Interview mit Mariusz Duda von Riverside (Deutsche Version)

Mariusz Duda von Riverside
DATUM» 11.01.2013
ARTIST»

Die polnische Prog-Band Riverside hat wieder zugeschlagen! Im Januar 2013 veröffentlichten sie ihr nun fünftes Album mit dem Titel „Shrine Of New Generation Slaves”. Im März und April geht es auf eine Tour durch Europa. Kurz vor der Veröffentlichung hatte Musicheadquarter-Redakteurin Shirin Kay die Gelegenheit, Mastermind Mariusz Duda zum neuen Album und zur Tour zu befragen.

Mariusz Duda von Riverside

Hi Mariusz! Wie geht’s dir und was treibst du so?

Mariusz: Mir geht’s gut, danke! Ich hatte heute viel zu tun, denn ich habe große Pakete mit CDs von InsideOut und Mystic Production bekommen. Und ich muss dir sagen, die Verpackung der neuen limitierten CD ist wahrscheinlich die beste, die wir je hatten. Aber auch sonst gab es bisher viel zu tun, deswegen freue ich mich sehr auf das Wochenende. In einer Woche ist schon die Veröffentlichung des Albums in Polen und wir mussten uns um einige Dinge, die damit verbunden sind, kümmern.

Werdet ihr vor der Tour noch Zeit für eine Verschnaufpause oder Urlaub haben?

Mariusz: Nicht wirklich. Wir müssen jetzt die neuen Songs lernen. Vielleicht haben wir nach der Tour Zeit für eine Verschnaufpause. Vielleicht auch auf der Tour …

Nun ja, auf so einer Tour kann man nicht wirklich Urlaub machen.

Mariusz: Im Nightliner ist es eigentlich schon ganz gemütlich. Man kann da gut schlafen oder sich ausruhen. Und wenn man Glück hat, kann man sich die Stadt, in der man ist, für 15 Minuten angucken und schnell ein Foto für Facebook machen. (lacht)

Mariusz Duda, live on stage

Hast du zum neuen Album schon viele Interviewanfragen gehabt?

Mariusz:  Ja, sehr viele! Und das erstaunt mich, denn es zeigt, dass der Deal mit InsideOut und Century Media gut funktioniert. Ich erinnere mich, dass wir viele Interviews hatten, als wir „Second Life Syndrome” herausbrachten. Bei „Rapid Eye Movement” und „Anno Domini High Definition” waren es nur wenige, denn es gab Probleme mit SPV. Jetzt klappt’s aber richtig gut. Es könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass wir das Album so früh veröffentlichen. In den letzten Monaten ist nicht viel passiert und die heiße Phase, in der alle ihre Alben herausbringen, hat noch nicht angefangen. Wir sind also die ersten, die dieses Jahr ein Album herausbringen. Es könnte natürlich auch das Problem geben, dass die meisten nach Weihnachten keine Kohle mehr haben … (lacht)

Seit ADHD sind drei Jahre vergangen. Was ist in diesen Jahren passiert?

Mariusz: Es waren sogar vier Jahre, von 2009 bis 2013. Es ist viel passiert in meinem Leben, aber auch im Leben der Band. Ich hab zwei Lunatic Soul Alben herausgebracht und zusammen mit der Band haben wir noch die EP „Memories In My Head” gemacht. Wir sind außerdem auf eine interessante Tour gegangen und das letzte Jahr haben wir im Studio verbracht.

Wann hast du genau damit angefangen, das Material für „Shrine Of New Generation Slaves” zu schreiben?

Mariusz: Ende 2011 hatte ich die ersten Ideen für das Album, mit dem Komponieren ging es dann im Dezember los und das zog sich bis Januar, Februar 2012. Im März haben wir dann eine Session im Studio gemacht, ohne Drums – die hab ich auf dem Keyboard gespielt. Ich wollte den Jungs einfach nur meine Ideen zeigen. Wir schmissen die Ideen mit Kompositionen, die wir in den letzten Monaten aufgenommen hatten, zusammen. Danach hab ich festgestellt, dass zwei der Songs nicht so gut waren. Also habe ich sie rausgekickt, und es blieben sieben Songs übrig. Es fehlte noch das Ende … also gingen wir im April wieder ins Studio und es entstand „Escalator Shrine”, der leider 12 Minuten lang wurde. (lacht) Aber ich denke, damit war das Album quasi abgeschlossen. Ich war sicher, dass wir jetzt den letzten Schritt gemacht hatten. Später haben wir nur noch einige Farben und Details verändert.

