Interview mit Young Rebel Set in Hamburg

Young Rebel Set
DATUM» 10.03.2012
ARTIST»
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Seit dem Release ihres Debütalbums „Curse Our Love“ im Mai 2011 tourt die derzeit fünfköpfige britische Band Young Rebel Set unaufhörlich durch Europa. Im Rahmen ihrer Deutschlandkonzerte hatte Musicheadquarter-Redakteurin Bettina Zimmermann die Gelegenheit ein ausführliches Interview mit der Band zu führen.

Zuallererst einmal ein herzliches „Willkommen in Hamburg“! Nachdem ich bereits vier Shows von Euch gesehen habe – die erste war das Dachgartenkonzert in Hamburg in 2010 mit dem Support von Thees Ullmann, die letzte der bemerkenswerte Auftritt auf dem Hurricane Festival 2011 – freue ich mich heute die Gelegenheit zu bekommen, ein wenig mehr über Young Rebel Set zu erfahren. Im Internet habe ich kürzlich ein Foto von Euch entdeckt, erzählt Ihr uns etwas über den Hintergrund dieses Events? Ich glaube das war der Tag vor dem Dachgartenkonzert in Hamburg.

Young Rebel Set Fußballmannschaft Hamburg

Alles begann in einer feuchtfröhlichen Nacht zusammen mit Thees. Wir sagten nur, dass die Premier League besser sei als die Bundesliga. Also forderte er uns zum Duell heraus, eine Schlacht zwischen Gut und Böse, ein Kampf zwischen dem Löwen und einem Thunfisch – YRS vs. GHvC (Grand Hotel van Cleef). Am selben Tag war gleichzeitig auch das Release unserer EP und das Konzert auf dem Dachgarten (Bunker Feldstraße, Hamburg; Anmerkung der Redaktion).

Könntet Ihr kurz einmal zusammenfassen, wie die Geschichte des „Entdeckt-werdens“ (durch Thees Ullmann) verlief und warum Ihr gerade zu einem deutschen Label gegangen seid?

Ein Schweizer Promoter namens Martin kontaktierte uns, um uns für ein paar Shows in der Schweiz zu buchen. Er schickte unsere Musik auch an GHvC, schon innerhalb weniger Wochen kam Thees nach England zu einer Show von uns, um das Interesse des Labels zu bekunden, die Band unter Vertrag zu nehmen.

Ihr kommt alle aus Stockton-on-Tees aus dem Nord-Osten Englands. Die Deutschen wissen im Grunde kaum etwas über diese Stadt, wie würdet Ihr Eure Heimatstadt beschreiben? Hat Eure regionale Herkunft die Musik in irgendeiner Art beeinflusst?

Stockton-on-Tees ist eine kleine Stadt mit einer Mentalität der Arbeiterklasse. 50% der Menschen hier leben Tag für Tag ein redliches Leben und die anderen 50% versuchen genug Geld zu machen, um weg gehen zu können. Ich glaube nicht, dass unsere Musik direkt davon beeinflusst wird, wo wir her kommen, wir schreiben nur davon, was in unserem Leben so passiert und nicht gezwungener Maßen darüber, wo wir gerade sind…

Matt war zunächst als Solo-Musiker unterwegs, wie kam es schließlich zu der heutigen Bandkonstellation?

Wir alle sind schon davor mit anderen Bands auf Tour gewesen und kannten uns von Parties rund um unsere Stadt. Als Matts alte Band sich trennte, fragte er uns, ob wir einige Shows mit ihm spielen würden, dann begannen wir zusammen Songs zu schreiben, und so fing alles an.

Young Rebel Set Live Foto

Welches war die eigentliche Idee bei der Auswahl des Bandnamens? Wo finden wir die Rebellion, auf die sich Euer Name bezieht?

Wir haben versucht ein wenig ironisch zu sein, als wir ihn uns ausgedacht haben, da uns in unserer Kindheit immer nachgesagt wurde, dass wir Rebellen seien. Aber ich glaube, dass das nicht mehr so rüber kommt, da die meisten von uns schon in den Mitt- bis Endzwanzigern sind.

Seid Ihr eigentlich alle Autodidakten oder hattet ihr zuvor eine musikalische Ausbildung? Und ist es wahr, dass Mark für Euren ersten live Gig einige Instrumente innerhalb einer Woche lernen musste?

