Das erste Mal mit Band – Mickie Krause über seine Karriere, seine Auftritte im Kölner Luxor sowie über Schlampen und Miststücke aller Art

Mickie Krause
DATUM» 28.01.2013
ARTIST»

Ein kleiner Konzertraum. Mehrere Musiker sitzen auf der noch kleineren Bühne, jammen und probieren Intros für die morgige Show aus. Auf einmal hört man einen kurzhaarigen Mann mit sehr bekannter Stimme singen: „Reiß die Hütte ab, reiß die Hütte ab.“ Dann eine andere Stimme, die ihn unterbricht: „Mickie, wir machen jetzt das Interview!“. Schnell verschwindet der Mann mit den kurzen Haaren hinter der Bühne – und kommt zurück als Mickie Krause, seines Zeichens Sänger bekannter Hits wie „10 nackte Friseusen“ oder „Schatzi, schenk mir ein Foto“. Im Rahmen seiner beiden Konzerte mit Live-Band in Köln hatte Musicheadquarter-Redakteur Marc Brüser die Möglichkeit für ein Interview mit dem Schlager-Star.

Hallo Mickie, morgen trittst du zum ersten Mal nach zwei Jahrzehnten wieder mit Band auf. Wie hast du dich auf diese beiden Konzerte vorbereitet?

Mickie: Ich komme eigentlich aus dem Band-Business, habe selbst in den frühen 90ern viel mit meiner Band getourt. Das ging in Richtung wie „Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe“. Wir haben damals schon Schlager gemacht. Ich hatte da noch extrem lange Haare, viel länger als jetzt. Man kennt mich jetzt nur noch als „Mickie Krause, 45 Minuten Halbplayback“. Jetzt lassen wir die alte Zeit noch einmal aufleben.

Ist da eine gewisse Nervosität nach so einer langen Zeit zu spüren?

Mickie:  Nervosität keine, aber jede Menge Vorfreude und Tatendrang.

In welche Richtung wird die Setlist bei den beiden Konzerten gehen? Wirst du mehr von deinem letzten Album „Eins.Plus.Wie.Immer“ spielen oder wird es mehr ein Best-of von all deinen Platten?

Mickie:  Wir machen in erster Linie ein Best-of Set. Es werden auch sicherlich einige Songs vom letzten Album gespielt werden. Aber ich bin nicht so einer der denkt, man müsse extra viel Neues spielen, um noch ein letztes Mal die Verkäufe zu pushen.

Wie kam die Idee zu einem Konzert mit Liveband zu Stande?

Mickie:  Ich bin mit Bands wie U2 oder Simple Minds aufgewachsen. Das ist Musik, die ich auch heute noch höre. Das heißt, ich komme aus der Rockmusik und wollte dieses Gefühl auch einmal mit Band haben. Dementsprechend werden meine Songs auch rockiger interpretiert werden.

Das Luxor ist eine sehr kleine Location. Wie kamst du auf das Luxor und Köln als Austragungsort?

Mickie:  Für das Luxor spricht, a) die kompakte Location und b) dass drei meiner Mitmusiker aus Köln kommen. Da haben wir Hotelkosten gespart und können das Geld nachher an der Bar versaufen. Ich kenne den Laden schon als Guildo Horn hier gespielt hat, als Atze Schröder hier auf Tour war. Deshalb habe ich gesagt, dass wir ins Luxor müssen. Hinzu kommt noch, dass meine Plattenfirma, die EMI, hier in Köln ist. Das passt einfach alles.

Apropos Köln: Ich habe dich letztes Jahr bei „Köln feiert“ gesehen. Ich fand die Aussage zu Gina Lisa Lohfink sehr unterhaltsam. Diese lautete doch so: „Es gibt Miststücke und es gibt Schlampen.“

Mickie:  Richtig.

Und Gina Lisa ist ein Miststück, weil…

Mickie: Nenenene, das ist ne Schlampe. Weil Miststücke schlafen mit jedem, nur nicht mit mir.

Oh, dann habe ich das falsch interpretiert. Entschuldigung

(Eine peinliche Stille macht sich breit. Nach Sekunden der Ruhe versucht der Redakteur auf ein anderes Thema hinzuleiten, doch bekommt nur den folgenden Satz heraus:)

Ja Mensch, da kann der Boateng bestimmt auch ein Lied von singen.

Mickie: Mit Sicherheit, wenn nicht sogar zwei.

Vielleicht war er deshalb auch so schlecht bei der EM. Dein letztes Album „Eins.Plus.Wie.Immer“ ist deine erfolgreichste LP. Kann man sagen, dass du momentan an der Spitze deiner Karriere bist?

Mickie: Was die Chatplatzierung angeht, war „Eins.Plus.Wie.Immer“ das bisher erfolgreichste Album. Wir sind glaub ich auf 30 in den Charts eingestiegen. Als Party-/Stimmungs-/Ballermannsänger so eine Platzierung zu erreichen, war wirklich fett. Man merkt das auch an der steigenden Anzahl an Jobs: Wir haben jetzt schon so um die 150 Aufträge, letztes Jahr waren wir nur bei circa 100 Stück. Aber hey, ich bin momentan sehr, sehr kompatibel. Ich bin drei Mal in Folge beim Silbereisen aufgetreten. Jetzt kennen mich auf einmal auch die Omis und Opis, die kaufen sogar noch CDs.

Hat sich das auf deinen Konzerten bemerkbar gemacht?

Mickie: Ja, der Altersdurchschnitt ist in die Höhe geschnellt. Das Durchschnittsalter ist jetzt immer so bei 35 Jahren, früher waren da viel mehr 15-jährige.

Wie kam das denn mit Florian Silbereisen zu Stande? Hat die ARD bei dir angefragt oder wolltest du das von selbst tun?

Mickie: Ich habe Florian Silbereisen zum ersten Mal Ende 2010 auf einer Veranstaltung in Hintertux getroffen. Er wollte dort feiern, ich hatte da einen Auftritt. Irgendwie kamen wir ins Gespräch. Da habe ich ihm die „Schatzi“-Nummer in die Hand gedrückt und meinte: „Wir sehen uns 2011. Das Ding wird ein Kracher.“

Zu der „Schatzi“-Nummer: Deine Lieder werden ja meistens von anderen Musikern komponiert. „Schatzi, schenk mir ein Foto“ wurde ja auch von den Herren Koopmann geschrieben. Inwiefern bist du bei der Songauswahl mit involviert?

Mickie: Also, ich entscheide welchen Song ich singe. Ich muss ja auch schließlich mit dem Song auf die Bühne. Das war auch mal anders, da hat die Plattenfirma versucht mir die Songs vorzugeben, hat dann aber nicht besonders gut geklappt. Die Schatzi-Nummer habe ich zum Beispiel bei meinem eigenen Schützenfest vor drei Jahren entdeckt. Da lief auf einmal dieser Song und 300 Leute nahmen einen  Stuhl in die Hand und tanzten zum Original aus den Niederlanden. Da habe ich direkt bei meiner Plattenfirma angerufen und gesagt, dass wir die Nummer machen müssen. Anschließend habe ich mit meinem Kumpel Amaretto den deutschen Text geschrieben. Der Rest ist Geschichte.

Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Ein großer Dank geht auch an Angel Schrödter von Prime Entertainment, der uns dieses Interview ermöglicht hat.