„Gebt dieser verdammten Band eine Chance!“ – Interview mit Vinnie Paul und Chad Gray von Hellyeah

DATUM» 05.08.2014
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Nach sechsstündiger Fernbusfahrt kommen wir endlich in Mannheim an um uns an die Arbeit zu machen. Ab zur Location in die Alte Seilerei. Wir sind etwas aufgeregt heute und können es ehrlicherweise kaum erwarten das Interview zu starten – Vinnie Paul (ex – Pantera) und Chad Gray (ex- Mudvayne) gegenüber zu stehen ist etwas Besonderes, da gerade Pantera die Vorbilder eines jeden Kopfnickers sind, so auch unsere. Über Mudvayne braucht man auch wenig Worte zu verlieren denke ich. Interviews mit Idolen sind eben eine Klasse für sich.

Nachdem wir eine Stunde gewartet haben und vor lauter Nervosität schon zwei Bier intus hatten, werden wir nach hinten in den Biergarten der Konzerthalle gebeten. Vinnie und Chad treten nach draußen und setzen sich zu uns. „Hey wie geht es euch? Alles klar?“ Nette Typen. Anspannung weg. Unser obligatorisches Mitbringsel und Geschenk an die Beiden – eine brandneue Flasche Crown Royal – wird mit Freude entgegengenommen, muss aber leider bis nach der Show warten, da man fit bleiben will um für die Fans eine perfektes Konzert zu liefern. Professionell!

Dann beginnen wir mal das Interview. Vorab: Wie geht es euch Jungs heute? Alles klar?

Vinnie Paul: Ja, natürlich wir freuen uns schon total auf die Show. Neue Energie, viele neue Stücke. Natürlich werden wir auch viel von den alten Songs spielen, aber vorrangig fokussieren wir uns heute auf unsere neuen Sachen und hoffen dass sowohl wir als auch das Publikum eine tolle Zeit haben werden.

Nun seid ihr mit eurer neuen CD auf Tour. Was genau bedeutet SPS für euch?

Chad Gray: Jeder kennt das, jedem ist es schon passiert. Runtergebrochen heißt das, wenn ich dir dein Leben nehme, muss ich mit meinem eigenen dafür bezahlen. Das geht von jeder einzelnen individuellen Person aus bis hin zu Politik. Der erste Gedanke war, wenn jemand wirklich umgebracht wird … der zweite Gedanke war – wenn ich jemandem etwas nehme, dann muss ich einfach dafür bezahlen. Die Politiker z.B. senden tausende Männer in Kriege und die wissen gar nicht wofür sie wirklich kämpfen. Würdest du tausende Männer in den Krieg senden, wenn du mit deinem eigenen Blut dafür bezahlen müsstest? Man sollte immer zweimal über etwas nachdenken! Also geht es natürlich hierbei auch nicht nur um den ersten Gedanken, sondern um den zweiten Gedanken, den sich jeder machen sollte. Denke zweimal über eine Entscheidung nach. Und so geht immer so weiter, der erste Gedanke, der zweite Gedanke, der zweite Gedanke vom zweiten und so weiter. Vielleicht sollten wir alle unsere Energie auf ein friedvolleres Miteinander Umgehen fokussieren.

Geht es also hier um etwas rein persönliches oder wolltet ihr einfach nur mitteilen „Hey Leute macht eure Augen auf!“?