Was passierte mit den zwei Songs, die rausgeschmissen wurden? Sind sie auf der zweiten CD der limitierten Edition gelandet?

Mariusz: Nein, die sind ganz weg. Aber willst du die Geschichte der beiden anderen Songs hören?

Ist sie aufregend?

Mariusz: Ja!

Dann bitte!

Mariusz: Ich wollte unbedingt mal ein Riverside Album mit einem Medienbuch veröffentlichen, mit einer richtig schönen Verpackung. Das Label war einverstanden, wollte dafür aber unbedingt eine zweite CD haben und fragte nach alten Nummern oder Live-Material. Und ich hab es sofort kommen sehen: Ich wollte eigentlich ein neues Kapitel von Riverside aufmachen und sollte alte Sachen auf das Album packen. Das wollte ich nicht. Zum Glück hatte ich noch für eine Woche ein Studio für Lunatic Soul gebucht. Also haben Piotr, Michael und ich uns zusammengesetzt. Diese zwei Songs sind Instrumentalstücke mit Ambient-Anleihen und haben das Album als Grundlage.

Auf der limitierten Edition haben wir also zwei zusätzliche neue Songs und ein ganzes neues Artwork …

Mariusz: Ja, und das Artwork ist fantastisch geworden. Das Buch hat 32 Seiten und damit meine ich nicht diese dünnen Seiten, es ist eher wie ein richtiges Buch. Und Travis Smith hat da ganze Arbeit geleistet. Wir haben schon oft miteinander gearbeitet, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass die Kommunikation noch viel besser lief, so als gäbe es eine mentale Verbindung zwischen uns. Er hörte sich zum Beispiel einen Roughmix von „Escalator Shrine“ an und schickte mir einen Entwurf. Und ich sah sofort, dass es das war, was ich wollte. Ich bin wirklich sehr stolz auf diese Veröffentlichung. Vor allem, weil es die Leute Lügen straft, die meinen, dass CDs tot sind. Diese Leute sollten sich diese Veröffentlichung unbedingt anschauen.

Abgesehen von dem sehr aufwändigen Artwork gab es aber auch grundlegende Veränderungen in der Musik … 2011 hattest du ja schon angekündigt, dass du mit der „Memories In My Head“-EP ein Kapitel von Riverside abschließen wolltest.

Mariusz: Der erste Grund dafür ist, dass ich es nicht mag, mich zu wiederholen. Natürlich war es mir wichtig, den Style und die Seele von Riverside zu erhalten, aber ich wollte einige Details ändern. Bevor ich mit dem Schreiben anfing, hatte ich den Jungs bereits angekündigt, dass ich von einigen Dingen, die wir bis dahin gemacht hatten, genug hatte. Lass uns diese Dinge die „unreifen Momente“ nennen. Es gab zuweilen so eine Art „garage style“ in unserer Musik, außerdem wollte ich eine bessere Produktion. In den letzten Jahren habe ich mit Lunatic Soul viele Erfahrungen gesammelt und bin dadurch viel selbstbewusster geworden. Ich weiß ganz genau, was ich erreichen will und ich weiß auch, wie ich das umsetzen kann. Diesmal hab ich von den Jungs verlangt, noch mehr auf die Produktion zu achten. Nicht dass ich direkt neben dem Mischpult sitzen wollte, denn dafür haben wir Magda und Robert, aber ich habe eine Vision und weiß, was zu tun ist. Zuerst wollte ich also die Metal-Anteile loswerden und sie mit Hardrock-Elementen ersetzen, denn die sind viel ehrlicher und kommen unserer Art zu spielen viel näher. Es ist viel ehrlicher, als überholte Thrashmetal-Riffs zu spielen – von denen hatte ich die Nase voll. Außerdem wollte ich mich mehr auf Melodien, Gesang und Arrangements konzentrieren, nicht auf die Kompositionen. Daher wollte ich auch den Stil der Drums verändern: Piotr, unser Drummer, hat in Vergangenheit manchmal einige seltsame Dinge gespielt und ich wollte ihn ein wenig runterholen. Das Gleiche galt für die Gitarren: Ich wollte keine „Second Live Syndrome”-Solos mehr. Ich wollte noch mehr mit dem Sound experimentieren, hier und da sogar ein wenig Blues reinholen. Das alles war für uns eine Herausforderung, vor allem am Anfang. Aber am Ende haben wir doch etwas kreiert, das reif ist und uns sehr am Herzen liegt. Es ist jetzt wie eine Visitenkarte für Riverside, eine Visitenkarte, auf die wir stolz sein können.

