Interview mit Friedrich Kautz aka Prinz Pi in der Live Music Hall in Köln 2012

Friedrich Kautz aka Prinz Pi in der Live Music Hall in Köln
DATUM» 21.01.2012
ARTIST»
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Prinz Pi ist momentan in aller Munde und „reduziert sich auf das Minimum“ in keinster Weise, wie er in vielen seiner Stücke anpreist: Platz Neun in den Charts hieß es für den selbsternannten „iGod“ 2011 mit seinem letzten Studioalbum „Rebell ohne Grund“. Kaum ist man für das angesetzte Interview mit dem Berliner Rapper in der ausverkauften Live Music Hall angekommen, begegnet einem der Mann des Abends: Friedrich Kautz aka Prinz Pi aka Prinz PornObiWanKenobi, gut gelaunt mit Mütze und ein paar gekühlten Becks für alle Beteiligten. So wird man doch gerne empfangen.

Hallo Friedrich, kann es sein, dass ihr ein wenig im Stress seid? Das Interview ist ja relativ kurzfristig zustande gekommen.

Friedrich: Och, wir sind immer vor dem Gig etwas im Stress, aber es ist alles cool. Ich wusste gar nicht, dass heute Interviews angesetzt wurden. Mir hat da keiner irgendwie richtig Bescheid gesagt, aber das ist ja nicht deine Schuld.

Du bist ja bereits seit einigen Wochen wieder auf Tour. Es ist die Tour mit den größten Konzerthallen, soweit ich weiß. Macht das einen großen Unterschied zu den vorherigen Touren aus?

Friedrich: Es sind mehr gemischte Gigs. Teils haben wir sehr große Hallen wie heute zum Beispiel die Live Music Hall, aber gestern in Aachen hatte ich ein Konzert im Musikbunker. Ein megakleiner Schuppen: Mieser Sound, eine schlechte Lüftung – Spaß gemacht hat es aber alle Male. Ich mag beides sehr gerne.

Bei Facebook hast du vor einiger Zeit einen Aufruf gestartet, welcher alte Song mit in dein Set noch als eine Art letzter Schliff übernommen werden sollte. Welcher ist es geworden?

Friedrich: Ich glaube, das war damals „Trümmer“, welches gewonnen hat, bin mir aber grad nicht sicher.

Anderes Thema: Wie du, haben auch Casper und K.I.Z. die Live Music Hall (ca. 1.500 Leute, d.Red.) in Köln ausverkauft. Selbst Haftbefehl spielt in einigen Monaten in dieser Location. Alles das spiegelt ja in erster Linie nicht zwingend den „klassischen“ Rap wider. Kannst du dir erklären, warum dieser alternative Hip-Hop momentan bei den Leuten so gut ankommt?

Friedrich: Ich glaube, dass Casper schon krass in Richtung Pop geht. Er hat das Ganze halt in die Schiene geöffnet, ohne das jetzt natürlich negativ zu meinen. Die Musik auf „XOXO“ ist sehr, sehr mainstreamtaugliche Musik. Das sieht man auch an seinen Fans. K.I.Z. sind eh schon sehr lange bekannt und insgesamt sehr rockig. Sie sind ja auch bekannt für ihre rockigen Shows. Ich glaube, dass generell Hip Hop-basierte Musik mittlerweile sehr erfolgreich ist. Peter Fox ist ja beispielsweise auch Hip Hop im erweiterten Sinne. Und es ist ja klar: Die Leute, die das innovative Zeug raushauen sind dementsprechend erfolgreich. Selbst Haftbefehl hat ja sein eigenes Ding zum Gangsterrap hinzugefügt und das ist auch gut so.

Zu „Hallo Musik“: Erstmal großes Lob zur neuen Platte. Die Neuvertonungen vor allem der alten Stücke sind sehr, sehr gut gelungen finde ich. War so eine CD eigentlich schon länger geplant?

Friedrich: Nee, das ist durch einen Auftritt bei tape.tv entstanden. Da sollten wir einen Gig mit Band spielen und das hat sehr gut funktioniert. So kam dann eins zum anderen. Vor allem habe ich in dem Moment gemerkt, dass die Songs mit einer Band noch einmal ganz anders rüberkommen als im Original, viel intimer.

