Herzlichen Glückwunsch vorträglich, Callejon

In zwanzig Jahren kann eine Menge passieren. Regierungen können stürzen, Weltbilder können sich grundlegend ändern, eine Generation löst die vorherige ab. In der Musikwelt aber sind zwanzig Jahre so etwas wie ein komplettes Zeitalter, eine schiere Ewigkeit. Vielleicht erscheint es einem deshalb so, als wären CALLEJON, die 2022 ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern, einfach immer schon da gewesen – mindestens aber, seitdem irgendjemand in Deutschland eine Idee davon hatte, was man sich eigentlich unter dem Begriff ‘Metalcore’ vorstellen kann. Ironie des Schicksals also, dass sich die Band um die beiden Gründungsmitglieder Bastian ‘BastiBasti’ Sobtzick und Bernhard ‘Action’ Horn quasi von Beginn an den Konventionen dieses jungen Genres entzogen hat, um es gerade dadurch entscheidend mitzuprägen.

CALLEJONs selbstgeschaffene Nische des Screamometal mit deutschsprachigen statt englischen Texten, ironisch-augenzwinkerndem Auftreten statt verkrampfter Attitüden-Pose und quietschbunten Comic-Style-Artworks aus der Feder BastiBastis eckte eigentlich fast überall an – wodurch die Band schon früh einige Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Furore in der Szene kochte so richtig hoch, als mit ‘Snake Mountain’ CALLEJONs erste Bandhymne die Tanzflächen der deutschen Metaldiscos aufmischte und damit den darin besungenen Masters of the Universe ein furioses, wahnwitzig-ironisch-metallisches Denkmal setzte. Die Entwicklung der Band von hier an, d.h. der Eintritt in den Major-Musikzirkus, die zahlreichen Top-Ten-Platzierungen, die ausverkauften Shows und Touren, die Neuerfindung des Crossover und die weltenumspannende kreative Reise der ständigen künstlerischen Rekalibrierung, ist dann (Musik)Geschichte.

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