Würdest du sagen, dass die früheren Alben „unreif“ waren?

Mariusz: Nein, gar nicht. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die die alten Sachen immer schlecht finden. Ich erinnere mich daran, dass ich mal einen meiner alten Helden getroffen habe – ich glaube, es war jemand von der Band Pestilence – und die Band hatte gerade ein neues Album herausgebracht. Und der Typ sagte mir, dass die alten Alben alle scheiße waren, und es war sehr enttäuschend für mich, das zu hören. Nein, so ist es bei mir nicht. Mein persönliches Problem mit unserem vorherigen Album ADHD ist zum Beispiel, dass ich immer das Gefühl hatte, das ihm etwas fehlte. Auf einer Skala von 1 zu 6 hätte ich wohl 4,5 gesagt, aber nie 5 oder 6. Ich finde, dass man für ein gutes Album mindestens 80% erreichen sollte, der Rest betrifft persönliche und emotionale Befindlichkeiten. Aber bei „Shrine Of New Generation Slaves” habe ich das Gefühl, 90% erreicht zu haben. Es gab also eine Steigerung! Und bisher ist das für mich der beste Treffer. Ich habe das Gefühl, diesmal fast alles erreicht zu haben, das ich erreichen wollte. Natürlich sind jetzt immer noch 10% übrig, aber trotzdem! Ich bin meiner Vision gerecht geworden und das macht mich glücklich. Dieses Gefühl hatte ich nur noch ein anderes Mal, nämlich nach dem ersten Lunatic Soul Album.

Mariusz_Duda, live on stage

Übrigens: bei unserem letzten Interview hast du gesagt, dass du etwas über das Ende der Welt machen wolltest. Was ist aus diesen Plänen geworden?

Mariusz: Haha, ja. Man könnte „Escalator Shrine” als eine Einführung in das Thema bezeichnen, vor allem da, wo die Menschen im Dunkeln herumkriechen und in ein großes Werbeplakat hineinfallen. Am Anfang des Komponierens wollte ich ja auch eigentlich eine EP machen, aber während des Prozesses ist ein Flow entstanden, und es kamen viele Gefühle hoch. Es war ein bisschen wie beim Schreiben von „Out Of Myself“ und „Voices In My Head“. Auch damals habe ich viel auf der Akustikgitarre komponiert. Und es gab diese eigenartige Melancholie, die jetzt auch hier wieder aufgetaucht ist. Als ich dann merkte, dass so viele Details auftauchten, hatte ich das Gefühl, dass hieraus ein Album entstehen sollte und ich noch mehr an den Arrangements feilen sollte, um daraus ein gutes Album zu machen. Aber nach SONGS werde ich definitiv zu dem Thema der Postakopalypse zurückkehren.

Jetzt, wo du den Song „Escalator Shrine“ erwähnst, auf dem Cover ist ja auch eine Rolltreppe zu sehen. Die Rolltreppe steht doch wahrscheinlich auch für etwas?

Mariusz: Ja, genau. In all diesen Songs geht es auf die eine oder andere Art darum, sich in bestimmten Situationen wie ein Sklave zu fühlen. Auf dem Cover siehst du einen neuen Schrein, ein neuer Tempel, und das ist heute die Einkaufspassage oder der Supermarkt. Wenn man in einen Tempel geht, kniet man normalerweise nieder, um zu beten, aber in diesen neuen Tempeln hast du nur auf der Rolltreppe Zeit, um nachzudenken – obwohl die Rolltreppen eigentlich dazu da sind, damit die Leute sich schneller fortbewegen, aber sie bleiben dort stehen. Das ist für mich eine Art moderne Sklaverei. Für viele Leute sind ja auch diese Sonntage, die sie in Einkaufszentren sind, die schönste Zeit, die sie mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen, sie hängen dort herum und gehen shoppen. In diesem Track geht es außerdem um Identitäten und darum, wie einfach es heutzutage ist, seine Identität zu wechseln. In der Vergangenheit hat es länger gedauert, bis sich Veränderungen durchgesetzt haben, aber heutzutage kannst du innerhalb von zwei Wochen vom Katholiken zum Buddhisten zu werden. Du brauchst nur die richtigen Klamotten … Und dann spreche ich ja von den Wiki-Girls und Google-Boys, und da geht es um die Tatsache, dass man mittlerweile einen viel schnelleren Zugang zu Informationen hat, alles ist in deinem Smartphone. Wenn man also etwas nicht weiß, kann man es ganz schnell im Internet nachgucken. Früher musstest du eben in Büchern nachschlagen und dich richtig auf die Suche nach den Informationen machen, die Suche nach Wissen war also viel intensiver. Und es war dadurch auch viel einfacher, Dinge zu behalten, weil man sich eben die Mühe gemacht hatte. Nun ist alles viel einfacher geworden, vor allem für die junge Generation. Und das hat eine starke Wirkung auf ihr Erinnerungsvermögen.