Chad Gray: Absolut. Wir alle fokussieren uns immer wieder auf unsre Gefühle und was dahinter steht. Er z.B. (deutet auf Vinnie) – er haut auf die Drums, wenn etwas in ihm vorgeht. Es ist immer alles eine Erfahrung. Wir haben das erste mal zusammen Songs gespielt, die wir eigentlich nicht spielen konnten. Pantera, Damageplan, Mudvayne… Darum ging es uns wieder. Zurück zum Spaß. Habt Spaß bei der Musik. Ich meine, natürlich wissen wir alle, dass Musik ein Business ist. Also wirklich, es ist einfach ein Scheiß Business – es geht immer und überall um Geld. Man selbst will sich davon distanzieren und fernhalten aber man muss sich darauf konzentrieren und dann wieder begreifen von wo aus man gestartet hat und wie man wirklich begonnen hat, z.B. diese Band… Es gibt sie weil wir alle so …. wuaaah sind. Verstehst du was ich meine? Wir hatten unsre Vergangenheit, mussten dadurch und haben uns dann gefunden. Ich denke auch dass es für Vinnie eine tolle Erfahrung war, wieder zurück zur Musik zu können. Es war für uns alle einfach total wichtig in jeglicher Hinsicht. Egal ob es nun darum ging, ob wir Dime verloren haben oder wie auch immer, ich kann natürlich nicht für ihn reden, was er gefühlt hat (deutet wieder auf Vinnie), aber einfach wieder zurück zu den Wurzeln, warum uns die Musik damals so gepackt hatte. Das erste Album war ein absolutes Experiment, das zweite Album war vielleicht etwas chaotisch, weil wir nicht genau wussten, wohin es uns verschlägt, dann kam „Band of Brothers“ raus und das war einfach nur megageil. Es gab einfach eine Situation, in der wir uns alle anblickten und ich wusste wieder so richtig, ich bin ein verdammter Sänger, das ist es was ich kann und tun will. Nichts anderes. Und er war einfach nur ein riesengroßer Einfluss in meinem Leben. Er und seine Bands. Das ist es nämlich. Ich möchte Musik für ihn spielen. Versteht ihr? Musik machen für meinen Lieblingsdrummer, meinen Lieblingsbassisten und so weiter. Ich meine ich darf auf der Bühne stehen mit einem meiner Idole, wie großartig ist das? Und verdammt Tom… ich war ein rießengroßer Fan von Nothing Face, einfach Wahnsinn, dass ich mit allem, was mich in meinem Leben beeinflusst hat, jetzt die Bühne teilen kann. Und dann kam die Wendung zu „Blood for Blood“.

Also geht es hierbei einfach darum, authentisch zu sein und auch zu bleiben?

Chad Gray: Ja genau ! Absolut! Weißt du wir hatten so viele Jahre Erfahrung hart zu sein und hartes Zeug zu spielen. Und dann hatten wir einen Bruch für ein paar Alben, was uns allen total gut getan hat. Aber jetzt finden wir wieder zurück dazu. „Band of Brothers“ da haben wir noch ein wenig gesucht und „Blood for Blood“ – Boop – wir haben genau den Mittelpunkt getroffen. Unsre Energie war einfach so unglaublich. Und Kevin hat einfach echt das Beste aus uns rausgeholt.

Vinnie Paul: Ein großer Schritt für ihn, aber eben auch für uns.

Es scheint wirklich so, dass Hellyeah einfach Freiheit für euch bedeutet…?

Vinnie Paul: Ja klar, ich liebe es verdammt nochmal einfach. Ich wäre nicht hier, wenn es mir nicht alles bedeuten würde.

Ich bin viel im Netz gesurfed und habe einige Comments Post usw. gelesen über SPS und auch über Hellyeah, in denen es hieß „Hört auf damit, macht weiter mit euren alten Bands!“ etc. Was wollt ihr diesen Leuten sagen oder habt ihr etwas dazu zu sagen?

Vinnie Paul: Das sind diese egoistischen Leute, die in der Vergangenheit leben und irgendwie darauf hängen geblieben sind. Das ist genauso, wie wenn ich sagen würde „ich wünschte wir hätten grad die 50ies und würden in dieser Zeit leben!“ Aber es ist nun mal 2014! Und wir haben uns auch alle verändert. Viele denken, wir würden die Musik nur für sie machen und irgendwie nur für sie leben, was bis zu einem gewissen Grad auch stimmt, aber wir treffen immer noch unsre eigenen Entscheidungen. Wir haben diese Band gegründet – sind von den Jungs von früher, die immer noch großen Erfolg haben, unterstützt worden – um etwas für uns zu tun. Ich meine es ist schon doof, wenn man dann so etwas hört, wie ja wenn es Pantera noch geben würde… Gibt es nun mal nicht mehr. Das ist einfach egoistisch.

