„Ich mache nur Dinge, bei denen ich mich wohlfühle“ – Interview mit Black Country Communion-Frontmann Glenn Hughes

Black Country Communion Bandfoto
DATUM» 04.09.2012
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Als Glenn Hughes im Herbst 2009 die neue Supergroup Black Country Communion formierte, fand er in Joe Bonamassa (Gitarre, Gesang), Jason Bonham (Schlagzeug) und Derek Sherinian (Keyboards) die perfekte Besetzung. Drei Jahre sind seit der Bandgründung vergangen, in denen Black Country Communion die Rock-Messlatte durch zwei überragende Studioalben und eine rasante Live-DVD sehr hoch gelegt haben. Man darf also gespannt sein, ob ihr Ende Oktober erscheinendes drittes Album „Afterglow“ (Mascot Records / Rough Trade) diesem Anspruch erneut gerecht werden kann. Erste Hörproben lassen vermuten, dass dem so ist. Im Vorfeld der Veröffentlichung stand Glenn Hughes Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll im Kölner Hotel im Wasserturm Rede und Antwort. Die beiden unterhielten sich jedoch nicht nur über das neue Album, sondern auch über das Älterwerden oder Hughes‘ besonderes Verhältnis zu Jason Bonham.

Glenn Hughes Interview 1

Lass uns zunächst über das neue Black Country Communion-Album sprechen. Es erscheint in Deutschland am 26. Oktober. Ich konnte es mir bereits anhören und es ist ein wirklich grossartiges Rockalbum geworden. Aber ich hatte erwartet, dass es „BCC III“ heißt, wie die beiden Alben zuvor „BCC I“ und „BCC II“. Stattdessen heißt es „Afterglow“. Warum das?

Glenn Hughes: Ich wollte es nicht „III“ nennen. Ich empfand das als zu langweilig. Der Song „Afterglow“ war einer der ersten, die ich für das Album schrieb. Aber ich habe den anderen Jungs nichts davon erzählt. Ich habe ihnen von keinem Song irgendwas erzählt, bevor wir ins Studio gingen. Ich habe das Album überwiegend alleine geschrieben. Als ich ins Studio ging hatten Derek, Jason und Joe also noch keinen einzigen der Songs gehört. Wir haben sofort losgelegt. Ich habe ihnen Song für Song vorgespielt und wir haben sie aufgenommen. Zwei Songs pro Tag, fünf Tage lang, zehn Songs insgesamt. Als wir am letzten Tag angekommen waren, dachten sie es sei vorbei. Aber ich sagte: Jetzt spiele ich euch den Titelsong vor. Und sie sagten: Wir haben keinen Titelsong. Das Album wird „BCC III“ heißen. Weißt du, es gibt immer wieder Kämpfe im Leben, die du entweder gewinnst oder verlierst. Und in dieser Band habe ich einige Kämpfe verloren. Aber diesen einen wollte ich unbedingt gewinnen. Besonders Joe war damit nicht glücklich, denn er wollte das Album unbedingt „BCC III“ nennen. Bis er „Afterglow“ hörte. Es ist ein grossartiger Titel, ein grossartiger Song, er ist dramatisch, orchestral, er hat die engelhafte Stimme von Glenn Hughes und gleichzeitig meine aggressive und verzerrte Stimmlage. Ich glaube es ist ein moderner und epischer Rock-Track.

Du schreibst alle Texte für Black Country Communion. Woher nimmst du deine Inspiration und wieviel davon ist autobiografisch?

Glenn Hughes: Sehr viel. Dieses Album handelt von Frieden, Freiheit, Akzeptanz, es handelt davon zu sich selbst zu finden. An diesem Ort anzukommen, den ich „Afterglow“ nenne, bedeutet letztlich nichts anderes, als auf der Erde zu landen, in einer gemeinschaftlichen Welt. Das dritte Album ist für jede Band das wichtigste. Entweder alles bricht zusammen oder man startet durch. Ganz ehrlich: Der einzige Grund, warum ich von Amerika nach Europa gekommen bin, um hier mit der Presse zu sprechen, ist der, dass ich felsenfest an dieses Album glaube. Selbst wenn nicht ich es geschrieben hätte, sondern Joe oder Derek wäre ich trotzdem hier, um darüber zu reden. Ich habe Schauspieler als Freunde, die Interviews geben, um ihre Filme zu promoten. Manche machen das aber nicht, weil sie nicht an die Filme glauben. Doch ich glaube an diesen „Film“.