Mark musste für unsere erste Show innerhalb von fünf Tagen Mandoline spielen lernen, da wir dachten, dass dies für ein paar Songs ein schönes Instrument sein würde. So eine richtige musikalische Ausbildung hat keiner von uns, in der Hauptsache haben wir alles durch ausprobieren gelernt, wir spielten die Songs die wir damals als Kinder hörten.

Wo sind Eure musikalischen Wurzeln, hattet ihr musikalische Vorbilder in Eurer Kindheit?

Ich glaube wir alle schauen auf zu großen musikalischen Idolen wie Lennon, Dylan, Cash usw., aber das ist nicht unbedingt das, was wir früher gehört haben und womit wir aufgewachsen sind. Als kleiner Junge, der in England aufwächst musst du auf Bands wie Oasis, The Verve usw. stehen, aber jeder von uns wurde auch durch die Musik beeinflusst, die unsere Eltern hörten wie Motown, Rock, Pop – also von vielen unterschiedlichen Stilrichtungen.

Wie würdet Ihr Euren Musikstil beschreiben, wenn man mal auf den vom NME Magazin erfundenen Ausdruck „Arbeiter-Folk“ Bezug nimmt?

Die Medien und die Presse lieben es, solche Ausdrücke zu prägen, aber sie bedeuten uns gar nichts. Wir machen einfach die Musik, die wir mögen und denken nicht über das Genre nach, in welches sie reinpasst.

Die Deutsche Presse bezeichnet Matt als Reinkarnation von Shane McGowan, was denkt Ihr über diesen Vergleich?

Glücklicherweise ist Shane MacGowan noch nicht tot, folglich wird es schwer für Matty, als er wiedergeboren zu werden. Aber ich denke da gibt es diesen Ruf der raustimmigen und Folk- beeinflussten britischen Frontmänner, weshalb diese Vergleiche zu Künstlern wie Shane MacGowan angestellt werden.

Young Rebel Set Live

In Eurer Musik sind viele Einflüsse von Bands wie Bob Dylan, The Pogues, Dire Straits, Bruce Springsteen, The Clash usw. spürbar. Wenn Ihr nur einen einzigen Song geschrieben haben könntet, welcher Eure Musik am meisten beeinflusst hat, welcher Song wäre das und warum?

„The River“ von Bruce Springsteen. Es ist so ein emotionaler, herzlicher und auch ein richtiger Lovesong mit einer wunderschönen Melodie, die dir im Kopf hängen bleibt. Ein echter Klassiker.

In Eurer ersten Single „If I Was“ singt Ihr über Dinge, die Ihr für ein Mädchen tun würdet. Seid Ihr Jungs richtige Romantiker?

Wir versuchen es, aber ich glaube nicht, dass wir sehr gut darin sind. Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum wir alle so viele Ex-Freundinnen haben.

Welche weitere Botschaft transportiert Eure Musik, mal abgesehen von Liebe, alltäglichem gesellschaftlichen Unglück z.B. dem Leben im Allgemeinen?

Wir schreiben über das, was wir wissen, dass missglückte Liebe vorkommt, ein besseres Leben anzustreben, nicht genug Geld zu haben usw., hauptsächlich über Dinge, mit denen sich jeder identifizieren kann.

„Lions Mouth“, die erste Single aus Eurem Debütalbum, erzählt von einer wahren Geschichte, worum geht es genau? Gibt es noch andere autobiographische Songs?

Matty begann viel über den ersten Weltkrieg zu lesen und speziell diese eine Geschichte berührte ihn wirklich. Es geht um einen jungen Mann, der in den Krieg zieht, um für sein Land zu kämpfen und als er zurück kommt, findet er seine Frau mit einem anderen Mann im Bett vor. Er entscheidet, dass er so nicht weiterleben kann und nimmt sich das Leben. Es ist eine sehr erschütternde Darstellung des wirklichen Lebens.

Also woher bekommt Ihr sonst Eure Inspirationen für das Songwriting? Wirken hierbei alle mit oder wer ist der kreative Kopf der Band?

Die Inspiration kommt von überall, wie ein kleiner Funke, der ein großes Feuer auslöst. Matty schreibt viele der Songs, aber wir alle haben auch eigene Ideen und Meinungen zur Erarbeitung des Endprodukts und wie es schließlich verwirklicht werden soll.