Chad Gray: Wir würden verrückt werden, wenn wir diese Kommentare uns zu nahe ließen. Man muss erstmal für sich selbst leben und nicht für andre. Wir versuchen nur dahin zurück zu kommen zu dem was wir eben tun, Musik. Für uns, für euch, für alle. Vinnie Paul ist eben Vinnie Paul und ich bin eben Chad Gray. Es ist nicht so dass ich einmal die „Mudvayne Rolle“ spiele und dann die „Hellyeah Rolle“. Wir warfen diese Rollen einfach ins Feuer und sind nun einfach eben wer wir sind. Ich schreibe auch schließlich wie ich schreibe. Es ist nicht so, dass ich dann denke „Oh warte das ist ein wenig rockiger, also muss ich auch so einen Text schreiben“. Genauso wie er einfach seine Drums spielt, wie er es schon bei Pantera gemacht hatte, genauso wie ich singe, wie ich bei Mudvayne gesungen habe. Das ist das einzige was ich kenne.

chad gray

Es geht einfach darum wer du bist!

Chad Gray: Eben, ich bin einfach ich selbst. Mudvayne war schon mein altes Ich, also ich musste natürlich anfangen, anders zu denken, genauso wie er. Er zerschmettert einfach seine Drums, er spielt einfach, wie er ist, wie eine Attacke. Wir müssen uns nicht mehr vor uns selbst verstecken. Das ist das Leben, sei wie du bist. Diese Leute die solche Comments schreiben, sehen Hellyeah als eine Art Wand zwischen Pantera und ihm und Mudvayne und mir. Aber darum geht es eben nicht.

Vinnie Paul: Außerdem gibt es einfach keine reale Chance, das Pantera je wieder existiert! Mein Bruder ist tot, folglich können wir auch nicht mehr zusammen spielen. Dann gibt es diese egoistischen Leute, die meinen man könnte einfach Zakk Wylde einsetzen anstelle von Dime und sagen: Verdammt, Pantera ist wieder zurürck! Das ist einfach absoluter unrealistisch und wirklich uncool.

Chad Gray: Dime war ein so, so, so großer Einfluss auf Pantera. Ton, Qualität, Sound, einfach alles! Diese vier Jungs damals haben einfach etwas unglaubliches geschaffen. Ich persönlich kennen niemanden der nicht Pantera Fan war. Es war ja schon für mich ein riesengroßer Einfluss und hat eine total große Rolle gespielt. Und es hat mich einfach berührt. Und hat mir einfach – Wuhaaaaa (schreit) – dieses Gefühl gegeben. Das hatte ich in meinem ganzem Leben vielleicht sieben mal.

Vinnie Paul: Aber was ist denn nun eure nächste Frage, bevor wir euch hier zu quatschen?

Wir würden euch gern ein paar persönliche Fragen stellen: Stellt euch vor, Leute hängen ab, trinken ein Bier zusammen und ihr habt den Song geschrieben, genau für diesen einen Moment? Wie fühlt sich das an?

Vinnie Paul: Wir waren und sind ja auch Fans. Wir haben halt eine Flasche Crown Royal getrunken und Musik gehört. Wie z.B. Maiden. Das war auch so „Woah, wow krass Hammer !“ Wir verstehen dieses Gefühl einfach sehr gut und deshalb sind wir auch wie wir sind und machen unser Zeug, wie wir es eben machen. Wir haben uns selbst noch nie als „Rockstars“ oder so gesehen. Wir sind genauso Fans und Publikum, wie die Leute, die heute Abend hierher kommen.

Chad Gray: Das ist eben was ich vorhin versucht habe zu erklären. Es geht um Ehrlichkeit & Authentizität. Wir sind ja keine Fakes die sich dann so denken, boah schreiben wir einen Song „Hell of a Time“ der kommt bestimmt gut an, auch wenn wir diesen Moment „Hell of a Time“ noch nie hatten. Wir leben das einfach und zeigen das nach außen hin.

Das trifft sich ja ganz gut, denn die nächste Frage wäre, wenn ihr euch nur einen Song aussuchen könntet, für einen Moment der euch beschreibt, welcher wäre das?

Vinnie Paul: Waaas? Ein verdammtes Lied? Das ist echt schwer…

Chad Gray: Können wir nicht wenigstens ein Album nennen (lacht)?

Einfach ein Lied, dass euch besonders geprägt hat.

Vinnie Paul: Kiss „Rock’n roll all night!“ Denn so ist das Leben!

Okay und du Chad?

Chad Gray: Ich denke… puuuh ist das schwer. Ich glaube ich kann gar nicht einen aussuchen, das ist einfach absolut unmöglich (lacht)! Mir fallen, schon alleine fünf von seiner Band ein!

