Udo Lindenberg: „Deutschland im März 2012 – Ein Roadmovie“, Musikfilm und Doku zur Tour

VERÖFFENTLICHUNG» 26.10.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die aktuelle Tour „Ich mach mein Ding“ führte Udo Lindenberg im März 2012 durch die großen Arenen der Republik. Die Show, die dort geboten wurde, war gewaltig: Der Einflug mit einem riesigen Zeppelin, Tänzerinnen und Akrobaten, Gaststars wie Jan Delay, Clueso und Stefan Raab. Udo war in Bestform und gab sich auf der Bühne äußerst locker. Man hatte das Gefühl, dass es keine Rolle für ihn spielte, wie groß die Hallen waren und wie ausufernd die Produktion um ihn herum glänzte. Er machte sein Ding – im wahrsten Sinn – und trat auf der Riesenbühne genau so kumpelhaft und publikumsnah auf, wie er dies vor einer kleinen Fanschar tun würde.

Filmkameras waren überall präsent und schnell verbreitete sich die Kunde, dass der renommierte Dokumentarfilmer Hannes Rossacher einen Musikfilm zur Tour drehte. Dieser kam unter dem Titel „Ein Roadmovie“ für einen einmaligen Aufführungstag in die großen deutschen Kinos und erscheint nun schon im DVD- und BluRay-Format. In 91 Minuten Länge gibt es viel Wissenswertes zur Tour und zum Menschen Udo Lindenberg. Wie gewohnt gibt er selbst nicht viel Privates preis. Die Beziehung zur Fotografin Tine Acke wird nur am Rande erwähnt – doch Schwester Inge Lindenberg trifft zumindest einige Aussagen dazu, mit welcher Genugtuung der momentane Erfolg Udo erfüllt und wie gut es ihm persönlich geht, wenn er im Rampenlicht stehen kann. Wie während der Konzerte spielt auch die Beziehung zu Udos verstorbenem Bruder Erich eine Rolle, dem er den Song „Stark wie zwei“ gewidmet hat.

Überhaupt stehen die Menschen im Vordergrund: Eddi Kante, die Musiker, die Verantwortlichen für Kostüme, Technik, Licht etc. – sie alle spielen in der Doku eine größere Rolle als der Aufwand, der für die Produktion betrieben wird. Das macht Rossachers Herangehensweise sehr sympathisch. In Interviews kommen Weggefährten wie Jan Delay, Peter Maffey und Clueso zu Wort. Ebenso die britische Artistin, die bis zu ihrem Engagement nie von Udo Lindenberg gehört hatte. Und natürlich Josephine Busch, Hauptdarstellerin im Musical „Hinterm Horizont“. In diesem Zusammenhang wird auch Lindenbergs besondere Beziehung zum Osten Deutschlands beleuchtet und seine Fans in Leipzig kommen mit persönlichen Geschichten zu Wort.

Fast jeder Mitwirkende hat seine privaten Anekdoten zu erzählen, die er mit Udo erlebt hat. Stefan Raab beispielsweise, der eine Begebenheit in New York zum Besten gibt. Und damit ist klar: Es wird viel gesprochen im Film. Die lange Liste an Songs wird meist nur angespielt. Wer die Show nicht gesehen hat, wird die Zusammenhänge somit schmerzlich vermissen. Das Gesamtbild fehlt.

Nach 90 Minuten hören wir die neue Single „Das Leben“ und die Doku klingt mit wehmütigen Bildern leise aus. Rossachers Film liefert vor allem ein umfassendes Porträt eines der beeindruckendsten und individuellsten Künstler, die dieses Land je hervorgebracht hat. Der Filmer hat ihn im wahrsten Sinne hautnah verfolgt: Auf der Bühne, hinter der Bühne, bei den Proben, in der Limousine. Ungenutztes Filmmaterial wurde in 30 Minuten Länge als Bonus mit dran gehängt.

Als „Special Fan-Edition“ gibt es eine Ausgabe mit erweitertem Booklet, zusätzlichen Fotos und einer CD mit 5 Live Songs, die während der Tour mitgeschnitten wurden. Was allerdings etwas sauer aufstößt: Bisher ist kein echter Konzert-Mitschnitt der Tour erhältlich. Als im Sommer die auf 51 Minuten gekürzte Version der Doku auf ARTE im Fernsehen lief, war dies mit einem einstündigen Ausschnitt des Köln-Konzerts verknüpft. Eigentlich wäre es eine gute Gelegenheit, zumindest diese Kurzfassung als Bonus dem Dokumentarfilm beizufügen, denn es nervt (ehrlich gesagt) schon, dass die meisten Songs nur angespielt und dann ausgeblendet bzw. durch Gesprächspassagen gestört werden. Auch die fünf Livesongs im Fanpaket sind definitiv zu wenig. Vermutlich wird es also in naher Zukunft eine weitere Konzert-DVD geben. Bis dahin begnüge ich mich mit dem ARTE-Konzert auf Festplatte. Auch okay.

Udo_Lindenberg_Covermotiv_Photocredit_Tine_Acke