Patrick Hagedorn von den Punch Drunk Poets im Interview

"Man rennt rum und am Ende gibt's nen Pyro."

Photo credit: Marian Hirschfeld
DATUM» 09.01.2018
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Ein Zuhause für die Folkrock-Barden Punch Drunk Poets kann man einfach nicht bestimmen. Patrick Hagedorn, Lukas Schreiber, Thomas Hokamp und Dominik Pintak kommen von überall her: Münster, Köln, Mannheim, Paderborn – sogar Warendorf und Schliekum. Zuhause ist eben da, wo man sich wohlfühlt. Die Band, ursprünglich  gestartet als Duo in Form der Sänger Lukas und Patrick, hat durch die zahlreichen Auftritte in den Pubs und Studentenfestivals verschiedener Metropolen mittlerweile einen kleinen Namen erarbeitet, der 2018 in die Clubs und kleineren Hallen Deutschlands verlagert werden soll. Patrick Hagedorn stand uns Rede und Antwort und sprach über das neue Musikvideo „Hier“, die künstlerischen Einflüsse und Gefühle beim Songschreiben.

 

Bei euren Angaben auf Bandcamp ist auch Münster als Genre angegeben. Welchen Einfluss hatte die Stadt auf eure Musik?

Hagedorn: Das war in erster Linie ein Scherz. Natürlich hat man in derStudienzeit in Münster unzählige Bekanntschaften geschlossen, die lange anhalten werden. Ganz vorne dabei ist da natürlich unser Drummer Thomas, den wir auf einer Party kennengelernt haben. Auf der anderen Seite spiegelt sich die Stadt in einigen unserer Songs wieder, wie beispielsweise in „Großstadtvagabunden“ und „Münster im Schnee“. Insgesamt verbinden wir ausschließlich Positives mit der Zeit dort.

„Hier“ handelt von den kleinen besonderen Musikmomenten im Leben. Wie ist die Entstehungsgeschichte zum Lied?

Hagedorn: Die Entstehungsgeschichte zu „Hier“…boah, wann hab ich den geschrieben? Primär ist der Song für alle, die füreinander da sind und da sein wollen. In unserer heutigen Zeit wird es mit vielen losen Kontakten im Umfeld immer schwieriger zu sehen, wer für einen tatsächlich da ist, wenn man ihn braucht. Vieles wird nur noch vage gehalten, es gibt  nur noch wenig Konkretes. Dieses Lied ist also vor allem für meine Familie und meine besten Freunde geschrieben worden, eben für diejenigen, auf die ich mich verlassen kann.

Woher kam die Idee zum Musikvideo und wer sind die beiden Personen am Ende des Songs?

Hagedorn: Wenn man sich unsere bisherigen beiden Videos „Dächer der Stadt“ und „Junge Männer brennen wieder“ angesehen hat, sind beide Videos von der Story her ähnlich aufgebaut. Es gibt einen „Bromance“ Hintergrund zwischen Lukas und mir, man rennt rum, erlebt Sachen und am Ende gibt’s nen Pyro. Ich hatte schon damals gesagt. „Lass uns doch ein Performance-Video machen!“ Aber da wurde ich überstimmt. Bei „Hier“, ein Song der etwas mehr nach vorne geht, wollte ich das aber unbedingt durchsetzen. Also habe ich den Hausmeister meiner alten Schule angehauen, der uns dann für einen Tag in die Aula rein gelassen hat um das Video im Hauruckverfahren zu drehen. Besonderer Dank geht hier an Marian Hirschfeld raus, der die Regie übernommen hat. Die ganze Szenerie hatte einfach eine sehr gute Atmosphäre mit der hell erleuchteten Bühne, den dunklen Rängen und den Personen die man am Ende sieht. Das sind übrigens meine Eltern.

Welches Lied würdet ihr einer Person zeigen, die euch noch nie zuvor gehört hat?