Vinnie Paul: Hau einfach was raus Chad!

Chad Gray: Okaaaaay. Battery?

Vinnie Paul: Ach Chad, Kiss sind das Ding (lacht). Wir haben Kiss gehört früher und haben schlechten Wein aus dem Tetrapack getrunken! Kiss war mir einfach schon immer sehr, sehr nahe. Als ich mein erstes Album von Kiss bekommen hatte, habe ich es erstmal nur angesehen und dann natürlich zwei Wochen lang rauf und runter gehört. Und immer wieder und immer wieder und immer wieder … Und dann verliebte ich mich in die Musik von Van Halen… Judas Priest … Das ganze coole Zeug von damals. Und natürlich auch die „Skooooorpiooons!“ (lacht) „Skorpiiiiiioooooooons!“ (schreit hoch) „I can’t await to rooooock!“.

Okay, gehen wir über zur nächsten Frage. Beschreibt für die Leute da draußen, Hellyeah mit nur einem Wort, dass eurer Meinung nach Hellyeah und das Lebensgefühl dahinter am besten beschreibt.

Vinnie Paul: Ich denke das eine Wort ist Hellyeah selbst. Für mich ist Hellyeah die beste und einzig wirkliche Art „Ja“ zu etwas zu sagen. Das ist wie wenn dich jemand fragt, hey wollen wir heute abend in einen Stripclub gehen? Dann wird bestimmt nicht kommen, hm ja lass mich mal kurz überlegen, nein, es kommt HELLYEAH! Wollen wir heute ein wenig abstürzen? HELLYEAH! Dieses eine kleine Wort ist wohl die positivste Art einfach ja zu sagen.

Chad Gray: Ich stimme ihm absolut zu.

Nun, ihr habt ja nun ganz schön viel Erfahrung sammeln können mit euren ex- Projekten, mit Hellyeah, mit all den Leuten die euch umgeben. Wie beschreibt ihr für euch Freundschaft?

Vinnie Paul: Freundschaft ist einfach das allerwichtigste in deinem ganzen verdammten Leben. Aber wie du es schon richtig erkannt hast, haben wir aus unseren ehemaligen Projekten vor allem gelernt, wie man richtig kommuniziert und wie man so Problemen vorwirken kann.

Du meinst zwischen Bandmitgliedern?

Vinnie Paul: Ja, absolut ! Es ist wie Chad vorhin auch schon gesagt hatte. Es ist nicht mehr so, dass sich vier Jungs treffen und in der Garage ein wenig jammen. Nein wir haben dennoch einen Job zu erledigen. Damit kommt dann natürlich auch irgendwann der Erfolg und alles was dazu gehört. Eine Band ist einfach wie wenn du mit drei bis vier anderen verheiratet bist. Und glaube mir nur mit einer Person verheiratet zu sein ist schon scheiße schwer. Wenn du tourst von was weiß ich Deutschland nach Italien und du kannst einfach alles haben was du willst. Da ist es natürlich schwer richtig zu handeln. Da testet uns einfach das Leben. Das ist es was Freundschaft ausmacht, zu lernen zu geben und zu nehmen und Dinge nicht immer zu persönlich zu nehmen. Ich meine, wir leben zusammen, wir machen Musik zusammen, wir streiten zusammen, wir lieben uns. Das ist es. Wenn ich mit meinen Freunden nach Hause gehe, kann ich sagen, ich gehe mit meiner Familie nach Hause. Keine normale Familie mit Kindern und so. Nein meine Freunde sind meine Familie. Ich vermisse oft die Straße, wenn ich dann wirklich zu Hause sitze. Einfach die Straße, unsre Crew, die Band… Würden wir geschlossen als Gruppe in einen Krieg ziehen, würden wir den sicher nicht verlieren! Weil wir uns alle wieder sicher nach Hause bringen würden und auf einander acht geben.

Chad Gray: 100 %ig ! Ich fühle es genauso wie er es gerade gesagt hat. Wir haben einfach gelernt, was man tun kann und was man nicht tun darf bei unsren ehemaligen Projekten. Und ich war im Ehehafen, ich weiß wovon ich rede… Aber wäre ich jetzt in der Situation wie damals wüsste ich einfach, heirate auf gar keinen Fall ! Aber das muss man nun mal erst lernen. Ich musste erstmal verheiratet sein um zu lernen, Junge mach‘ diesen Scheiß ja nie wieder! (alle lachen) Und wie er es eben sagte, natürlich streitet man auch mal und kann sich nicht riechen, aber am Ende des Tages, ist unser Job dann doch nur eine Stunde lang, d.h. eine Stunde auf die Bühne und da kann man sich auch zusammenreißen.