Könntest du dir vorstellen auch mit der Band auf Festivals à la Rock am Ring oder Hurricane aufzutreten? Ein Set für 45 bis 60 Minuten hast du ja, Stücke mit verzerrter Gitarre sind genug dabei.

Friedrich: Ich würde das gerne machen, aber guck mal: Bei Festivals hast du halt keine Stunde Soundcheck, da muss alles mega gut organisiert sein. Wenn mich ein Festival anfragen würde, hätte ich natürlich nichts dagegen. Aber ich glaube nicht, dass die mich da haben wollen, weil ich nicht in die Sparte hineinpasse. Zumindest hat mich bis jetzt da noch keiner gefragt (grinst).

Neben „Hallo Musik“ hast du es geschafft im letzten Jahr noch die EP „Achse des Schönen“ zu veröffentlichen. Wie hast du es fertig gebracht nach „Rebell ohne Grund“ und noch einer ausgedehnten Tour mal eben eine weitere EP herauszubringen?

Friedrich: Das war eher ein kleines Nebenprojekt für die „Juice“. Teilweise sind ja auch nur Remixes von „Rebell ohne Grund“-Songs drauf. Aber so eine EP kann man relativ schnell fertig stellen, ich bin ja schließlich vollberuflicher Musiker. Daher habe ich ja auch jede Menge Zeit dafür.

Du hast in deiner Karriere ja bereits eine unglaubliche Masse an Alben veröffentlicht. Wenn jemand zu dir kommen würde und du müsstest ihm dann ein Album empfehlen, was halt dein Markenzeichen bzw. Meilenstein ist/war; welches Album wäre das?

Friedrich: Das ist auf jeden Fall immer das letzte Album, denn diese Alben zeigen halt deine Persönlichkeit zu diesem Moment. Das kann man mit einem Tagebuch vergleichen und das aktuellste Album wäre dann „Rebell ohne Grund“, weil das halt mein jetziges Ich ist. In dieses Album habe ich sehr, sehr viele Emotionen hineingepackt, aber auch politische Themen wie beispielsweise die Afghanistan-Krise. Die Alben vor fünf oder zehn Jahren liegen halt in der Vergangenheit. Man verändert sich ja gerade jetzt als junger Mensch noch sehr häufig.

Zu etwas anderem: Du hattest vor einiger Zeit auf einer DVD erwähnt, dass du an einem Buch schreibst. Ist das noch aktuell oder bereits verworfen worden?

Friedrich: Ja, da schreibe ich noch dran. Das wird aber noch eine Weile dauern bis es fertig ist, das ist mehr so ein Hobby-Projekt von mir. Ob es veröffentlicht wird, das muss ich auch noch mal schauen.

In welche Richtung wird denn das Buch gehen? Ist es etwas Autobiographisches?

Friedrich: Nein, es ist ein Liebes-Roman.

Stehen nach der Tour schon irgendwelche neue Projekte an?

Friedrich: Ja, ich schreibe am Nachfolger für „Rebell ohne Grund“, hoffe auch, dass ich dieses Jahr damit noch fertig werde. Aber in welche Richtung das Album gehen soll, weiß ich selbst noch nicht so genau, das wäre noch zu früh. Umso länger man Musik macht, desto höher werden auch die Ansprüche an einen, sich selbst zu übertreffen. Aus dem Grund lese ich mir auch nicht gerne CD-Kritiken von mir durch. Wenn die Leute über einen schreiben „das ist das beste Album was der Künstler je machen wird“, dann weißt du „Okay, du brauchst dich nicht mehr zu verbessern. Du hast deinen Evergreen-Song schon aufgenommen“. Andererseits ziehen die Leute deine Arbeit in den Dreck. Dabei waren sie gar nicht beim ganzen Prozess des Albums dabei und wissen nicht, was in einem vorgegangen ist, als das Album niedergeschrieben wurde. Das kann dich ziemlich verletzen.

Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank für das kurzfristige Interview!

Ein weiterer Dank geht an Tourmanager Markus und Felix von Landstreicher Bookings, die dieses Interview ermöglicht haben.