Hagedorn: Das ist superschwierig. „Hier“ war allein von der Produktion her am Aufwendigsten und spiegelt auch gut wieder in welche Richtung wir uns entwickeln: Weg vom Englischen, mehr zum deutschen hin und insgesamt mehr rockiger. Aber das ist ja nicht alles. Ich würde wahrscheinlich am ehesten auf ein Mittelding gehen, wahrscheinlich „Junge Männer brennen wieder“.  Wenn ich es mir recht überlege dann auch wiederum nicht. Wir haben halt verschiedene Richtungen und Einflüsse: Da ist erstens die Folk Schiene mit „Bareknuckle Fighting“, dann haben wir mehrere Balladen wie „Wenn das nicht zählt“ oder „Nordlichter“ und dann die eben erwähnten Songs. Ich glaube, ich würde es abhängig von den Vorlieben der Person machen oder ihm einfach mehrere Lieder zeigen und diese Frage umgehen. Hähä!

Du hast in einem Interview mal gesagt, dass die besten Texte aus starken Gefühlen, zum Beispiel einem Abschied, entstehen.Hast du da ein konkretes Beispiel von dir oder einer anderen Band vor Augen?

Hagedorn: Die besten Songs schreibt man aus negativen Gefühlen, die man stark kanalisieren kann im Song. Obwohl streich das Negative. Die starken Gefühle sind die besten Voraussetzungen um Lieder zu schreiben. Wie beim Abschied nehmen, sei es von der Heimat — also keine Frei.Wild Heimat, sondern die Momente, die man beispielsweise mit der Stadt verbindet — oder von einer Person. Fun Fact am Rande: Als Lukas für mehrere Monate auf Reisen gegangen ist, wollte er seiner jetzigen Freundin ein Abschiedslied schreiben und da benutzt er einfach eine Melodie, welche ich ihm einen Tag vorher gezeigt habe. Nur weil der Sack um 5 Uhr morgens zu unkreativ war, um sich etwas eigenes auszudenken. Druck das bitte genau so ab, aber so, dass das mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist!

Um einen Abschluss zu finden: Ohne Gefühle, keine Songs. Guck dir das „XOXO“ – Album von Casper an oder „Tears in Heaven“, den Eric Clapton für seinen verstorbenen Sohn geschrieben hat. Extreme Gefühle führen zu extremen Songs.

Warum hat es zwischen der EP „Ein letztes Herrengedeck“ und dem neuen Musikvideo so lange gedauert, neues Material zu veröffentlichen?

Hagedorn: Das hat den Grund, dass wir erstmal auf Reisen waren und wir sind nach unserem Bachelor in Münster in verschiedene Städte gezogen sind. Der Song ist schon weitaus früher entstanden, das Video ebenfalls. Der Schnitt hatte auch etwas länger gedauert. Wir wollten „Hier“ aber noch auf jeden Fall im Jahr 2017 veröffentlichen, was uns zum Glück auch gelungen ist.

Mit welchen Musikern würdest du in Zukunft gerne Zusammenarbeiten?

Hagedorn: Da gibt es wirklich sehr, sehr viele Bands. Generell wäre eine Support-Tour im Nightliner schon ein absoluter Traum von uns. Beispielsweise mit „Schmutzki“. Sehr coole Jungs. Wenn’s noch ein bisschen größer gehen könnte, dann wären die Donots der absolute Wahnsinn, zumal der Bezug zu Münster auch noch hinzukommt. Wenn ich total rumspinnen dürfte, dann wären meine Favoriten aberDave Grohl und Brody Dalle, der Crush meiner Jugend. Aber wie gesagt, da gibt es einfach unzählige Musiker, die man jetzt auflisten könnte.

Was sind die Pläne für 2018? Ist zeitnahe ein Album geplant?

Hagedorn: Es ist natürlich ein Album immer im Hinterkopf. Am besten wären zwei Split EPs, eine ruhigeren, die andere mit schnellen Nummern. Aber das muss natürlich alles auch erst einmal bezahlt werden und wir haben erst einmal in neuen Merchandise investiert. Im Februar werde wir auf Tour gehen. Das hat unsere Booking-Agentur klar gemacht. Es werden insgesamt zehn Konzerte in ganz Deutschland sein. Es sind zwar primär sehr kleine Venues, teilweise auch einfach WGs, aber das macht uns nichts aus. Also insgesamt sieht das Jahr 2018 sehr gut für uns aus. Das einzige Manko ist, dass Thomas, unser Drummer, einen neuen Job hat, in dem er zeitlich stark eingespannt sein wird.