Ist „Rockstar“ Leben so wie ihr euch das vorgestellt habt, als ihr jünger wart und noch davon geträumt habt?

Vinnie Paul: Also, ich habe von diesem Ort hier geträumt als ich zehn Jahre alt war, ganz klar. Und jetzt bin ich endlich in Mannheim, Germany. Endlich da (lacht)! Nein im Ernst: Sicher haben wir den Erfolg und alles was dazu gehört genossen, das streitet keiner ab. Aber es ist jetzt schon eine Herausforderung für uns alle, noch mal neu zu starten und das auf einem anderen Level. Wir haben jetzt grade wirklich tollen Erfolg in den englischsprachigen Ländern, wie den USA, Australien, England. Wir haben jetzt einfach wieder so richtig hart gearbeitet für das Album und sind dankbar für das Feedback das wir bekommen und dass wir jetzt mit Hellyeah auch wieder in den großen Hallen spielen.

vinnie paul

Habt ihr denn irgendwelche Tipps für junge Musiker, die euch als Vorbilder sehen?

Chad Gray: Bleibt ja im College und macht euren Schulabschluss! Tut’s nicht!

Vinnie Paul: Ich würde sagen ihr müsst alles dafür geben. Es ist kein Teilzeit Job, den man so nebenbei macht. Man muss alles dafür tun! Und man muss hoffen, dass man Glück hat. Weil Glück ist einfach ein großer Teil in diesem Business, selbst heute noch. Disziplin und Glück. Es ist vielleicht heute sogar noch schwieriger als es früher war. Wie viele Bands kann man noch nennen, heutzutage, die so groß sind, wie Metallica, Judas Priest, Iron Maiden? Die meisten haben sich natürlich noch gar nicht so weit entwickelt, aber sie bekommen oft gar nicht die Chance dazu. Es ist einfach sehr hart, aber wenn es das wirklich ist, was du willst, dann kann ich nur sagen, folge deinem Herzen und verwirkliche diese Träume! Aber wenn du große Kohle machen willst, hört auf Chad und bleibt in der Schule lacht werde ein Anwalt oder nein noch besser, werdet ein Manager! Der hat alles, die Kohle, die Mädels und die Bands um sich!

Chad Gray: Ist bei den Festivals und bekommt Backstage Pässe…

Vinnie Paul: Und du musst für einen One Night Stand deinen Arsch nicht in den Tourbus quetschen (lacht).

Chad Gray: Ja der hats schon gut. Kann zu Hause bleiben, mit seiner Freundin schlafen, in seinem eigenen Bett und kann uns sagen, was wir tun sollen (lacht) „Das habt ihr nun aber falsch gemacht!“ „Echt jetzt?“

Wenn ihr keine Musiker geworden wärt – was würdet ihr wohl heute machen?

Vinnie Paul: Tatsächlich war ich ziemlich sportlich, habe Football gespielt, auch Fußball, aber der Sport, in dem ich am besten war war Baseball. Also wäre ich nicht Musiker geworden, hätte ich wahrscheinlich ein Sport Stipendium oder so was bei einem College bekommen. Aber ich habe mich für Musik entschieden und bin wirklich mehr als froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Aber als Nebeninfo, als ich ein kleines Kind war, habe ich Jaques Gusteau geliebt und habe immer Bilder vom Meer gezeichnet. Ich glaube ich wäre ein Meeresforscher geworden. Wie komisch ist das oder?

Chad Gray: Wenn ich mich an die Zeit zurück erinnere bevor ich Musiker war? Puh, ganz ehrlich ich weiß gar nicht, was ich geworden wäre. Ich habe einfach schon immer zur Arbeiterklasse gehört, von daher, kann man sich denken, was ich gemacht hätte.

Vinnie Paul: Stellt ihn euch mal vor, wie er den Hammer schwingt! (alle lachen)

Chad Gray: Ernsthaft, wenn ich mit meinem Wissen jetzt zurück gehen würde? Glaube ich wäre ich verdammt noch mal ein Koch geworden! Ernsthaft ich liebe kochen!

