Velvet Revolver Live At Rockpalast

VERÖFFENTLICHUNG» 15.06.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Angetreten waren sie als Supergroup. Sie endeten als zerstrittener Haufen. 2002 trafen sich die ehemaligen Guns N’Roses-Mitglieder Slash, Duff McKagan und Matt Sorum bei einem Benefizkonzert für Randy Castillo, den verstorbenen Drummer von Ozzy Osbourne und beschloßen eine neue Band zu gründen. Izzy Stradlin stieg als Gitarrist mit ein, wurde jedoch kurze Zeit später durch Dave Kushner ersetzt. In Scott Weiland fand man schließlich den passenden Leadsänger und einen Bandnamen: Velvet Revolver. Sechs Jahre und zwei Alben später war die Herrlichkeit schon wieder vorbei. Anfang April 2008 verkündete Scott Weiland seinen Abschied und kehrte zu seiner alten Band Stone Temple Pilots zurück. Velvet Revolver liegen seitdem auf Eis, während den Stone Temple Pilots 2010 ein gelungenes Comeback glückte, das dieser Tage übrigens ebenfalls mit einer DVD dokumentiert wird. Doch das ist eine andere Geschichte, die hier erzählt wird…

Kurz vor ihrem Split traten Velvet Revolver am 29. März 2008 im Rahmen der WDR-Rocknacht im Kölner Palladium auf. Dieses Konzert gibt es nun unter dem Titel „Live At Rockpalast“ als separate DVD. Separat deshalb, weil der Gig auch der zeitgleich erscheinenden Blu-Ray „Live In Houston“ als Bonus-Disc beigefügt ist. „Live In Houston“ präsentiert eine Velvet Revolver-Show in Texas von 2005, während der Tour zu ihrem Debütalbum „Contraband“. Wir konzentrieren uns auf Köln. Neben Velvet Revolver spielten bei besagter Rocknacht noch die Jolly Goods, The Futureheads, Good Charlotte sowie The Hives. Der Abend gehört allerdings eindeutig dem Mann mit dem Zylinder und seinen vier (Teilzeit-)Kollegen.

18 Stücke sind es, die sie ihren Fans um die Ohren hauen. Knapp anderthalb Stunden lang dauert das abwechslungsreiche Set aus Velvet Revolver-, Stone Temple Pilots- und Guns N’Roses-Songs. Zum Opener „Let It Roll“ erscheint Scott Weiland betont cool mit Sonnenbrille und beweist von Anfang an, dass er zu den besten Rocksängern seiner Generation gehört. Von Slash erkennt man zunächst nur Haare und wenn er nicht fast ständig eine Zigarette zwischen den Zähnen hätte, wüßte man kaum, wo bei ihm vorne und hinten ist. Erster Höhepunkt ist das Stone Temple Pilots-Cover „Vasoline“. Die Band gibt alles und sprüht nur so vor Spielfreude. Erstaunlich angesichts der damals bereits schwelenden internen Querelen. Das Publikum im nicht ausverkauften Palladium steht dem in nichts nach und liefert sich später bei der grossartigen Version von „Sex Type Thing“ einen minutenlangen Wechselgesang mit Scott Weiland. Um die Reminiszenz an die Stone Temple Pilots komplett zu machen, haben Velvet Revolver erfreulicherweise auch das wunderbare „Interstate Love Song“ im Repertoire. Ansonsten basiert das Set schwerpunktmäßig auf Stücken von „Libertad“, ihrem zweiten (und letzten) Album von 2007. Besonders gefeiert werden natürlich auch die Guns N’Roses-Nummern „Patience“, „It’s So Easy“ und „Mr. Brownstone“. Slash zieht alle Register und bearbeitet sein Instrument mal hinter dem Kopf, im Sitzen oder auf den Knien, während Weiland mit seinem geliebten Megaphon herumfuchtelt. „Slither“ bildet den fulminanten Schlußpunkt des in allen Belangen überzeugenden Auftritts.

WDR-Legende Peter Sommer hat all dies stimmungsvoll in Szene gesetzt. Bild und Ton sind vom Feinsten. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man weiß, dass gerade der erste Teil des Konzertes damals im Palladium in einem wahren Soundbrei ertrank. Abzüge gibt es für das Fehlen jeglichen Bonusmaterials. Im Booklet kann man immerhin eine etwas längere Lobpreisung des englischen Musikjournalisten Malcolm Dome nachlesen, garniert mit ein paar Fotos. Ich persönlich würde euch gleich zum Kauf der bereits erwähnten Blu-Ray raten, da diese doch einen gewissen Mehrwert verspricht, auch wenn eingefleischte Fans die „Live In Houston“-Show bereits im Regal stehen haben dürften. Die gab es nämlich vor zwei Jahren auch schon mal als DVD, weshalb die Kritik aus Fankreisen an dieser doppelten Abkassier-Strategie durchaus gerechtfertigt ist. Trotz allem darf man es am Ende bedauern, dass Velvet Revolver nicht mehr existieren. Ich empfand die Band allerdings schon immer eher als reines Kunstprodukt, wenn auch als ein schönes, wie „Live At Rockpalast“ bestätigt. Die beiden Rampensäue bleiben uns ja trotzdem jede für sich erhalten. Weiland mit den Stone Temple Pilots und Slash solo mit wechselnder Begleitung. Zu mehr als fünf gemeinsamen Jahren bei Velvet Revolver hat es für die zwei Egomanen halt nicht gereicht.