Hahaha, du sagst, wir schicken die Leute schlafen? – Interview mit James Monteith von Tesseract

tesseract
DATUM» 13.11.2012
ARTIST»

Progressive Komponisten haben es im Jahre 2012 nicht leicht. Musik muss einfach und leicht sein, um im Idealfall in die graue Masse zu passen. Wer trotzdem auf eigenständigem Klang steht, muss damit rechnen, kaum Erfolg zu haben. Heute redet Gitarrist James Monteith mit mir über seine Band Tesseract. Dieses britische Ensemble hat in den letzten Jahren ihrer Schaffensphase viel Aufmerksamkeit auf sich lenken können. Durch beeindruckende Live-Shows und stetige Arbeit an ihrer Musik schafften sie den Sprung auf größere Bühnen. Ihr letztes Album „One“ und ihre EP „Perspective“ wurden von der Presse hochgelobt und waren auch für mich ein bemerkenswertes Stück an Rockmusik.

james

Bei Tesseract wird die in sich gekehrte Klangwelt musikalisch festgehalten und dann erst für andere Menschen zugänglich gemacht. Erfolg steht nicht im Mittelpunkt. Diese Band gibt sich bodenständig und ehrlich, wie ihre Musik selbst. Wir können uns auf ihr kommendes Release 2013 nur freuen.

Wir haben uns auf dem Euroblast Festival in Köln endlich mal persönlich kennengelernt. Wie hast du das Festival denn wahrgenommen?

Ich hatte selten so viel Spaß. Es waren so viele Freunde und gute Bands dort. Wir sehen diese Menschen leider selten. Viele Besucher sprachen dort von einer einzigartigen Atmosphäre und James kann dies nur unterstützen (Anm.d.Red.). Es gibt nirgendwo ein Festival wie das Euroblast Festival. Wenn man überlegt, wie viele internationale hochtalentierte Musiker für andere, auch von fern gereisten Menschen spielen, kann ich eigentlich nur staunen. Es ist halt wie ein großes Familientreffen.


Wie fandest du die Workshops? Viele Besucher haben ja die Chance genutzt, ihre Lieblingsmusiker persönlich zu treffen. Ein Austausch über Sounds und Gitarren kann ja eigentlich keinem schaden. Hast du dich mit anderen Musikern ausgetauscht?

Yeah, das war Klasse. Ich habe mit dem Gitarristen von Scar Symmetry über Gitarren und dergleichen gesprochen. Das ist wirklich ein talentierter Mann. Aber auch mein Gespräch mit den Jungs von Chimp Spanner über ihre neuen Sieben Saiter-Gitarren war echt informativ. Ich musste sie fragen, wie sie diesen Sound hinbekommen. Leider konnten wir nicht alle am Workshop teilnehmen. Es gibt diesem Festival auf jeden Fall seine eigene Note.

Deine Band war das Highlight am letzten Festivaltag. Ihr investiert doch viel Zeit in eure Live-Präsenz, oder?

Unsere Live-Performance ist sehr fließend, da wir schon seit einer langen Zeit zusammen spielen. Wir haben kein Programm für unsere Shows. Wir spielen und genießen es. Wir finden immer wieder Fehler bei uns, aber wir versuchen trotzdem immer unser Bestes. Unser Sänger hat sich in seiner Wohnung eine Gesangskabine gebaut. Er übt wirklich sehr oft unsere neuen und alten Sachen. Wir sind wirklich glücklich, so eine engagierte Person bei uns zu haben.

Dann erzähl uns doch mal, wie ihr auf euren neuen Sänger gestoßen seid.

Ashe spielt in einer Band namens Voices From The Fuselage. Sie haben Acle, unseren anderen Gitarristen gefragt, ob er ihr Album aufnehmen könnte. Als wir dann unsere Suche starteten, kam Ashe direkt auf uns zu. Wir waren gespannt, ob das mit ihm klappen könnte und so gaben wir ihm eine Chance. Er sang für uns ein paar Songs ein und es hat uns wirklich weggehauen. Wir luden ihn darauf in unseren Proberaum ein und er war wirklich großartig.

Seine Stimme passt zu der sehr warmen und milden Musik. Es klingt teilweise, als würde man in einem Traum feststecken, aus dem keiner Aufwachen möchte.

Hahaha, du sagst, wir schicken die Leute schlafen? Ich würde sagen, wie haben definitiv einen Fokus auf unseren atmosphärischen Sound, den wir aber mit harten, melodischen Elementen mischen.

Aber wir können uns einigen, dass eure Musik eine sehr schützende, gefühlsbetonte Stimmung vermittelt! Wie genau schreibt ihr denn euer Material? Ich würde vermuten, dass ihr euch sehr zurückzieht, um diese Gefühle in euren Liedern miteinfließen lassen zu können.

Ein Großteil der Ideen schreib Acle in seinem Schlafzimmer. Es ist für ihn wie eine Ideen-Fabrik für seine Riffs. Haben die Songs dann eine Struktur, werden sie auf seinem Computer festgehalten und wir jammen sie dann im Proberaum fertig.

Ihr arbeitet doch gerade an eurem neuen Album, oder? Was steht denn sonst so jetzt in nächster Zeit an? Eine ausführliche Tour denke ich, würde viele Fans erfreuen.

Wir arbeiten akribisch an unserer neuen CD, die wir hoffentlich bis zum Ende des Jahres fertig geschrieben haben und damit nächstes Jahr veröffentlicht können. Zuerst müssen wir noch unsere England-Tour mit Devin Townsend und Fear Factory bestreiten. Das klingt nach Arbeit und das wissen wir auch. Wenn unser Album raus ist, kommen wir auch wieder nach Deutschland. Dann musst du auch kommen und mit mir Currywurst essen. Verdammt leckeres Zeug!

Bei Tesseract wird die in sich gekehrte Klangwelt musikalisch festgehalten und dann erst für andere Menschen zugänglich gemacht. Erfolg steht nicht im Mittelpunkt. Tesseract geben sich bodenständig und ehrlich, wie ihre Musik selbst. Wir können uns auf ihr kommendes Release 2013 nur freuen.