„Afterglow“ ist das dritte Black Country Communion-Album in den vergangenen 26 Monaten. Nicht zu vergessen die „Live Over Europe“-DVD. Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage du bist ein Workaholic?

Glenn Hughes: Ja, ein würdevoller und dankbarer Workaholic. Aber man kann ein Workaholic sein und trotzdem für die Öffentlichkeit nichts vorzuweisen haben. Du bist der Berichterstatter, du bist der Interviewer. Alles was ich dir geben kann ist ein Album, das du dir anhörst und beurteilst. Meine Frau sagt mir immer die Wahrheit. Sie sagte vor kurzem: Schatz, ich glaube, dass du gar keinen schlechten Song schreiben kannst. Das soll sich jetzt nicht arrogant anhören. Aber sie weiß welcher Perfektionist ich bin. Ich bin seit 46 Jahren Musiker und das ist grossartig. Wäre ich ein Fussballstar geworden, wäre meine Karriere nach zwanzig Jahren beendet gewesen. Jetzt bin ich 61 und mache immer noch Musik. Das zeigt, dass ich auf das richtige Pferd gesetzt habe.

Glenn Hughes Interview 2

Du warst Mitglied in vielen grossen Bands, zum Beispiel bei Deep Purple oder Black Sabbath. Fühlst du dich mit Black Country Communion jünger als jemals zuvor?

Glenn Hughes: Ich habe Freunde in meinem Alter wie etwa Mick Jagger, Robert Plant, Jimmy Page oder Jeff Beck. Sie scheinen immer noch Energie und Lust zu haben. Sie arbeiten nicht des Geldes wegen. Die Leute mögen das vielleicht nicht glauben, aber auch ich habe den Gott des Geldes nie angebetet. Das ist kein Teil von mir. Ich kann Geld spenden, ich kann es sparen, aber es interessiert mich nicht. Ich mache nur Dinge, bei denen ich mich wohlfühle. In den letzten Jahren habe ich Aufnahmen mit vielen bekannten Künstlern gemacht. Aber ich glaube das war nicht der richtige Weg. Black Country Communion hingegen fühlt sich richtig gut an. Ich werde älter und kann nicht mehr alles machen. Joe ist 35 und macht zehn Dinge gleichzeitig. Er ist jung und es fällt ihm leicht. Aber ich suche mir meine Aktivitäten inzwischen sehr sorgfältig aus.

Am Ende von „Common Man“, einem der Songs des neuen Albums, hört man ein kurzes Lachen. Ist das Ausdruck der guten Stimmung innerhalb der Band?

Glenn Hughes: Ja genau. Das ist das letzte Stück, das wir aufgenommen haben. In einem Take. Und am Ende gibt es eine Art Jam. Diese Endsequenz ist ein hundertprozentiger Spass-Jam. Es ist wichtig, dass man sich die Fähigkeit bewahrt so befreit aufzuspielen.

Wie du schon angedeutet hast, habt ihr alle Songs im Studio live eingespielt. Keine Overdubs…

Glenn Hughes: Oh, Overdubs schon. Du hörst, dass es Overdubs gibt. Es gibt wahrscheinlich sogar mehr Overdubs als auf dem zweiten Album. Zum Beispiel für Derek’s Keyboard. Aber das Meiste ist wirklich live.

Wie wichtig war Produzent Kevin Shirley für diesen speziellen Aufnahmeprozess?

Glenn Hughes: Dieses Album ist für mich ein „Glenn und Kevin Album“. Schon aufgrund der ganzen Arbeit, die er und ich dort hineingesteckt haben. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, aber Kevin und ich haben es festgeschraubt. Wir haben viel Zeit und Liebe in dieses Album investiert.

Du hast es bereits erwähnt: Du bist jetzt 61 Jahre alt. Ich habe Black Country Communion letztes Jahr live in Bonn gesehen und war beeindruckt von deiner Kraft und Vitalität auf der Bühne. Was ist dein Geheimnis?

