„Dieser Mensch ist auf jeden Fall nicht richtig im Kopf!“ – Papa Roach-Gitarrist Jerry Horton im Interview

Papa Roach Fotos am 27.11.2013 im E-Werk, Köln
DATUM» 27.11.2013
ARTIST»

Kaum zu glauben, aber wahr. Papa Roach feiern 2013 ihr 20-jähriges Bestehen. Grund genug für eine kleine Unterhaltung mit den Schabenvätern vor ihrem Auftritt in Köln. Gitarrist Jerry Horton gab MHQ-Redakteur Marc Brüser Auskunft über die Entwicklung der Band, Ex-Member Dave Buckner und über einen Menschen, der es nicht verdient hat, an dieser Stelle genannt zu werden.

Jerry Horton

Jerry, wie geht’s dir? Ihr hattet gerade ein Meet and Greet oder?

Jerry: Ja, ein paar Kids haben mit uns Fotos gemacht, sich mit uns unterhalten. Das Übliche, was man halt so bei Meets & Greets macht.

Ich habe auf deiner Seite gesehen, dass du ein leidenschaftlicher Fotograf bist. Warst du heute schon unterwegs?

Jerry: Nicht heute, aber gestern. Köln bietet ja ein paar ganz schöne Spots zum Fotografieren, wie etwa den Dom. Wir waren ja auch schon sechs oder sieben Mal hier und kennen die Stadt ein wenig. Wir gehen zum Beispiel immer zu einem Thailänder essen. Der Laden heißt „Thai Haus“ und ist echt super.

Euer Sound hat sich im Laufe der Jahre mehrfach geändert. „Infest“ und „The Connection“ kann man meiner Meinung nach schwer bis gar nicht mehr vergleichen. Welches Album würdest du Leuten empfehlen, die vorher noch nie etwas von Papa Roach gehört haben? Sofern es solche Leute überhaupt noch gibt…

Jerry: Puh…gute Frage. Ich würde ihnen glaube ich am ehesten „Getting Away With Murder“ nahelegen, weil es in unserer Diskographie jetzt ungefähr in der Mitte liegt. Das Album war auch der erste richtige Stilbruch der Band. „Infest“ war ja das Album, was jeder absolut geliebt hat. Es zeigt aber einfach nicht wer wir sind, zumindest jetzt nicht mehr.

Nervt es dich sehr, dass bei jedem Album-Release direkt der Vergleich zu „Infest“ gezogen wird?

Jerry: Das machen die Leute halt, da kann man leider auch nichts dran ändern. Wir haben uns damit arrangiert, mehr aber auch nicht.

Wenn wir gerade schon über die Vergangenheit sprechen: Seid ihr immer noch in Kontakt mit eurem ehemaligen Drummer Dave Buckner?

Jerry: Wir hatten einen Auftritt auf einem Festival in Sacramento im August und er hat mit uns dort „Last Resort“ gespielt. Ich bin wirklich froh, dass es ihm wieder etwas besser geht. Vor allem hat er ordentlich Gewicht verloren, was wirklich gut für seine Gesundheit ist.

War das auch ein Grund, warum er die Band nach eurem vierten Album „The Paramour Session“ verlassen hat?

Jerry: Das war in erster Linie wegen seines starken Drogenproblems. Manche können den Konsum kontrollieren, er war definitiv dazu nicht in der Lage. Dauernd gab es Diskussionen und er war durchgehend beschissen drauf. Die Situation hat die Band gerade in der Zeit sehr belastet. Ich denke, es war für alle Beteiligten das Beste, dass Dave ausgestiegen ist, besonders für ihn.

Du bist ja das beste Beispiel dafür, dass es auch anders gehen kann. Du hast selbst „Straight Edge“ (Verzicht auf Drogen jeglicher Art sowie das Essen von Tieren und der Zunahme tierischer Produkte, Anm.d.Red.) als Lebensstil gewählt.

Jerry: Ja, ich behalte das normalerweise auch für mich, aber du hast recht.

Die nächste Frage betrifft Papa Roach eigentlich gar nicht, wenn du keinen Bock hast, musst du hierauf auch nicht antworten. Ian Watkins, Sänger der Band „Lostprophets“ gab heute vor Gericht zu, sexuelle Handlungen mit mehreren Minderjährigen gehabt zu haben. Außerdem gestand er ebenfalls, dass er versucht hat ein elf Monate altes Baby zu vergewaltigen. Lostprophets und Papa Roach sind ungefähr zur selben Zeit bekannt geworden, haben auch auf einigen Festivals zusammen gespielt. Kanntest du Ian gut und was für einen Eindruck hat er damals auf dich gemacht?

Jerry: Es ist einfach traurig, so etwas zu hören. Dieser Mensch ist auf jeden Fall nicht richtig im Kopf! Ich werde nie verstehen, wie jemand so etwas Ekelhaftes auch nur versuchen konnte. Wir haben nie eine Tour mit ihnen gespielt, ich habe ihn einmal auf einem Festival getroffen. Die anderen könnten dir bestimmt mehr darüber erzählen. Ehrlich gesagt bin ich auch nicht so der Typ, der mit Leuten nach Shows gerne rumhängt, ich habe dann immer lieber meine Ruhe (lacht).

Als Interview-Partner hast du dich gut geschlagen. Vielen Dank für die Zeit!

Ein weiterer Dank geht an Peter Klapproth von Pirate Smile, der uns dieses Interview ermöglicht hat.