Vinnie Paul: Das ist total verrückt, manchmal kommt man in den Bus und denkt, ja die harte Band, was die wohl treiben? Und wisst ihr was? Wir gucken Kochsendungen! Den ganzen verdammten Tag lang! Ich meine ich bin der BBQ Meister und er der Koch. Das ist einfach reine Leidenschaft, man muss für etwas brennen um es gut zu machen! Und grade beim Kochen, das macht man um andere glücklich zu machen. So wie Musik. Aber wirklich, wenn man etwas köstliches zubereitet und man sieht die strahlenden Gesichter, ist das einfach das Schönste auf der Welt, diesen Menschen etwas Gutes getan zu haben. Und nicht beim beschissenem McDonalds irgendein Zeug gekauft zu haben.

Wenn wir schon dabei sind, irgendeinen Magic Trick oder Rat für ein tolles BBQ?

Vinnie Paul: Was immer ihr auch wollt, ich weiß ja nicht, was ihr hier besonders gern esst, aber ich glaube ihr esst gern Würstl. Also, ich nehme eine Wurst und schneide sie in zwei Teile, übergieße sie mit einer Art BBQ Sauce, die etwas bitter schmeckt und einer die etwas süßlicher ist, bestreue das Ganze mit Zitronenpfeffer und brate es dann durch. Nicht wie diese komischen Leute, die ihre Würste in heißes Wasser werfen. Ekelhaft!

Letzte Frage: Wann war es für euch klar, dass ihr Musiker werden wolltet oder war das eher doch spontan?

Vinnie Paul: Ich glaube bei mir war das als ich in der Schule zum Orchester gegangen bin, um daran teilzunehmen. Da war ich 14. Das war die Zeit, als mein Dad ein relativ bekannter Country Musiker wurde und mehrere Tage die Woche Gigs spielte. Wie auch immer, es war an dem Tag an dem der Orchesterleiter die Instrumente verteilte und ich sah die Tuba und dachte „fuck yeah!“. Ich werde der verdammte Tuba Spieler! Ich nahm dieses Ding entgegen und versuchte die typische Lippenbewegung. Du machst diesen Lärm, dieses Geräusch und dann kommt so ein toller Ton raus. Ich bin dann heim und saß auf meinem Bett und habe diese Art Furzgeräusche geübt und mein Dad kam gerade um die Ecke und fragte mich: „Sohn was zur Hölle treibst du da bitte?“. Und ich sagte voller Stolz „Daddy ich werde die Tuba spielen in der Band!“. Er nur „Was? Wie bitte?“ und ich sagte wieder „Ich werde der verdammte Tuba Spieler in unserer Schulband!“. Woraufhin er sagte „Nein, wirst du nicht, mein Sohn wird nicht die Tuba spielen!“. Er ist dann daraufhin mit mir zu einem Laden und hat mir ein Drumset gekauft und mich dahin gesetzt und gesagt „Sohn das ist ein Instrument dass du spielen kannst.“ Und das war der Moment in dem mein Dad unwissenderweise die Metalgeschichte veränderte! (alle lachen) Ansonsten würde ich jetzt Vinnie „die Tuba“ Paul heißen.

