Lavatch Interview über das Jahr 2013 „Das beste Hobby der Welt. Unser Mikrokosmos.“

DATUM» 10.05.2013
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Die Kölner Southern-Punker von Lavatch haben sich für 2013 zwei Ziele gesetzt: Ein neues Album zu veröffentlichen und eine gute Zeit gemeinsam zu verbringen. Darüber und über andere Dinge konnte ich sie nach ihrer Show im Sonic-Ball befragen.

Wie geht’s?
Marco: Immer Astrein!
Jochen: Läuft gut! War gerade richtig eine geile Show.

Ihr habt heute in einer meiner Lieblingslocations in Köln gespielt, im Sonicballroom! War es so schön wie sonst auch?
Marco: Es war klasse, wie immer. Das Aetherblissement und der Sonicballroom haben einen familiären Reiz. Ich liebe diese Läden. Das Underground ist zwar klasse, aber vielleicht doch etwas zu groß für uns alleine, aber da sind wir natürlich auch gerne. Es ist besser, mit 50 Leuten Spaß zu haben, die uns wirklich gerne hören, als vor 300, die einem am nächsten Tag wieder vergessen haben. Heute war echt Spitze!

Ihr hattet für diese Show angekündigt, dass ihr neue Songs unters Volk bringen wollt. Die neuen Songs klingen verdammt dissonant und rockig zugleich. Ich bin auf eure neue Platte gespannt. Wie weit seid ihr denn mit eurem neuen Werk?
Jochen: Akut haben wir sechs Songs fertig, in die wir viel Arbeit und Blut gesteckt haben. Wir wollen es auf acht bis neun Nummern schaffen. Mehr geht leider nicht, da wir unser Release gerne auf Vinyl pressen wollen. Wir hoffen sehr, unser neues Album auf diesen Weg heraus bringen zu können. Wir müssen sehen, dass wir unsere Finanzen decken bzw., ob sich das überhaupt lohnt. Wir würden gerne mehr CDs und Platten machen, aber dafür spielen wir leider zu wenig. Aber wir bleiben dran und versuchen unser Bestes. Der Name des Albums und die Songtitel werden bald alle auf Facebook veröffentlicht.

Der Studiotermin im Mai steht aber wie von euch gesetzt?

Jochen: Ja, der steht. Wir haben uns damit selbst einen Termin gesetzt, damit wir etwas unter Druck stehen. Nur unter Druck entstehen Diamanten und wir laufen mit diesem System ganz gut. Wir werden es auch schaffen, bis dahin mit allem fertig zu sein. Es läuft bisher alles nach Plan!
Ich finde, ihr seid einer der wenigen lokalen Bands, die sich auf den Sozialen-Medien in klarem Kontakt mit den Fans befinden und ihre ehrliche Meinung über persönliche Dinge sagen. Da stellt ihr schon mal echt Vieles in Frage und beschwert euch über die Musik-Szene. Die letzte größere Debatte ging über das Thema Covern von Pop-Songs und die Probleme, die ihr damit verbindet.
Marco: Wie du festgestellt hast, haben wir nichts gegen das Covern von Musik. Wir haben etwas gegen Pop-Covern, wenn sich Leute selbst nur auf einen Song aus den Charts reduzieren lassen wollen, um sich den jugendlichen Massen zu öffnen. Ein guter Cover-Song ist ein guter Cover-Song, aber das läuft in komplett andere Richtungen. Gute Musiker haben das nicht nötig, aus einem schlechten Pop-Song noch einen schlechteren Cover-Song zu machen. Als Punk-Band muss man eine Meinung haben! Es hat nichts mit Neid zu tun, aber Musik ist halt ein Medium, in dem der Musiker nicht jedem nach der Nase reden muss. Wenn solche Leute ihre Schulterklopfer brauchen, dann bitte, aber wir bekommen auch unser Fett weg und stehen trotzdem morgens wieder auf.

