„Entweder ist ein Song geil oder eben nicht“ – Im Gespräch mit Jupiter Jones

DATUM» 29.12.2013
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Aus der überschaubaren Eifel in die großen Hallen der Republik. Es war ein langer Weg, doch spätestens seit der Hit-Single „Still“ ist die Band Jupiter Jones auch weniger begeisterten Musikhörern bekannt. Bassist Andreas „Becks“ Becker und Schlagzeuger Marco „Hont“ Hontheimer trafen Musicheadquarter-Redakteur Marc Brüser vor ihrem Konzert in Köln.

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Hallo zusammen. Erzählt mal, wie war’s gestern? Eine ausverkaufte Akustik-Show habt ihr ja bereits gestern in Köln gespielt, da bietet es sich ja eigentlich ganz gut an ein paar ältere Balladen mit in die Setlist einzubauen.

Becks: Wir machen uns immer einen Spaß draus gerade nicht immer die Balladen in solche Abende mit einzubauen, sondern die schnelleren Songs in Akustikversionenn umzuwandeln. Das hat gerade bei „Unter uns Darwinfinken“ super geklappt. Andere Songs waren dann wiederum „Oh hätt ich dich verloren“ oder „Wenn alle es verstehen“. In regulären Sets macht es halt nicht immer so unglaublich viel Sinn solche eher unbekannteren Lieder mit einzubringen.

Hont: Dabei haben wir zur gleichen Zeit auch wieder gemerkt wie viel Spaß es macht Akustiksongs zu spielen. Wir hatten dazu auch noch jede Menge Gastmusiker, darunter einen Cello-Spieler, zwei Bläser und weitere Musiker.

Im letzten Jahr habt ihr in Köln an vier Abenden jeweils eines eurer Alben gespielt. Daraus sollte doch eigentlich eine DVD entstehen. Warum ist bisher daraus nichts geworden?

Becks: Die Antwort ist eigentlich relativ simpel. Wir haben 2013 überhaupt keine Zeit gefunden uns der DVD anzunehmen. Unser Sänger Nico hat sich einige Lieder angeschaut, aber sonst hat bisher keiner das Material gesichtet. Wir haben uns mehr auf unser Album fokussiert.

Wie lange hat die Produktion des Albums gedauert?

Becks: Puh, auf jeden Fall lange (lacht). Wir haben am 1. Januar angefangen und sind im April ins Studio gegangen. Anfang Juli waren wir fertig.

Hont: Wie gesagt, wir hatten einfach nicht die Zeit für die DVD. Vielleicht bringen wir sie dann am 20-jährigen raus.

Das Beste aus 20 Jahren Jupiter Jones und dann einfach die DVD veröffentlichen oder wie?

Becks: Genau! Da kommt eh nichts Besseres mehr.

Auf eurem neuen Album „Das Gegenteil von allem“ gibt es einige Lieder mit sehr ausdrucksstarken Texten. Besonders „Hunderttausend Typen wach“ und „Denn sie wissen was sie tun“ gefallen mir sehr gut. Wie geht ihr an solche Songs heran? Ich habe von vielen Bands unterschiedliche Arten und Weisen gehört wie sie ihre Lieder schreiben. Manche schreiben die Songs im Proberaum, andere fahren für einige Wochen an einen zurückgezogenen Ort…

Hont: Das Problem ist, dass wir alle in verschiedenen Ecken in Deutschland wohnen. Marco wohnt in der Eifel, Nico in Berlin, Sascha und ich wohnen in Hamburg. Da ist es schon schwer sich mal eben zwischendurch zum Proben zu treffen.

Becks: Seit den letzten drei Alben hat es sich eigentlich bei uns so entwickelt, dass Sascha die meisten Songs bereits fertig geschrieben und komponiert hat, bevor wir uns dann zusammensetzen und die Lieder vollenden und ihnen den letzten Schliff geben. Das dauert dann noch mal zwei bis drei Wochen.

Das erklärt dann auch warum es so lange gedauert hat mit dem Album.

Hont: Naja, wir haben ja auch bei Null angefangen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt auch gar kein Material. So etwas hat man ja auch mal nicht eben in der Schublade liegen.

Sind bei den vergangenen Alben keine B-Seiten entstanden?

Hont: Nein, das ist bei uns nie so. Wir haben auch nie eine große Anzahl an Songs mit denen wir ins Studio gehen, um sie aufzunehmen. Wenn wir merken, dass ein Lied nicht hinhaut, dann kicken wir das relativ schnell.

Becks: Es macht ja auch keinen Sinn dann weiter daran rumzuwursteln, bis man einen mittelmäßigen Song fertig gestellt hat

Hont: Mir erschließt sich auch nicht wirklich, warum Bands mit 30 Songs ins Studio gehen und dann die zwölf besten aussuchen. Ich habe dann immer das Gefühl, dass die Bands nicht zugeben wollen, dass auch etwas Grütze dabei ist.

Becks: Wenn wir B-Seiten brauchen, dann überlegen wir uns coole Akustik-Versionen unserer Songs.

Wenn man die Lieder von „Raum um Raum“ mit denen des letzten Albums vergleicht, kommt man nicht darum herum zu erkennen, dass ihr doch etwas poppiger geworden seid. Wann war bei euch der Punkt gekommen, wo ihr ein wenig ruhiger treten wolltet mit euren Songs?

Becks: Da gab es glaube ich gar keinen festen Punkt. Das hat sich durch unseren Werdegang entwickelt. Wir haben auch gar kein Problem damit, wenn Leute zu uns kommen und finden, dass das neue Album poppig geworden ist. Aber auch im Pop gibt es Unterschiede. Und ohne jetzt zu selbstverliebt zu klingen, wir gehören eher in die Kategorie, wo der Pop mit Verstand gemacht wird.

Wenn ihr einer Person begegnen würdet, die euch noch nie gehört hätte – soll es geben, kann ich mir persönlich schwer vorstellen – welches Album würdet ihr empfehlen?

Hont: Bäh, fiese Frage

Becks: Die Discogravier, die noch nicht veröffentlicht ist.

(allgemeines Gelächter)

Hont: Nee im Ernst, ich glaube da würde ich immer das letzte sagen, weil es am aktuellsten ist. Es zeigt am Besten, wer die Band Jupiter Jones 2013 bzw. 2014 ist und wie wir klingen. Hoffentlich hört sich die Person dann auch unsere alten Sachen an.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

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