anziehen würde und Slash war schon damals die coolste Sau der Welt. Zwischendurch liefert Bob Geldof mit „Too Late God“ einen eher skurrilen und unfreiwillig komischen Auftritt ab. Zum Ende hält Elizabeth Taylor noch eine pathetische Rede. Die Live-Sequenzen werden immer wieder von Aufnahmen umrahmt, die Freddie Mercury auf der Bühne oder in Interviews zeigen. Die Stimmung unter den 72.000 Fans ist überschäumend. Es ist extrem beeindruckend, wenn etwa das ganze Stadion im Takt von „Radio Ga Ga“ mitklatscht. Viele schwenken Banner, Fahnen und Schals. Heute undenkbar. Stattdessen hält man lieber sein Smartphone in die Luft.

Als es über London langsam dunkel wird, beginnt der Auftritt von Queen (Disc 2). Jetzt kommt auch die riesige Bühne zur Geltung, über der das Logo des Mercury Phoenix Trust schwebt. Queen werden von zahlreichen ihrer Gäste musikalisch unterstützt. Zum Beispiel von Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi oder Annie Lennox und David Bowie, die im Duett „Under Pressure“ singen und dabei so aussehen, wie man damals eben aussah. Bei „All The Young Dudes“ spielt Bowie Saxophon. Nach „Heroes“ (mit dem inzwischen verstorbenen  Mick Ronson) betet er kniend ein „Vater unser“. Im Stadion kann man eine Stecknadel fallen hören. Außerdem geben sich noch Roger Daltrey, Robert Plant, Paul Young, Lisa Stansfield (die erstmal die Bühne saugt), Elton John und Axl Rose (als Duo bei „Bohemian Rapsody“!), Liza Minnelli (mit einem sehr gewagten Dekolleté) und viele andere Größen die Ehre. Zum Finale des Tages versammeln sie sich zu den Klängen von „God Save The Queen“ noch einmal geschlossen auf der Bühne.

Auf der dritten DVD findet sich dann noch einiges an Bonusmaterial. Zum ersten die „10th Anniversary Documentary“ des Konzertes von 2002 mit zahlreichen Interviews und Aufnahmen der Proben in den Bray Studios. Daraus stammen auch die gleich darauf folgenden Songs „Under Pressure“, „These Are The Days Of Our Lives“ sowie „Somebody To Love“. Abgerundet wird das Ganze durch Informationen zum Mercury Phoenix Trust und zwei Bildergalerien, eine davon mit Fanfotos.

Die insgesamt viereinhalb (!) Stunden Laufzeit der drei DVDs vergehen wie im Flug. Natürlich wurden Bild und Ton nachbearbeitet, wohingegen das DVD-Menü nach wie vor den Charme der 90er Jahre ausstrahlt. Schön so! Es ist allen Beteiligten deutlich anzumerken, wie stolz sie darauf sind, ein Teil dieser gigantischen Kulisse zu Ehren Freddie Mercurys zu sein. Und tatsächlich verliert sich dabei niemand im Größenwahn, sondern alle treten sie einen Schritt zurück, um den Mann und seine Musik zu würdigen, für die sie an diesem Ostermontag zusammengekommen sind. Auch 21 Jahre später entfaltet das „Freddie Mercury Tribute Concert“ noch (s)einen ganz besonderen Zauber. Das Schlußwort gehört David Bowie: „Treffen sich zwei Hellseher auf der Straße. Sagt der eine: Dir geht’s gut. Wie geht’s mir?“. In diesem Sinne: The show must go on!