Ihr hasst zum Glück nicht alles und jeden, sondern seid auch aktiv in Verbreitung der Musik eurer Künstler-Kollegen auf Facebook und Co. Habt ihr denn heute irgendwelche Empfehlungen für uns?
Björn: Freunde von uns sind A Drop in The Ocean. Diese haben als Ärzte-Cover mit ihren Vätern in der Besetzung angefangen und entwickeln gerade neue Sachen im Proberaum, die einen wirklich umhauen. Die Musik hat sich total verändert und die musikalischen Fähigkeiten werden auch immer besser. Diese Jungs haben definitiv Potential. Der Einfluss aus vielen Musikrichtungen in nur eine Richtung zu verbinden, finde ich genial und dies zeigt das wahre Können von Musikern. Ich sage das jetzt nicht nur, weil das meine Mitbewohner sind, haha. Ich denke, dass es die Art von Musikern mehr da draußen geben sollte. A Drop in The Ocean nehmen alles selber auf und lieben ihren Proberaum wie ihre Wohnung. Einfach mal anhören!
Marco: Wir supporten gerne unsere Freunde via Facebook oder privat, aber jeder sollte Musik für sich selbst auschecken! Am besten im Laden und nicht über ranzige Laptop-Boxen! Es gibt doch nichts Besseres, als von einer Platte überzeugt zu sein und die dann zu kaufen. Es gibt leider zu viel Zwang in solchen Dingen. Nicht jeder muss jede Band lieben. Du kannst auch andere Bands lieben, die in deinem Freundeskreis nicht drin sind. Ansonsten checkt „Go For It!“ – Beste Hardcore-Band!

Wie seht ihr denn die Entwicklung von Konzerten im Allgemeinen? Im Kölner Umfeld kennt man euch ja, weil ihr als Support für eine Ami-Band gebucht werdet, aber dann spielt ihr im Rheinland und Ruhrpott auch mit vielen Lokalbands.
Jochen: Früher, als ich noch kleiner „Pans“ war, da bin ich auf Konzerte gegangen, da kannte ich keine Band. Du hattest nur den Flyer in der Hand und bist hingegangen. Es waren keine Bands aus dem Ausland dabei. Heute checkt jeder die Band und das Album komplett via Internet aus und weiß, was genau auf einen zukommt. Der Überraschungseffekt geht fliegen und das finde ich schade! Besonders viele Jugendliche denken halt, dass Spitzensound aus der Essigfabrik und viele Tattoos zu einer Hardcore-Show dazugehören müssen. Das sehen wir halt nicht so. Der dreckige Sound hat seinen Reiz und seine Wirkung.

Fühlt ihr euch denn mit eurer Band ausgefüllt?
Marco: Wir haben das Glück, mit unseren Jugendhelden von Sick Of It All oder Napalm Death zu spielen. Wir sind im Austausch mit Musikern vor sowie hinter der Bühne. Wir wollen nicht den Druck haben, von der Musik finanziell leben zu müssen. Jedes Mal Angst zu haben, dass die neue Platte nicht einschlägt und der Erfolg ausbleibt! Es gibt nicht viele Bands in Deutschland, die so etwas können. Wir wollen es nicht. Wir lieben und schätzen das, was wir haben, kleine Wochenendtouren mit Spaß und Freude. Wir sind glücklich damit. Das beste Hobby der Welt. Unser Mikrokosmos.

Welche Wünsche habt ihr denn für 2013?
Björn: Mein Wunsch ist, dass, wenn wir es endlich geschafft haben, unser neues Album heraus zu bringen, mir das Teil an die Wand zu stellen und glücklich zu sein. Und es in 10 Jahren zu hören und zu sagen: Ich bin sowas zufrieden und stolz mit diesem Werk. Mit den Riffs die Erinnerungen der damaligen Zeit wieder wachzurufen und daran zu denken, wie toll es war.

Danke für das Interview und eure Zeit!
M: Wir haben zu danken. War ein schönes Gespräch. Bis zur nächsten Show!

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