Interview mit Mariusz Duda von Riverside – neue Tour für eine neue Generation

Riverside Bandfoto
DATUM» 02.04.2013
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Dass Riverside meine absolute Lieblingsband ist, kann ich nicht verhehlen.  Jahrelang waren sie in der Progrock-Szene ein Geheimtipp.  Seit der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Shrine of New Generation Slaves“ Anfang 2013 gibt es aber keine Zweifel mehr darüber, dass Riverside sich etabliert haben und in der obersten Liga mitspielen.

In den letzten Jahren habe ich drei Interviews mit Mariusz Duda, dem Frontmann und Kopf der Band, gemacht. Es war etwas schwierig, diesmal mit völlig frischen Fragen aufzuwarten, aber nun … wir trafen uns Backstage in Karlsruhe und plauderten bei schwarzem Tee und Gummibärchen.

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Mariusz, unser letztes Interview hatten wir drei Wochen bevor „Shrine of New Generation Slaves“ herauskam. Da war noch nicht ganz klar, wie das Album ankommen würde. Jetzt sind zwei Monate seit der Veröffentlichung vergangen. Wie waren die Reaktionen?

Mariusz: Also, als wir mit Inside Out zusammenarbeiteten, wurde unser Album „Second Life Syndrome“ super promotet. Ich hatte viele Interviews und viel Zuspruch. Die Veröffentlichungen von „Rapid Eye Movement“ und „Anno Domini“ waren leider überschattet von der Finanzkrise  und dem Bankrott von SPV. Wir hatten sehr wenige Reaktionen von den Medien. Aber jetzt ist alles im grünen Bereich. Es gibt unheimlich viel Zuspruch und alle scheinen das neue Album zu mögen. Oder alle sind gute Schauspieler … (lacht) Wir hatten jedenfalls noch nie so wenig negative Reaktionen!

Was ist mit den üblichen Nörglern, die alles Neue zu kommerziell finden?

Mariusz: Naja, manche Leute mögen keine Veränderungen. Manche schätzen es sehr, wenn eine Band sich weiterentwickelt. „Shrine of New Generation Slaves“ erinnert wiederum sehr an die Anfänge von Riverside und die Fans von „Out of Myself“ z. B. werden sicherlich auch das neue Album lieben, denn es hat den gleichen Vibe.

Merkt man den Erfolg auch an der Anzahl der Leute, die zu euren Konzerten kommen?

Mariusz: Es sind definitiv mehr Leute da, und das ist in Zeiten der Krise ein gutes Zeichen. Bands, die vorher vor 1000 Leuten gespielt haben, spielen jetzt vor 500 usw. Wir haben unsere Zuschauerzahl zum Teil gehalten und zum Teil steigern können. In Paris waren viel mehr Leute da, es waren ungefähr 700 Leute in Köln dabei. In Holland kommen immer mehr Leute zu den Shows. Alles wächst und das find ich gut!

Findest du, dass die neuen Songs live funktionieren?

Mariusz: Du hast sie ja jetzt ein paar Mal live gehört, was meinst du?

Naja, ich finde, sie haben sich seit eurem ersten Gig in Dresden zum Teil verändert, musikalisch und gesangstechnisch, aber das ist ja immer so, wenn Bands ihre Musik live spielen.

Mariusz: Das hat aber auch ein bisschen damit zu tun, dass wir gelernt haben, sie live zu spielen. Der allererste Gig in Dresden war quasi eine große Generalprobe. Denn wir hatten davor 18 Monate lang keine einzige Show gespielt. So nach dem zehnten Konzert hatte ich das Gefühl, dass sich die Songs endlich so anhören, wie sie es von Anfang an hätten tun sollen. Aber ich muss noch ein paar Sachen ändern, und ich denke beim zweiten Teil der Tour wird alles sitzen. Ich hätte auf dieser Tour unheimlich gerne „Deprived“ gespielt, aber das funktioniert noch nicht. Wir müssen noch herausfinden, wie. Mit dem Rest bin ich zufrieden. Bei „Depth of Self-Delusion“ spielen wir jetzt live zum Beispiel diese verrücken Soli … ich glaube, die Leute merken den Unterschied zu Bands wie Dream Theater. Es geht uns nicht darum, besonders komplizierte Songs zu spielen, wir wollen uns mehr auf die Melodien konzentrieren. Wir wollen uns auch weiterentwickeln. Ich habe keine Lust mehr, dauernd „Second Life Syndrome“ zu spielen …

Was war denn bisher auf der Tour das beste Konzert?