Was ist Eurer Ansicht nach wichtiger, um das Publikum zu erreichen, die musikalische Komposition oder die Texte?

Beides. Man kann eines nicht für das andere auf´s Spiel setzen. Texte sind unglaublich wichtig, damit sich die Leute darin wieder finden können, aber die Musik muss so gut sein wie möglich, um die Lyrics bis hin zum Publikum transportieren zu können.

Eure live Performances legen stets den Eindruck von Guter-Laune-Musik nahe. Ist das beabsichtigt?

Auf jeden Fall. Wir versuchen immer auf der Bühne Spaß zu haben, so dass das Publikum hoffentlich eine positiven Eindruck erhält und sich amüsieren kann.

Live Foto Young Rebel Set

Englands Musikszene ist sehr groß, ich meine wirklich groß. Was denkt Ihr lässt Euch zwischen all den anderen talentierten Bands hervorstechen? Gibt es da so eine Art Rivalität oder würdet Ihr es als konstruktiven Wettbewerb bezeichnen?

Da wird es immer Rivalitäten geben, aber Musik ist kein Wettbewerb. Jede Band strebt nach den selben Dingen und die vernünftigen Bands ragen nicht unbedingt immer heraus, weil da einfach so viel Druck für das „nächste große Ding“ vorherrscht. Und manchmal ist es ziemlich ärgerlich, wenn du da talentfreie, bedeutungslose Bands siehst, die Anerkennung bekommen, obwohl sie keine verdient haben. Aber dann stellst du fest, dass die Welt aufwachen wird und sie sechs Monate später fallen gelassen werden.

Ihr Jungs seid schon durch verschiedene europäische Länder getourt lange bevor Ihr Euer erstes Album „Curse Our Love“ herausgebracht habt. Welches waren Eure schönsten Momente auf der Tour?

Wir lieben es immer wieder nach Deutschland zu kommen. Insbesondere nach Hamburg und Berlin, dort ist das Publikum so aufgeschlossen und sie haben richtig Freude an unserer Musik. Möge es lange so weitergehen.

Könnt Ihr denn den Spaß mit dem Publikum teilen, während Ihr vor tausenden von Fans spielt, oder seid Ihr nach wie vor sehr aufgeregt und auf den Auftritt konzentriert?

Beides. Wir sind immer sehr aufgeregt wenn wir live spielen, weil wir Freude daran haben und den Zuspruch lieben, den wir vom Publikum bekommen.

Wenn Ihr auf so großen Festivals spielt, habt ihr da eigentlich auch mal Zeit andere Bands zu erleben? Welche Bands habt ihr schon gesehen?

Wir versuchen ein paar Bands auf den Festivals zu sehen, wenn wir die Zeit dafür haben, aber manchmal ist es einfach nicht möglich. Dieses Jahr haben wir geschafft Kasabian, Two Door Cinema Club, The Vaccines, Foo Fighters, The National, Arctic Monkeys zu sehen, um ein paar Namen zu nennen.

Wenn Ihr die Möglichkeit hättet eine sehr bekannte und erfolgreiche Band zu supporten, die Ihr alle bewundert, welche Band wäre das?

Da gibt es unterschiedliche Meinungen, aber wir alle würden auf jeden Fall mit Mark Knopfler oder Noel Gallagher spielen wollen. Sie sind beide absolute Musik-Genies und das wäre die unglaublichste Erfahrung nur mit einem von beiden die Bühne zu teilen.

Geht Ihr denn schon mit einem eigenen Tourbus auf Tour oder wie reist Ihr im Moment umher?

Wir haben unseren treuen Van, der schon über 17.500 Meilen auf dem Buckel hat. Er ist unser ganzer Stolz, der uns Freude bringt und nur sehr selten im Stich lässt. Aber jetzt gerade riecht er nicht so gut, da wir schon seit über drei Wochen mit ihm unterwegs sind.

Young Rebel Set

Vielen Dank an Euch alle, dass Ihr Euch für das Interview so viel Zeit genommen habt. Ich wünsche Euch alles Gute für die nächsten Konzerte und hoffe, dass wir nicht allzu lange auf Euer zweites Album warten müssen.

Herzlichen Dank an Felix Heinrich (community promotions) und Anna Herbord (Grand Hotel van Cleef), die uns dieses Interview ermöglicht haben!