Man könnte ja denken, dass man durch den einfacheren Zugang zu Informationen mehr Zeit für andere Dinge hat …

Mariusz: Ja, aber der einfachere Zugang bedeutet auch, dass niemand mehr etwas Interessantes zu sagen hat, denn jeder kann eben alles innerhalb von Sekunden nachschlagen. Die Kommunikation wird so viel oberflächlicher, sie ähnelt mehr dem Lesen von twitter-Nachrichten.

Wie viel von diesen Veränderungen findest du in deinem eigenen Leben?

Mariuz: Ich glaube, dass das eher die jüngere Generation betrifft. Ich verstehe viele Dinge heutzutage nicht mehr … lass uns zum Beispiel nochmal zur CD-Produktion zurückgehen. Ich erinnere mich da an eine Geschichte, wo ein Vater seiner Tochter eine CD geschenkt hat. Später fand er diese CD im Mülleimer und fragte die Tochter, warum sie sie weggeschmissen habe. Und die Tochter antwortete, sie habe alles auf ihren Computer heruntergeladen. Aber vielleicht braucht die neue Generation auch die Dinge nicht, mit denen wir aufgewachsen sind. Die Dinge haben sich verändert.

Andererseits kommuniziert auch unsere Generation nicht mehr via Telegramm …

Mariusz: Ich bin nicht gegen Entwicklungen, die uns im Leben weiterhelfen. Aber manchmal denke ich, dass einige dieser Entwicklungen unser Leben oberflächlicher machen. Manchmal sollten wir Halt machen und nachdenken, sonst laufen wir Gefahr, uns nur noch in Akronymen zu unterhalten. Ichverurteile niemanden in „Shrine Of New Generation Slaves”, ich versuche eher, mich in diese Leute der Moderne hineinzuversetzen und sie zu verstehen. Auf ADHD gab es ja eher die Außenperspektive, aber jetzt geht es eher um eine Innenschau. Abgesehen davon gibt es ja auch einige persönliche Songs …

Welche sind das?

Mariusz: Zum Beispiel „The Depth Of Self-Delusion”, wo es darum geht, dass ich endlich meinen Platz gefunden habe, und das fühlt sich gut an. Auch wenn da noch diese 10% sind, über die wir vorhin gesprochen haben. (lacht)

Bedeutet das, dass du nie zu 100% glücklich sein wirst?

Mariusz: Das weiß ich nicht. Wenn ich 100% glücklich wäre, würde ich wahrscheinlich fröhliche Songs schreiben. Ich weiß nicht, ob ich fröhliche Songs schreiben kann, vielleicht eines Tages … „Deprived“ ist übrigens ein weiterer persönlicher Song. Er handelt von den Zeiten, wo es in Polen nur Essig in den Läden zu kaufen gab (lacht), und ich sammelte als Kind Zigarettenschachteln, Pepsi-Dosen und solche Sachen. Das habe ich oft gemacht als Kind, auch diese Puppenaufführungen, von denen ich singe, die gab es, ich malte meine eigenen Comic Bücher und Ähnliches. Meine Vorstellungskraft war damals unglaublich. Jetzt, wo ich alles habe, mache ich das alles nicht mehr. In der Vergangenheit hat man eben seine Vorstellungskraft viel stärker genutzt, jetzt nicht mehr.

Haha, das erinnert mich an meine eigene Kindheit im Iran. Wir hatten nichts außer einen alten Schwarzweiß-Fernseher und ich musste meine eigenen Bücher und Kassetten machen. Lebensmittel waren schwer zu bekommen und das beeinflusst mich heute noch, wenn ich einen Supermarkt betrete. Ich fühle mich dann wie im Wunderland und muss alles haben.

