Interview mit Christoph Hessler von The Intersphere im Kölner Blue Shell 2012

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DATUM» 19.01.2012
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Nicht alles läuft technisch glatt bei der Vorbereitung auf ihr Konzert im Kölner Blue Shell. The Intersphere sind trotz des Zeitdrucks gelassen und nehmen sich sogar die Zeit für Interviews. Frontmann Christoph Hessler stellt sich den Fragen von Musicheadquarter-Redakteur Thomas Welsch, während im Hintergrund eifrig geschraubt und am bestmöglichen Sound gefeilt wird.

Hallo Christoph, vor einem Jahr habe ich nicht weit von hier ein Interview geführt und im Hintergrund nutzte eine junge deutsche Band ausgiebig die Zeit für ihren Soundcheck. Hast du eine Ahnung von wem ich rede?

Christoph: Wahrscheinlich hast du Karnivool interviewt und die Band im Hintergrund waren wir.

Genau! Wie war die Zeit mit Karnivool?

Christoph: Super! Die waren sehr locker.

Die sind ja eine große Nummer in Australien.

Christoph: Das sind super Musiker, eine tolle Band. Ich hab sie mehrfach gesehen auf der Tour, weil ich sie einfach immer wieder angucken musste.

Als ihr mit Karnivool unterwegs wart, habt ihr ganz aktiv Promotion in eigener Sache gemacht. Ihr standet am Ausgang und habt den Leuten Infos in die Hände gedrückt. Wie anstrengend ist das, in einer aufstrebenden Phase so viel zu investieren?

Christoph: Das macht man schon gerne. Gerade bei Karnivool war´s ja auch so, dass wir vom Publikum gut angenommen wurden und dann stellt man sich gerne nochmal an die Tür, um zum Beispiel einen Gratis-Download zu verteilen. Das ist eine Chance, wenn man vor einem größeren Publikum spielt, da nimmt man eben den größtmöglichen Nutzen mit.

Heute also euer erstes Konzert auf der Tour mit einem neuen Album im Gepäck. Ist das besonders Besonders?

Christoph: Ja, wir haben die Premiere des neuen Albums, das wir komplett spielen werden heute. Von den neuen Songs feiern acht heute abend ihre Live-Premiere.

Wie groß ist die Aufregung?

Christoph: Schon ein bisschen größer als sonst. Man muss ja auch immer ein bisschen reinkommen und dann die ganzen neuen Songs. Das ist schon was besonderes.

Ihr werdet oft mit Incubus und Dredg verglichen. Was schmeichelt mehr?

Christoph: Eigentlich beides. Beide sind großartige Bands in ihrem Genre und haben einen sehr eigenständigen Sound. Aber ich sehe das eigentlich immer nur als Einordnung in eine gewisse Schublade. Ich hör jetzt keine genauen Parallelen. Vielleicht beim Gesang oder der Rhythmik,… möglicherweise die Hall-Gitarren. Also es schmeichelt beides, weil es tolle Bands sind, aber ich glaube nicht, dass wir uns da verstecken müssen.

Und so eine Textzeile wie „same old road“ ist dann kein direkter Verweis auf einen gleichnamigen Song von Dredg?

Christoph: (überlegt) Also nicht bewusst eigentlich. Mir war zwar bewusst, dass es diese Zeile oder diesen Song bei Dredg gibt, aber es ist jetzt nicht ein Hint in dem Sinne.

Zu eurer neuen Platte. Ich habe einige Durchläufe gebraucht, aber dann fand ich sie richtig gut. Kannst du das nachvollziehen oder klingt das für dich bei diesen Songs komisch?

Christoph: Ich kann verstehen, dass die Songs teilweise vielleicht etwas schwerer zugänglich sind, weil die Melodien nicht immer so eingängig sind. Dass man da ein bisschen reinkommen muss, finde ich eigentlich ganz gut, vor allem wenn man sich mit der CD beschäftigt und immer wieder Neues entdeckt und das Album von mal zu mal wächst.

Beim Vorgängeralbum ging es um Außenseiterdasein und innere Zerissenheit. Gibt es ein Thema auch bei „Hold On, Liberty“?