Glenn Hughes: Soviel Schlaf wie ich kriegen kann. Ein glücklicher Lebensstil. Ich bin kein Nörgler oder sowas. Ich versuche immer Dinge zu finden, über die ich mich lustig machen und lachen kann. Ich nehme das Leben nicht zu ernst. Ich habe eine wundervolle Frau, die auf mich aufpasst und mein Leben organisiert. Weniger die Kunst als vielmehr die vielen kleinen Details. Jeder sollte einen solchen Partner in seinem Leben haben. Jeder erfolgreiche Mensch hat normalerweise einen solchen Partner. Sonst funktioniert es nicht. Auch in meinem Leben hat es Zeiten gegeben, in denen das anders war.

Man nennt dich auch „The Voice Of Rock“. Was bedeutet dir dieser Ehrentitel?

Glenn Hughes: Das ist mal vor zwanzig Jahren entstanden und hat mich eine Zeitlang geehrt. Aber ehrlich, ich denke darüber nicht weiter nach. Die Leute nennen mich eben so. Sogar andere grossartige Sänger nennen mich „The Voice Of Rock“. Das ist schon fast lustig. Mir ist viel wichtiger, dass ich heutztage die Bestätigung finde, für die ich mein ganzes bisheriges Leben gearbeitet habe. Im Januar habe ich mit Stevie Wonder gearbeitet, mit Smokey Robinson und anderen grossen amerikanischen Sängern. Mir ist wichtig, dass die Leute nette Dinge über mich als Menschen sagen. Die Botschaft des neuen Albums lautet deshalb auch: War ich ein guter Freund für dich? War ich ein guter Ehemann? Ein guter Sohn? Oder kann ich es noch besser machen? Das Album handelt nicht von Feen, Teufeln oder was sonst so herumkriecht. Das ist nichts worüber ich schreibe. Dieses Album handelt vom Leben.

Glenn Hughes Interview 3
Das neue Black Country Communion-Album „Afterglow“ erscheint in Deutschland am 26. Oktober.

Wenn du deine Bandkollegen beschreiben müsstest, wie würdest du Derek Sherinian, Jason Bonham und Joe Bonamassa charakterisieren?

Glenn Hughes: Ich nenne Joe Bonamassa einen Workaholic. Derek Sherinian ist ein extrem talentierter Virtuose, vor allem an der Hammond Orgel. Jason Bonham ist ein Bonham. Doch sein wahres Talent ist das Songschreiben. Und meine Aufgabe als sein bester Freund und als bester Freund seines Vaters (John Bonham, von 1968 bis zu seinem Tod im Jahr 1980 Schlagzeuger von Led Zeppelin, d.Red.)  ist es dafür zu sorgen, dass seine Songs gehört werden. Ich liebe Jason.

Und was glaubst du würden die drei über dich erzählen?

Glenn Hughes: Exzentrisch… freundlich, glaube ich. Liebevoll, hoffe ich.

Was machst du lieber: Im Studio an neuen Songs und Ideen zu arbeiten oder auf der Bühne zu stehen?

Glenn Hughes: Ich war in letzter Zeit sehr viel im Studio, deshalb stehe ich im Moment lieber auf der Bühne.

Werden wir dich dieses Jahr auch nochmal live in Deutschland erleben?

Glenn Hughes: Nicht in diesem, doch sicherlich im nächsten Jahr. Aber wahrscheinlich nicht zusammen mit Black Country Communion. Das ist nicht sicher. Ich wünschte du könntest das Joe fragen. Du wirst mich aber in einem anderen Zusammenhang wiedersehen.

Aber du möchtest mir nicht verraten, was das sein wird.

Glenn Hughes: Ich kann nicht. Es ist noch ein Geheimnis. Wenn ich es mir wünschen könnte, dann wäre es mit Black Country Communion. Wir werden sehen.

Okay, dann warten wir es ab. Vielen Dank für das nette Interview, Glenn!


Wir bedanken uns ebenfalls bei Andrea Hendorfer (Another Dimension) für die Vermittlung und bei Michael Schmitz (Mascot Label Group) für die Betreuung vor Ort!

Und last but not least haben wir hier noch den offiziellen „Afterglow“-Trailer für euch:

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