Eine faszinierende musikalische Reise in die 80er Jahre

Es ist lange her, dass der Film „Flashdance“ in den Kinos weltweit für Furore sorgte. Vierzig Jahre – man glaubt es kaum. Im Jahr 1984 gewann der Titeltrack einen Oscar als „Bester Song“ und die Ende letzten Jahres verstorbene Irene Cara gelangte damit endgültig zu Weltruhm, nachdem ihr im Jahr 1980 der Song „Fame“ bereits den Weg geebnet hatte.

Die Geschichte um eine Schweißerin, die zudem in einem Nachtclub arbeitet und von einer Karriere als professionelle Tänzerin träumt, ist wie geschaffen für eine Musical-Umsetzung. Das müssen Robbie Roth, Robert Cary und Tom Hadley (etwas verspätet) erkannt haben, als sie die Geschichte adaptierten und zunächst 2008 im englischen Plymouth auf die Bühne brachten. Inzwischen gibt es auch eine deutschsprachige Fassung, die momentan von der Produktion ShowSlot auf Tournee geschickt wird.

in Trier war die Vorstellung am Sonntagnachmittag trotz der frühen Stunde nahezu ausverkauft und die Zuschauer*innen durften sich auf eine faszinierende Show des jungen Ensembles freuen. Was mir immer wieder auffällt: Es gibt bei den ShowSlot-Produktionen stets ein sehr engagiertes Team, das aus aufstrebenden Sänger*innen und Tänzer*innen besteht, denen man die Freude an der Performance jederzeit ansieht.

Das Stück startete mit einem Prolog, der den Titel „Flashdance“ kurz vorweg nahm, um dann in die Handlung einzusteigen. Die großformatige Kulisse mit begehbaren Gerüsten und fahrbarer Treppe konnte sowohl als Stahlfabrik, als Nachtclub, als Wohnung und als Tanzstudio genutzt werden. Dafür waren stets nur wenige Umbauten nötig, um mit einigen Accessoires die passende Atmosphäre zu schaffen.

Fotocredit: ShowSlot

Weit über zwei Stunden dauerte die Show, die mittels einer 20minütigen Pause halbiert wurde. Die Geschichte des Films wird im Musical nicht 1:1 übernommen. Es gibt eine Vielzahl – zum Teil neuer – Motive, die die Handlung tragen können. Da ist zunächst die Geschichte der aufstrebende Tänzerin Alex, die noch nie eine richtige Ausbildung genossen hat und sich mit zwei Jobs über Wasser halten muss. Dann gibt es die Lovestory zwischen Alex und Nick, dessen Familie die Stahlfabrik gehört. Es kommt zu Schwierigkeiten in der Firma und er muss eine Entscheidung treffen, ob er die Leute entlassen will. Die Kluft zwischen Unter- und Oberschicht spielt hier in mehrfacher Hinsicht eine Rolle. Auch die Nachtclubs konkurrieren miteinander und Alex‘ Freundin Gloria gerät an zwielichtige Typen im Milieu.

Neben bekannten Filmsongs wie „Flashdance“ und „Maniac“ wurde für das Musical ein neuer Score komponiert und es wurden mit „I Love Rock’n’Roll“ und Umberto Tozzis „Gloria“ weitere große Hits in die Show aufgenommen. Bei ShowSlot kommen die Instrumente vom Band. Das ist schade und einer der wenigen Kritikpunkte, die ich an der Show habe. Eine Liveband wäre besser, doch auch mit der Musikkonserve wurde das Musical bestens gemeistert. Bisweilen waren die Solisten nicht absolut deutlich zu verstehen, wenn die Musik zu laut eingespielt wurde, aber daran konnte man sich schnell gewöhnen.

Das Ensemble und die Sänger*innen wechselten kontinuierlich zwischen quirligen und wundervoll ruhigen Momenten. Das Musical hat alles, was man sich wünschen kann. Große Tanzszenen mit hervorragender Choreografie, die alle Ebenen der Kulisse nutzte. Aber auch viele ruhige und schauspielerisch große Momente, inklusive der Liebesszenen zwischen Alex und Nick sowie später zwischen Gloria und Jimmy. In der ganzen Show lag leidenschaftliche Energie und eine Menge Power. Auch Nebenfiguren wie die Nachtclubbesitzer und Alex‘ alternde Trainerin Hannah waren hervorragend besetzt. Es wimmelte in der Show vor charismatischen Persönlichkeiten.

Allen voran überzeugte Faye Bollheimer in der Hauptrolle. Doch auch das übrige Ensemble war großartig und konnte den Charakteren eine Stimme geben. Fast alles wurde live gesungen – nur zu Beginn des abschließenden „Flashdance“ hat man Irene Cara im Original eingespielt, was ein Vinylknistern einläutete.

Das ganze Ensemble leistete Großartiges und wurde zum Schluss mit Jubel und stehenden Ovationen gefeiert. So begeistert hatte man die Europahalle Trier an einem gewöhnlichen Sonntagnachmittag wohl selten erlebt. Das Stück ist weiter auf Tour und es wird bis zum Jahresende noch eine Reihe von Deutschlandterminen geben. Daneben sind weitere ShowSlot-Produktionen wie“Ghost“ und „Magical Singalong“ im März in Trier zu sehen. Hingehen lohnt sich allemal!

Fotocredit: David Schmelzer

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