„Die Besucher haben uns mit ihrem Feedback echt überrascht. Es hat uns einfach unseren Verstand weggeblasen. Es bestärkt uns in unserer Sache.“ – Interview mit der isländischen Prog-Rockband Agent Fresco

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Eines der besten Gefühle ist es, wenn man ein Festival besucht und von einer noch unbekannten Band einfach begeistert ist. Am ersten Abend des Euroblast Festivals gab es einen dieser Momente. Eine Gruppe namens Agent Fresco spielte laute und leise Gitarren-Töne, umgeben von atmosphärischen Pianos und Akustik-Elementen. Alle diese Eigenschaften wurden kombiniert mit einer sehr gelungen Live-Show. Diese Musiker aus dem mir fast unbekannten Island, werden fern ab der Acht-Saiter Gitarren, eine neue musikalische Bereicherung für mich. Ich möchte mehr über diese Band erfahren.

Am folgenden Tag sitzen mir vier entspannte Jungs gegenüber mit einem Blick in den Augen, als wären sie einem unbegreiflichen Traum gefangen. Wenn man sie auf diesen glückseligen Gesichtsausdruck anspricht und warum sie glücklich wirken, antwortet sie nur: „Es geht uns zurzeit einfach fantastisch. Es könnte uns kaum besser gehen. Wir hatten gestern eine gute Show im Underground und haben sehr viel positives Feedback bekommen, das wirkt alles noch in uns nach. Wir müssen die positiven Erlebnisse auf diesem Festival noch richtig verarbeiten.“ Noch begeisterter wird dann erzählt, wie es dazu kam, ein Teil eines Djent-Festivals zu werden. „Das ist eine lustige Geschichte. Eine Freundin unserer jetzigen Mangererin Nila hat uns auf unserer letzten Europa-Tour im MTC in Köln gesehen. Sie fand uns gut und wollte uns für andere Shows weiterempfehlen. Dann haben gestern Abend einige Künstler abgesagt und so konnten wir die Möglichkeiten nutzen, hier zu spielen. Wir konnten diese Chance nur wahrnehmen.“ Auf die Frage, ob sie sich denn schon paar Bands angesehen hat, klatscht Sänger Arnór Dan Arnarson nur auf den Tisch und antwortet: „Natürlich haben wir uns schon Bands angeschaut. Und wir werden gleich wieder gespannt anderen Künstlern lauschen. In solchen Dingen sind wir wie Teenager, die zum ersten Mal ein Festival besuchen. Wir wollen so viele Eindrücke wie möglich sammeln. Du musst verstehen, in unser Heimat in Island gibt es solche Shows leider nicht mit diesem Rahmenbedingungen. Dieses Festival ist das Beste seit unserer letzten Tour.“

Agent+Fresco+l

In der Frage nach ihrer musikalischen Heimat wirken alle ziemlich stolz. „Du musst wissen, in Island leben nicht mehr als 300.000 Menschen und dennoch herrscht dort eine rege Musiklandschaft von Metal, Hardcore, Jazz, Rock und Vielem mehr. Man kann mit unserem Land auch mehr verbinden als nur weiße Schneewüsten und Eisberge. Auch in unserer Heimatstadt gibt es eine große Musikszene. Warum weiß ich allerdings nicht, aber es ist schon beeindruckend.“ Ob sie denn ein Teil dieser Szene sein wollen, antwortet Agent Fresco ziemlich gelassen: „Unsere Liebe zur Musik haben wir auch für uns alleine. Das Wichtigste für uns ist, dass wir uns für unsere Sache interessieren und daran arbeiten.“ Über die Zukunft sind sich die sympathischen Herren auch schon gewiss, wenn man sie fragt, an welchen Sachen sie gerade arbeiten. „Wir versuchen wieder ein paar Shows zu spielen, und dann weiter an unserem Album zu schreiben. Wir haben auch Ideen für ein neues Video. Also haltet die Ohren und Augen offen.“ Ehe ich zu Ende formulieren konnte, ob sie noch etwas sagen möchten, schießt es sofort heraus: „Danke an Nila, an das freundliche und immer hilfsbereite Team vom Euroblast und allen, die dieses Festival möglich gemacht haben. Wir haben diesen Menschen so viel zu verdanken. Die Besucher haben uns mit ihrem Feedback echt überrascht. Es hat uns einfach unseren Verstand weggeblasen. Es bestärkt uns in unserer Sache.“

Eine Band aus einem fernen und doch so nahen Land verabschiedet sich freundlich. Sie gibt zu denken, warum Musik überall auf der Welt als kultureller Bindepunkte, egal welcher Nation, stehen kann. Auch wenn auf der nächsten Show keine Besucher aus 34 Nationen anwesend sind, so kann Agent Fresco sich gewiss erhoffen, diese Menschen in anderen Städten als Fans ihrer Show wiederzusehen.