Mariusz: Paris war wirklich gut und Köln vor zwei Tagen auch, obwohl wir da technische Probleme hatten. Das Publikum war sehr verständnisvoll. Aber alles in allem war bisher jedes Konzert cool. In Belgien hatte ich zum Beispiel auch Probleme mit der Technik und habe dann ein paar „geflüsterte Schreie“ mit dem Publikum gemacht, und das war genial, eines meiner Highlights auf dieser Tour. Das Publikum hat überhaupt super mitgemacht, was für mich ein kleines Rätsel ist, denn wir tun ja nichts Besonderes auf der Bühne. Wir haben keine Animationen im Hintergrund laufen, keine dramatischen Effekte und trotzdem geht das Publikum total mit.

Riverside live, Foto: Shirin Kay

Habt ihr denn schon mal über Videos nachgedacht?

Mariusz: Nein, ich bin kein großer Fan davon, genau das zu spielen, was hinter mir passiert. Ich mag die Spontaneität auf der Bühne lieber.

Ein kleiner Schlenker zu eurem Musikvideo zu „Celebrity Touch“. Bist du zufrieden damit?

Mariusz: Hmm, ich muss sagen, ich bin nicht wirklich mit dem Endresultat zufrieden. Wir wollten ja etwas Einfaches machen, und das ist auch ganz gut gelungen. Aber es ist nicht mein Lieblingsvideo. Ich bin aber auch insgesamt kein großer Fan von Videoclips.

Was wäre der perfekte Tag für dich auf einer Tour?

Mariusz: Oh je, das kann ich alles hier nicht laut sagen (lacht). Wenn ich das alles weglasse, bin ich bei dem Teil, wo wir Backstage sitzen und auf die Show warten … Na gut, also ordentlich schlafen ist immer gut, um ausgeruht auf die Bühne gehen zu können. Und es hilft ungemein, wenn man keine Kämpfe ausstehen muss. Auf dieser Tour ging es zum Teil sehr abenteuerlich zu, ob es nun Probleme mit Transport, dem Equipment oder der Band waren … es ist halt wie in einer Familie, da muss man sich manchmal streiten und dann ist alles auch wieder gut. Manchmal kommt es vor, dass man zusammen auf die Bühne geht und einfach nur angepisst ist. Ich war auf dieser Tour auch noch krank, was nicht wirklich geholfen hat. Der Rest der Band und die Crew waren auch teilweise krank. Das muss man definitiv nicht haben. Heute fühle ich mich zum Beispiel richtig gut, ich bin ausgeschlafen, weil wir uns irgendwo ein Hotel genommen haben. Das tun wir manchmal, um überhaupt mal Schlaf zu bekommen und vielleicht ein schönes Bad zu nehmen!! Ein Bad auf der Tour ist das Beste, was einem passieren kann!!

Ihr werdet im Mai in den Staaten spielen. Bist du aufgeregt?

Mariusz: Ja, nach zehn Jahren ist es jetzt das erste Mal, dass wir in den USA touren werden und ich bin schon sehr aufgeregt. Ich weiß nicht, was uns da erwartet, zumal ich auch noch den Großteil meiner Sachen nicht mitnehmen kann, meinen Verstärker zum Beispiel und die Effektgeräte. Wir müssen das alles dort mieten. Ich hoffe sehr, dass ich es schaffen kann, ohne meine eigenen Sachen gut zu klingen. Die Clubs werden kleiner sein, es ist also wie ein Neuanfang.

Danach geht es ja direkt weiter. Zeit für Urlaub?