Mariusz: Genau das meine ich in dem Song. Man hat heute Bücher, CDs, Filme, alles zu jeder Zeit! Und ich kann mir das alles jetzt leisten. Früher konnte ich das nicht, aber jetzt habe ich meine Playstation und die Videospiele, und es gibt diese Phasen, in denen ich mit weit aufgerissenen Augen spiele, bis mir die Zehennägel aus dem Mund herauskommen. Die Leute sagen dann: „Mensch, du bist doch ein ernsthafter Musiker, du schreibst solche Songtexte, du solltest ein ordentliches Buch lesen und nicht Zombie-Videospiele spielen!“ Aber was soll ich tun, ich mag es halt (lacht). Ich wollte das in der Vergangenheit so gerne machen und jetzt geht‘s eben.

Von Videospielen zum Musikvideo … ihr habt jetzt zu „Celebrity Touch” ein Musikvideo gedreht.

Mariusz: Das ist das zweite Musikvideo mit Riverside. „Panic Room“ war unser erstes, aber als SPV weg war, starb mit ihm das Video auf youtube. Dieses Mal haben wir mit einer polnischen Company zusammengearbeitet und im Video werden zwei Geschichten erzählt. Es geht einmal um die Band und einmal um den Untergang eines Promis. Die Band spielt auf einer Privatparty und entscheidet sich an einem bestimmten Punkt, in den Keller zu gehen und dort im Korridor weiterzuspielen. Es geht in dem Song um Promis und das Gefühl wichtig zu sein beziehungsweise um Leute, die denken, sie seien wichtig. Im Video wollte ich zeigen, wie das Leben eines Promis aussehen kann.

Findest du, dass du auch ein Promi bist?

Mariusz: Nein, ich spiele meine Musik doch in einem Keller!

Naja, im Video, aber nicht im wirklichen Leben. Da spielt ihr ja schon vor hunderten Leuten.

Mariusz: Das macht mich trotzdem nicht zu einem Promi. So kannst du mich nennen, wenn ich anfange, seltsame Klamotten zu tragen.

Du hast dennoch viele Fans, die dich regelrecht vergöttern.

Mariusz: Aber es ist eine anständige Zahl von Fans, und das sind richtige Fans, Leute, die mich nicht mögen, weil ich dauernd in der Presse zu sehen bin.

Hast du Angst davor, irgendwann ein Promi zu sein?

Mariusz: Mit dieser Art von Musik? (lacht) Nein, das glaube ich nicht. Aber wer weiß, vielleicht fangen die ganzen Hipster irgendwann an, Prog zu hören, dann vielleicht … hmm, es könnte interessant werden.

Aber das hält dich nicht davon ab, die 100% zu erreichen?

Mariusz: Überhaupt nicht. Ich werde wahrscheinlich versuchen, das nächste Mal 95,5% zu erreichen, die Messlatte ein wenig höher zu setzen, aber dennoch Raum für Herausforderungen zu lassen. Wenn ich sagen könnte „das war’s, ich habe es geschafft“, kann ich genauso gut meine Sachen packen und nach Hause gehen. Aber ich will mit Riverside noch viele interessante Sachen machen. Schau dir diese Bands an, die jetzt einen guten Grad an Ruhm erreicht haben, sie haben 15 bis 20 Jahre dafür gearbeitet. Wir haben also noch viel Zeit, ich glaube wir sind auf halber Strecke dorthin. Wer weiß, vielleicht ist das so, dass wenn wir uns in fünf Jahren treffen und du mich fragst, ob ich mich daran erinnere, wie wir über mich als Promi gesprochen haben, ich dann meinen Pelzmantel beiseite werfe und sage: „Sorry, ich erinnere mich nicht an dich, hatten wir einen Termin? Geh weg, ich muss mich um meinen Tiger kümmern!“ (lacht)

Es sollten aber mindestens zwei Tiger sein!!! (lacht, bis sie sich wie eine kaputte Maschine anhört) … Noch eine letzte Frage: Welche der neuen Songs werdet ihr live spielen?

Mariusz: Ich denke, alle. Ich bin sicher, dass es eine interessante Tour wird. Ich freue mich so sehr darauf, weil ich wirklich lange darauf gewartet habe. Ich fühle mich so nüchtern, wie ein Alkoholiker, der lange nichts getrunken hat. Es ist Zeit für die Tour! Übrigens, da ich ja der Administrator unserer Facebook-Seite, komme ich nicht umhin, zu sehen, dass wir unheimlich viele Fans aus dem Iran haben. Vielleicht liegt das an meinen Texten, weil ich darüber schreibe, nicht glücklich zu sein.

Das überrascht mich nicht. Wir sind kein fröhliches Volk, vor allem nicht die von uns, die noch im Iran leben. Das könnte es erklären …

Riverside, live