Christoph: Bei der letzten Platte haben wir schon konzeptionell gearbeitet. Diesmal gibt es kein wirkliches Überthema. Ich hab ja immer so ein Buch bei mir, in das ich Ideen und Zeilen aufschreibe und dann wachsen diese Zeilen irgendwie zusammen. So sind es diesmal eher Storys, die aus dem Leben gegriffen sind und die Wortwahl ist etwas direkter als auf der letzten Platte.

Würdest du sagen, ihr habt mit dieser Platte euren Stil gefunden? Oder ist das gar nicht euer Ziel und ihr möchtet vielmehr in permanenter Veränderung bleiben?

Christoph: Auf der Suche sind wir eigentlich immer. Wir versuchen seit Beginn unsere Musik zu perfektionieren, große Melodien einzubauen und gleichzeitig viel Energie rüberzubringen mit richtig heftigen Riffs. Das zu verbinden ist das Hauptziel der Band und die Suche danach wird immer weitergehen und wir werden uns immer verändern. Diesmal sind neue Instrumente dabei und uns war wichtig, alles live aufzunehmen und keine Dosensounds zu produzieren. Ein Kumpel ist Cellist und der hat Arrangements geschrieben. Auch Pianisten waren dabei und dann haben wir alles durch Amps geschickt und das Signal verzerrt und kaputt gemacht, damit es nicht steril klingt. Das ist schon so ein Punkt, wo wir sagen, da haben wir einen Sound gefunden, der nicht ganz so glatt poliert klingt.

Euer Manager ist Jan Hoffmann, Bassist von Long Distance Calling. Kann er euch wertvolle Tipps geben?

Christoph: Ja, auf jeden Fall. Er hilft uns, Fehler zu vermeiden. Wir arbeiten jetzt mit einem größeren Label zusammen und da ist es ganz gut, jemanden zu haben, der sich in Vertragsangelegenheiten gut auskennt. Aber auch was er so an Kontakten hat. Der Jan ist einfach ein super Typ. Wir haben mit vielen Agenturen gesprochen und uns bewusst für ihn entschieden. Uns war wichtig, jemanden zu haben, der uns versteht, der weiß wo wir herkommen. Er ist mit Long Distance Calling auch den langen Weg gegangen.

Sind die musikalischen Vorlieben innerhalb der Band sehr unterschiedlich?

Christoph: SEHR unterschiedlich. Ich sehe das als Chance, weil jeder ganz anders an die Sache ran geht. Wir hören sehr wenig Rock-Musik. Ich hör viel Singer-Songwriter-Sachen und auch viel elektronische Musik.

Du als Sänger und Texter, hörst du früh auf die Lyrics oder wie lässt du Musik auf dich wirken?

Christoph: Ich hör zuerst einfach mal den Song und dann gibt`s ja immer Elemente, die einen so packen. Und das ist das wichtigste an einem Song, dass er dich früh fesselt, sei es durch die Stimme oder den Sound und dann beschäftige ich mich später erst mit den Lyrics, wenn ich ihn dann nochmal in Ruhe höre und die Texte nachlese.

Im Moment herrscht ja der totale Casting-Wahn im Fernsehen. Interessiert dich sowas oder ist das gar kein Thema für dich?

Christoph: Ich gucke das ab und zu und wenn, dann eher beiläufig oder durch Zufall. Man kommt ja kaum dran vorbei, wenn man mal die Glotze einschaltet. Voice Of Germany find ich relativ interessant, weil die Leute wirklich gut sind, aber so ein Zeugs wie DSDS, da geht es mir zu wenig um die Musik.

Spinnen wir mal zum Schluss ein bisschen rum: Wenn du es dir aussuchen könntest, wie groß würdet ihr werden wollen? Wäre ganz oben letztlich das Ziel oder gäbe es so ein Zwischending, wo man sich als Band einen Status erarbeitet hat, seine Fanbase hat und ausreichend gut davon leben kann?

Christoph: Das Zweitgenannte. Unsere Musik ist auch nicht eingängig genug, um einen Riesenerfolg haben zu können. Uns wäre es wichtiger, eine verlässliche Fanbase zu haben, vielleicht sogar außerhalb Deutschlands. Wenn man unterwegs sein kann, Spaß hat und sein Auskommen hat, das wäre der Weg, den wir uns wünschen würden.

Christoph, vielen Dank für das Gespräch!

Ein Dankeschön geht auch nach Hamburg an Hanno Klänhardt von Oktober Promotion für seine freundliche Unterstützung!