Mariusz: Danach werden wir dann noch durch Osteuropa touren und dann kommen die Festivals und dann der zweite Teil der New Generation Tour … puuuh, wir werden dieses Jahr eigentlich nur spielen. Ich weiß nicht, ob es dieses Jahr wirklich Zeit für Urlaub geben wird.

Du hast aber schon angekündigt, dass es dieses Jahr auch noch was von deinem Solo-Projekt Lunatic Soul zu hören geben wird …

Mariusz: Ja, momentan plane ich, zwischen den beiden Touren noch ein bisschen weiter an Lunatic Soul zu arbeiten, vielleicht bis Ende des Jahres eine EP fertigzustellen, und spätestens nächstes Jahr etwas herauszugeben. Ich würde gerne etwas anderes mit LS machen. Die ersten drei Alben waren sehr intim und sanft. Jetzt denke ich darüber nach, eine Band zu gründen und musikalisch in eine etwas kraftvollere Richtung zu gehen …

Eine Tour mit Lunatic Soul???

Mariusz: Ja, vielleicht sogar eine Tour, mal sehen. Sechs Leute auf der Bühne … darüber denke ich momentan nach. Eventuell wäre Michael dabei, wenn wir diese Riverside-Tour überleben …

Warum denn nicht, was wäre das Schlimmste, was passieren könnte … aaaaaah, nein, lass uns nicht darüber nachdenken ...

Mariusz: (lacht) Ehm, ja wir könnten zum Beispiel in Istanbul bleiben, weil diese Stadt so schön ist.

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Was findest du am schönsten an Istanbul?

Mariusz: Hmm, die Stadt erinnert mich an eine polnische Stadt (lacht), nur größer. Da gibt es zum Beispiel diese lange Straße mit tausenden Geschäften und Musikläden, dort kann man alle möglichen schönen Spielzeuge, viele „lunatic toys“, finden, seltsame Instrumente usw. Ich will ganz viele Instrumente kaufen für das nächste Album.

Was ist die blödeste und langweiligste Frage, die du bei Interviews gestellt bekommest?

Mariusz: Ganz klar die Frage nach der Entstehung der Band. „Wie hat alles angefangen?“ Ich hasse diese Frage. Immerhin haben wir das alles auf unserer Internetseite als Biographie bereitgestellt und alle können es nachlesen. Oh, wie ich das hasse, so langweilig. Dann möchte ich meistens schon aufstehen und gehen.

Mal sehen, ob ich das toppen kann … hmm was ist das peinlichste Album, das du zu Hause hast?

Mariusz: Hmm, also das ist eine Schallplatte mit indischer Musik mit Flöten und so. Unser Drummer hat sie mir geschenkt, weil er sie sonst weggeschmissen hätte. Ich habe sie übrigens immer noch, weil sie sich in meinem Regal gut macht.

Und dein peinlichstes romantisches Lied?

Mariusz: Oh, das ist „Paris Paris“ mir Malcolm McLaren und Catherine Deneuve, ich hasse diesen Song so sehr, aber ich habe ihn manchmal im Kopf. Ich hab ihn in Paris andauernd singen müssen.

Machst du Karaoke? Kannst du singen??

Mariusz: Hahaha, wir sind jetzt also auf dieser Ebene gelandet. Ich habe die ganze Zeit Karaoke in meinem Kopf. (lacht)

Jaja, ich könnte noch mehr solcher Fragen stellen. Eine letzte: Was ist dein Lieblingsfilm?

Mariusz: Ich könnte jetzt „Citizen Kane“ sagen, um besonders intelligent rüberzukommen. Hmmm, „Braveheart“, ein Film für Jungs!! Da gibt es noch Filme wie „Jerry Maguire“, „Billy Elliot“, die ich immer wieder gucke. Ich mag Filme, in denen der Protagonist sich zum Ende des Films weiterentwickelt.

Mariusz, danke für dieses Interview! Ich bin gespannt, wie sich Riverside in den nächsten Jahren weiterentwickelt!

Mariusz Duda, Foto: Shirin Kay