Chad Gray: Ich weiß noch, als ich das zum ersten Mal gehört habe, bin ich beinahe vor Lachen vom Stuhl gefallen. Wobei er wahrscheinlich wirklich ausgezeichnet gespielt hätte! Und ich? Puh, Kumpel ich war schon immer an Musik interessiert. Ich weiß noch, dass meine Mutter mich bekam als sie 17 war. Sie war selbst noch ein Kind. Und als ich 5 war, war sie 22! Wir sind dann damals immer mit dem Auto herumgefahren und haben Musik gehört. Klassiker, wie die Eagles, Led Zeppelin, Black Sabbath und so was. Das war halt damals, das was im Radio lief! Das war die eine Seite die mich beeinflusst hat und auf der andren hatte ich meine Großeltern, die immer Bluegrass und ähnliches gehört hatten. Ich war also irgendwie immer umgeben von Musik und ihrem Einfluss. Und mit 14 hörte ich dann zum ersten mal „too fast for love“ und ich muss ehrlich sagen, in meinem ganzen scheiß Leben, hat mich noch nie etwas so dermaßen berührt! Ich fühlte mich wie „YEAH!“. Das ist Musik, die macht Sinn, alles macht Sinn. Und Vinnie hatte natürlich immer seinen Vater um sich, der Musik gemacht hat. Aber er hatte auch seine Momente, unabhängig von seinem Dad, von Musik, die ihn berührte, wie z.b. Van Halen. Das ist es, was ich sagen will: Selbst wenn dich etwas andauernd umgibt, heißt es nicht, dass auch genau das dich berührt. Man muss es selbst finden. Mir ging es so. Ich wusste verdammt noch mal nicht, was das für ein geiler Scheiß war, aber ich wusste, das ist das was mich ausmacht. Das ist ebenfalls ein großer Teil, von dem was uns und Hellyeah ausmacht. Wir komponieren Musik zusammen, wir schreiben die Songs zusammen. Ich erzähle einfach von meinem Leben und was mir passiert ist. Vielleicht gebe ich manchmal zuviel, aber das ist gut so, denn so bringe ich die Leute näher zu dem, was wir eigentlich tun und wovon wir eigentlich sprechen. Wir wollen einfach Realität und Ehrlichkeit! Man fragt nicht groß rum. Wir bringen Leute einfach mit dazu, wie Kevin zum Beispiel. Er hat uns noch mal mehr zusammen gebracht und damit natürlich auch sich selbst. Im Aufnahme Prozess zu sein mit ihm… das war einfach nur unglaublich! Er brachte soviel neue, tolle Energie mit hinein. Wir hatten ihm die Musik gegeben, die wir geschrieben hatten und er hat es dann einfach gefühlt und uns alle voran getrieben. Und so entstand „Blood for Blood“! Wir haben bisher die drei Alben selbst produziert, aber diesmal mussten wir einfach das Ruder abgeben, um etwas neues zu erschaffen. Aber wir haben uns ja deshalb nicht verändert, wir haben nur uns auf uns und unsere Musik konzentriert. Wir haben uns bei diesen Aufnahmen einfach alle gleich viel respektiert. Ich bin ihm auf jeden Fall dankbar, was er für Hellyeah getan hat und auch außerhalb! Wir haben einfach mit vollem und tiefstem Respekt mit dem Produzenten zusammen gearbeitet und deshalb ist diese Platte auch mehr wir, weil wir uns eben nur auf das Wesentliche konzentrieren konnten. Wir haben nie darüber diskutiert, ob etwas konstruktiv sind oder nicht, wir haben es einfach getan. Das ist auch so eine Sache. Wenn mich jemand kritisiert und mich dabei respektiert, ist das überhaupt kein Problem. Dann kann ich das entgegennehmen. Wenn mich aber jemand kritisiert, der mich nicht respektiert, dann explodiert die Situation. Deshalb sage ich immer, hört zu, was der andere genau sagt. Er sagt etwas auf eine bestimmte, respektvolle Art und Weise, von der ich noch was lernen kann. Sodass ich von ihm noch lernen kann. Es geht nicht um „Du Arschloch…dieser Idiot…!“ oder irgendwas in der Art, es geht dabei nur darum, sich konstruktiv sich zu unterhalten, was man besser machen kann und was nicht. Es geht immer um Respekt, den ich dir gebe oder du mir entgegen bringst. Man muss einfach zuhören. Wenn es funktioniert, funktioniert es einfach! Und wenn nicht, dann nicht!

Danke für die tollen Antworten, das war unsere letzte Frage. Zu guter Letzt, habt ihr noch etwas was ihr den Leuten da draußen, euren Fans sagen wollt?

Chad Gray: Gebt dieser verdammten Band eine verdammte Chance ! Gebt uns einfach eine Chance, eure Seele und euer Herz zu berühren. Wir respektieren uns für das was in der Vergangenheit passiert ist, also bitten wir darum, auch respektiert zu werden und einfach in Ehren zu halten, was damals war. Es wird für jeden von uns nie ein endgültiges Ende geben, egal wie weit wir gehen, denn wir glauben wirklich an diese Band und an uns.

Wir können nur sagen, wir geben dieser Band nicht nur eine Chance, sondern sind sowohl von den Jungs als auch deren Musik total begeistert.

hellyeah

© Fotos: Sara Krupper – München 2014